Dank für Gastfreundschaft: Familie Meiners aus Kirchlengern erhält Post aus Changzhou

China-Kicker schickt 300 Schutzmasken

Kirchlengern (WB). Die Corona-Krise macht die Welt kleiner – und den Zusammenhalt über Grenzen hinweg größer: Das hat auch jetzt Familie Meiners aus Kirchlengern erfahren. Nachwuchskicker Lin (11) aus China, der im vergangenen Sommer bei den Ostwestfalen zu Gast war, hat ihnen ein besonderes Geschenk gemacht.

Daniel Salmon

Tarek Meiners (16) zeigt einige Pakete mit Mundschutzmasken, die Gastkicker Lin und seine Familie den Kirchlengeranern geschickt hatte. Die meisten Masken haben die Meiners abgegeben. Foto:

„Er hat uns 300 Mundschutzmasken geschickt“, sagt Helen Meiners (40). Die zweifache Mutter zeigte sich von der ungewöhnlichen Post gerührt: „Das hat mich emotional echt gefangen genommen“, sagt sie.

Kontakt per Handy gehalten

Aber von Anfang an: Gemeinsam mit drei weiteren jungen Chinesen – Di, Harry und Carter, alle zwischen acht und elf Jahren alt – hatte Lin vor einigen Monaten bei den Meiners gewohnt. Das Quartett aus dem fernen Osten – genauer gesagt aus der Region Changzhou – hatte damals an einem zweiwöchigen Fußballcamp des SC Herford teilgenommen. Der sportliche Austausch war von der Herforder Firma Wemhöner Surface Technologies initiiert worden. „Die Jungs waren erst recht schüchtern, tauten mit der Zeit aber immer mehr auf. Verständigt haben wir uns auf Englisch. Ober über kleine Kärtchen mit chinesischen Schriftzeichen, die ich geschrieben hatte“, erinnert sich Helen Meiners.

Der Aufenthalt in der Kirchlengeraner Familie und deren Gastfreundschaft hatte bei den jungen Fußballern Eindruck hinterlassen. Der Kontakt zu den Meiners riss nie ganz ab. Per Handy tauschte man sich weiterhin aus, schickte Erinnerungsfotos rund um den Globus. Es entstanden Freundschaften auf Distanz. „Mit Lin haben wir uns am meisten geschrieben“, sagt Helen Meiners. Auch zum Weihnachtsfest 2019 tauschten sie Grüße und frohe Wünsche über den Messengerdienst „WeChat“ aus.

Familie ist gerührt

Ende März – die Auswirkungen der Corona-Pandemie hatten Deutschland längst im Griff – meldete sich Lin erneut. „Er hat gefragt, wie es uns geht und ob wir Masken bräuchten. Ich wusste erst gar nicht, was er meinte und sagte ihm, dass eine Freundin uns welche genäht hatte“, berichtet die 40-Jährige. Aber der junge Chinese ließ nicht locker, schließlich schaltete sich sein Vater ein. Helen Meiners: „Er hat mich angeschrieben, dass er nun alles in die Wege leiten würde. Er brauchte unter anderem unsere Telefonnummer für die Zollabwicklung, um uns die Mundschutzmasken zu schicken.“ Und die kamen prompt. Schon am 3. April klingelte der Postbote und brachte ein Paket mit etwa 300 Masken.

„Wir waren völlig überrascht, konnten das erst gar nicht glauben. Wir fanden es cool und wirklich rührend, dass Lin und seine Familie so an uns gedacht haben“, sagt die Kirchlengeranerin, die das Päckchen gemeinsam mit Sohn Tarek (16) öffnete. Bei dem Geschenk handelt es sich um Masken, die auch Zahnärzte verwenden. „Alle waren eingeschweißt“, sagt Meiners.

Masken weiterverschenkt

Doch was macht die Familie mit diesem ungewöhnlichen „Herzensgeschenk“? „Wir haben sie beispielsweise an Verwandte von uns verschickt, die zu Risikogruppen gehören. Oder an meine Cousine, die in der Altenpflege beschäftigt ist.“ Ein Großteil ging zudem an das Marie-Schmalenbach-Haus in Herford. Dort engagiert sich Helen Meiners’ Mutter für ältere Menschen, sie hatte in der Einrichtung vor dem Ausbruch der Pandemie zudem eine Sportgruppe geleitet.

„Einige Mundschutzmasken haben wir auch selbst behalten, nutzen sie privat oder beruflich – für unseren eigenen Schutz und den Schutz anderer“, sagt die Kirchlengeranerin: „Ich habe sie schon zum Einkaufen getragen oder als ich neulich bei einer Blutspende-Aktion war.“ Helen Meiners und ihre Familie sind von dem liebgemeinten Geschenk aus China auch nach einigen Tagen noch völlig begeistert. „Das zeigt die weltumspannende Solidarität, die die Corona-Krise ausgelöst hat. Wir haben uns bei Lin und seiner Familie natürlich herzlich bedankt“, sagt die 40-Jährige.

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