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Improtheater in der Erich-Kästner-Gesamtschule

Die furchtlosen Drei

Kirchlengern (WB). Mutige nach vorne auf die Bühne! Einen Eindruck davon, was jugendliche Verzagtheit bedeuten kann, wird bei einem offiziellen Pressetermin erahnbar. 21 Neuntklässler beteiligen sich an einem Workshop zum Improvisationstheater – nur drei wollen sich fotografieren lassen.

Hartmut Horstmann

Fatima Qallaku, Eric Noah Claasen und Cameron Matthes (von links) sind als Spione unterwegs: In einem dreistündigen Workshop werden sie auf den Auftritt am Abend in der Erich-Kästner-Gesamtschule Kirchlengern vorbereitet. Foto: Hartmut Horstmann

Na ja, bis zum Abend haben die Theaterpädagogen Alix Heselhaus und Andreas Strietzel in der Erich-Kästner-Gesamtschule noch Zeit, um die anderen in Schwung zu bringen. Denn der Workshop dient der Vorbereitung auf einen gemeinsamen Auftritt.

Selbstbewusstes Auftreten

Die beiden Theaterpädagogen aus Münster sind zum zweiten Mal in Kirchlengern zu Gast. Und weil sie wissen, dass die Zeit vom morgendlichen Workshop bis zum Auftritt am Abend kurz ist, fungieren sie gewissermaßen auch als Backup. Erst präsentieren sich die Schüler auf der Bühne und je nach Dauer komplettieren dann die Improschauspieler den Abend.

Zu denen, die keine Angst haben, zählt die 15-jährige Fatima Qallaku. Sie selbst habe eher etwas Ernstes erwartet, sagt sie. Und sie sei überrascht, wie viel Spaß das mache. Gleichzeitig erfuhr sie, dass selbstbewusstes Auftreten beim Theaterspiel wichtig ist.

Gefühl für die Situation

Fürs obligatorische Foto machen Fatima Qallaku, Cameron Matthes und Eric Noah Claasen den Spion – eine Spielszene, die damit beginnt, dass die Akteure die Hände zu Pistolen formieren. Dann bewegen sie sich vorsichtig aufeinander zu – so wie es der Zuschauer aus Krimis kennt.

Für Andreas Strietzel sind diese kurzen Spielszenen wichtig, weil sie zweierlei beinhalten. Zum einen gibt es bestimmte Regeln und Abläufe, zum anderen aber auch die Möglichkeit zum freien Spiel. Der Theaterpädagoge, der mit Alix Heselhaus seit 2010 Workshops anbietet, sieht das Improtheater aber nicht nur als Auflockerungsform fürs klassische Schauspiel: »Es ist eine eigenständige Form des Theaters, bei der das Gefühl für Situationen wichtig ist.« Das Improtheater ist zudem verbunden mit dieser Aufforderung: »Sage Ja zu dem, was kommt!«

Haltung auf der Bühne

In der Erich-Kästner-Gesamtschule findet der Workshop im Klassenverbund statt. Beruht die Teilnahme ausschließlich auf Freiwilligkeit, machen meist mehr Mädchen als Jungen mit, hat Alix Heselhaus erfahren. Warum das so sei, wisse sie nicht. Immerhin lehrt die Praxis von neun Jahren voller Workshops auch, dass die Jungen, die sich beteiligen, dann genauso engagiert sind wie die Mädchen.

Theater habe auch mit Überwindung zu tun, ergänzt Andreas Strietzel. Man müsse auf die Bühne gehen und eine Haltung einnehmen. Den Schülerinnen und dem Schüler, die fürs Pressefoto den Spion geben, fällt der Mut zur Haltung nicht schwer. Der Rest der Mitschüler ist am Abend gefragt.

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