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Brasilianerin Thais Pellosi lernt mit Jugendaustauschprogramm Deutschland kennen

Die Welt zu Gast in Quernheim

Kirchlengern  (WB). »Es ist viel grüner hier als bei mir zuhause«, sagt Thais Pellosi, als sie mit der ganzen Familie Oberhacke im Garten in Quernheim sitzt. Die 18-Jährige kommt aus Brasilien, genauer aus einer Stadt etwa so groß wie Bünde und in der Nähe der Metropole Sao Paulo.

Thomas Klüter

Neues Familienmitglied: Thais Pellosi (Zweite von links) fühlt sich wohl in Quernheim und wurde von Colin (von links), Hildegard und Arian Oberhacke und dem Rest der Familie herzlich aufgenommen. Mit den Söhnen besucht sie die Kästner-Gesamtschule. Foto: Thomas Klüter

Seit Februar ist Pellosi in Quernheim und die Familie Oberhacke hat die junge Brasilianerin bereits ins Herz geschlossen. Oma Hildegard drückt »ihre« Thais und freut sich über das neue Familienmitglied. »Ich hab nur Jungs als Enkel«, sagt Hildegard Oberhacke. »Jetzt habe ich auch eine Enkeltochter.«

Ein Jahr lang bei der Gastfamilie

Ein Jahr bleibt Thais Pellosi bei ihrer Gastfamilie. Sie ist über das »Rotary Youth Exchange Program«, also das Jugendaustauschprogramm des Rotary-Clubs, nach Deutschland gekommen. Hier lernt sie die Sprache, die Kultur und vor allem deutsche Freunde kennen. Mit dem selben Programm war Arian Oberhacke, der älteste Sohn, 2014 bereits in Simbabwe. Der zweite Sohn, Colin, geht im kommenden Schuljahr nach Australien. »Das ist wie das Symbol des Rotary-Clubs«, sagt Mutter Kerstin Oberhacke. »Ein weltweites Rädchen, das sich dreht.«

Ein Geben und Nehmen

Tatsächlich organisiert der Rotary-Club International und seine Abteilung Rotex den Austausch normalerweise so, dass die Familien, die ein Kind ins Ausland schicken, auch ein Kind bei sich aufnehmen. »Das Ganze ist ein Geben und Nehmen – und die Organisation läuft komplett ehrenamtlich«, sagt Kerstin Oberhacke. Entsprechend günstig ist der Weg ins Ausland auch im Vergleich zu kommerziellen Schüleraustauschprogrammen. »Wir haben insgesamt vier Kinder, wenn jedes über ein teures Programm weggegangen wäre, hätten wir uns das nicht leisten können«, sagt die Mutter.

Trotzdem, oder vielleicht gerade wegen des ehrenamtlichen Engagements ist das Rotary-Programm sehr gut organisiert. Es gibt Vorbereitungskurse in der Heimat, die Austauschschüler haben einen Paten im jeweiligen Gastland, der bei Bedarf kontaktiert werden kann.

Und in Ausnahmesituationen kommt es schon mal zu außergewöhnlichen Hilfseinsätzen. »Einmal lag ein Schüler in Südamerika mit einer Tropenkrankheit im Bett«, erzählt Arian Oberhacke. Weil er auf einem Schiff war, sei es nicht möglich gewesen, ihn zu behandeln. »Ein Rotarier aus der Gegend hat ihn dann mit seinem eigenen Hubschrauber abgeholt und ihn in ein Krankenhaus gebracht.« Kerstin Oberhacke berichtet von einem ähnlichen Vorfall: »Nach einem Erbeben in Ecuador haben die Rotarier alle Hebel in Bewegung gesetzt«, sagt die Mutter. »Die Austauschschüler waren unter den ersten, die ausgeflogen wurden.«

Leben in Deutschland kennenlernen

Solche Extremsituationen bleiben Thais Pellosi in Quernheim sicherlich erspart. Die 18-Jährige lernt das ganz normale Leben in Deutschland kennen. Sie geht zur Erich-Kästner-Gesamtschule in Bünde, macht beim TV Häver Zumba und Aerobic und besucht einen Deutsch-Intensiv-Kurs bei »Projekt Korrekt«. Vom Rotary-Club organisiert wird sie eine 23-tägige Europatour und eine zehntägige Deutschlandreise mitmachen. Außerdem gibt es regelmäßige Wochenendtreffen und Ausflüge mit anderen Austauschschülern.

»Wir haben die Welt zu Gast in Quernheim«, sagt Oma Hildegard. Schüler aus dem fernen Japan und Korea seien vorher schon da gewesen. »Und jetzt ist meine brasilianische Enkeltochter Thais bei uns.«

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