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Nach fast zwei Jahren in Sierra Leone kehrt Susanne Schröder zurück – Engagement für Driving-Doctor-Projekt

Freude auf das Weihnachtsessen

Kirchlengern (WB)

Fast zwei Jahre arbeitete sie in Sierra Leone, war im westafrikanischen Land als Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Clinton Health Access Initiative (CHAI) tätig und engagierte sich zudem vor Ort für das Driving-YMCA-Doctor-Projekt: Susanne Schröder. Ende November packte die 57-Jährige dann ihre Koffer und kehrte heim nach Stift Quernheim

Hilko Raske

Susanne Schröder mit einer CHAI-Mitarbeiterin auf der Motorhaube eines Driving-Doctor-Fahrzeugs. Die Kirchlengeranerin arbeitete fast zwei Jahre in Sierra Leone.

. Im Kreis der Familie, mit Kindern und Enkelkindern, will sie nun das Weihnachtsfest feiern – und freut sich auf ein typisches Weihnachtsessen und die niedrigen Temperaturen im deutschen Winter.

Wie kommt man überhaupt dazu, sich für einen Arbeitsplatz in Sierra Leone zu bewerben? Von 1991 bis 2002 tobte ein blutiger Bürgerkrieg in dem Land, das etwa die Größe von Bayern hat. Zwischen 2014 und 2016 litt Sierra Leone zudem unter dem Ausbruch einer Ebola-Epidemie. Doch für Susanne Schröder ist der westafrikanische Staat nach eigenem Bekunden wie eine „zweite Heimat“. Immerhin hat sie 2006 den „Driving-YMCA-Doctor“ selber mit ins Leben gerufen, der in den ländlichen Regionen von Sierra Leone die Gesundheitsversorgung von Kindern und schwangeren Frauen verbessert. Unterstützung erhält das Projekt dabei durch einen Förderverein mit Sitz in Stift Quernheim.

Die Verbundenheit mit dem Land und den Menschen führte dazu, dass sie sich bei CHAI beworben hatte. So brachte sie ihr Weg aus dem eher ländlichen Stift Quernheim nach Freetown, der etwa zwei Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt des westafrikanischen Landes. „Ich hatte eine nette Wohnung in Freetown“, erzählt sie. In der Hauptstadt seien aber immer noch die Auswirkungen des Bürgerkrieges zu spüren – viele Menschen seien damals vom Land in die Stadt geflohen. Inzwischen gebe es etwa 70 Slums in der Metropole, die Situation sei für die Bewohner sehr schwierig.

Ihre Aufgabe als CHAI-Geschäftsführerin war, zur Stärkung des nationalen Gesundheitswesens mit dem zuständigen Ministerium zusammenzuarbeiten. „Dieses Ziel setzte sich CHAI nach dem Ebola-Ausbruch.“ Das sei Sierra Leone in Zeiten von Corona zugute gekommen. „Hier ist die Wahrscheinlichkeit, sich damit anzustecken, deutlich geringer als in Deutschland.“ Sogar die US-amerikanische Behörde CDC habe Ende November das Risiko, an Corona zu erkranken, in Sierra Leone als gering eingestuft. Weitaus gefährlicher sei dort Malaria.

Noch bevor die ersten Krankheitsfälle in Sierra Leone aufgetaucht seien, habe die Regierung Luft-, Wasser- und Landgrenzen geschlossen und auch Beschränkungen für Reisen innerhalb des Landes angeordnet, berichtet Susanne Schröder. „Das hat natürlich auch den Driving Doctor betroffen. Für einige Wochen konnten wir unsere Patienten nicht medizinisch versorgen.“ Bei den ersten Fahrten nach dem Wegfall der Reisebeschränkungen habe das Team nicht nur die medizinische Versorgung der schwangeren Frauen und Kinder wieder aufgenommen, sondern auch Lebensmittel mitgenommen und verteilt. „Aufgrund der Pandemie ist auch in Sierra Leone vieles teurer geworden.“

Wie geht es nun weiter? „Erst einmal freue ich mich darauf, Heiligabend Rotkohl, Knödel und Wild essen zu können“, so Susanne Schröder. Hinzu kämen die angenehmen Temperaturen. „In Freetown sind es derzeit 30 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent – das macht einem richtig zu schaffen.“ Sie werde sich in Stift Quernheim eine Auszeit gönnen und sich dann bei der Weltgesundheitsorganisation WHO bewerben. „Ich bin 57 – hier in Deutschland werde ich keinen Job finden.“ Und für den Ruhestand sei sie noch zu jung.

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