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Martin Rottmann und Reinhard Kaase übergeben ihre Sammlungen mit historischen Fotos an Kommunalarchiv Herford

Kirchlengern wie es einmal war

Kirchlengern (WB)

Sie haben ihr Kirchlengern geliebt, sich im Einzelnen mit vielen Bauernhöfen und Gebäuden beschäftigt, fotografiert und alte Bilder dazu gesammelt. So kamen zwei außerordentlich umfangreiche und dokumentarisch wertvolle Sammlungen durch zwei Heimatliebhaber aus Kirchlengern zusammen.

Hermann Stuke

1965: Der Schrankenwärter kontrolliert vor dem Wärterhäuschen den ordentlichen Betrieb der Schranken. Hier ist auch heute noch ein neuralgischer Punkt im Ortskern von Kirchlengern. Foto: Sammlung Kaase

Jetzt haben Martin Rottmann und Reinhard Kaase ihre Fotosammlungen an das Kommunalarchiv in Herford gegeben. Martin Rottmann beobachtete aufmerksam das Verschwinden der alten Bausubstanz und fotografierte viele Bauernhöfe, Markkötter und sonstige Kotten. Zusätzlich sammelte er alte Fotos. In den ersten Wochen des neuen Jahres, in denen die Covid-19-Pandemie die Menschen in die eigene Wohnung verbannte, setzte er sich an den Computer und ordnete den etwa 200 Bildern die Anschriften und die alten Hausnummern zu. Wo es möglich war, gab er Hinweise zu den alten Gebäuden. Häufig ist zu lesen: Abgerissen! Nun gehen die Fotos und die in Listen aufgeführten Informationen an das Kommunalarchiv Herford und können Interessenten zur Verfügung gestellt werden.

Martin Rottmann hatte sich übrigens vor etlichen Jahren intensiv mit der Geschichte der holländischen Kriegsgefangenen in Kirchlengern auseinandergesetzt und im Rahmen eines Projektes der Erich-Kästner-Gesamtschule seine Ergebnisse präsentiert.

Auch Reinhard Kaase, Besitzer der Foto-Drogerie Kaase, gibt seine umfassende Fotosammlung nach Herford. Sein Vater, Günter Kaase, hatte 1955 die Foto-Drogerie an der Lübbecker Straße eingerichtet. Er versorgte die Menschen mit Filmen, Abzügen und Profi-Fotos, die bei besonderen Gelegenheiten wie Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen oder Einschulungen gewünscht wurden. Liebend gern fuhr er mit seinem Fahrrad durch das Dorf und fotografierte bevorzugt die alten Bauernhöfe. Gerade diese Fotos aus den späten 1960er und 1970er Jahren stellen einen besonderen Schatz dar. Es ist ein Blick in die soeben noch vorhandene alte Substanz Kirchlengerns.

Außerdem erhielt Günter Kaase viele alte Fotos zum Kopieren oder Vergrößern. Etliche dieser Fotos wurden bisher in Veröffentlichungen genutzt. Dieser zweite Teil des Fotoschatzes erinnert an die alte Schönheit des Bauerndorfes Kirchlengern. Auch finden sich alte Fotos zur Wallücke-Bahn und vielen historischen Ereignissen.

Reinhard Kaase setzte sich ebenfalls in den vergangenen Monaten an den Rechner, digitalisierte etwa 600 Bilder und versah sie mit Informationen. Es gelang ihm, Ernst Stühmeier, einen alteingesessenen Kirchlengeraner, hinzuzuziehen, um weitere Einzelheiten zu den Bildern zu erhalten. Auch diese Fotos und Informationen gehen an das Kommunalarchiv.

Viele Besitzer alter Höfe oder Häuser in Kirchlengern werden, wenn sie Glück haben, im Kommunalarchiv einen Blick auf die Vergangenheit ihrer Häuser werfen können, die mittlerweile einen vollkommen anderen Anblick bieten. Für den historisch Interessierten ergeben sich konkrete Einblicke in Ereignisse der Dorfgeschichte.

Aktuell ist das Kommunalarchiv aufgrund der Pandemielage geschlossen, sodass Martin Rottmann und Reinhard Kaase zur Übergabe der Fotos nicht persönlich im Archiv empfangen werden konnte. Hinter verschlossener Tür geht die Arbeit jedoch weiter. Sobald das Archiv wieder öffnet und alle Fotos archiviert sind, können diese eingesehen und genutzt werden.

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