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Festnahme auf Rastplatz in der Schweiz - 30-Jähriger soll drei Beamte der Bünder Wache schwer verletzt haben

Polizisten-Prügler aus Kirchlengern sitzt in U-Haft

Kirchlengern/Bünde/Bern

Ein halbes Jahr nachdem ein 30-Jähriger in Kirchlengern randaliert sowie  drei Polizisten angegriffen und verletzt hatte, konnte der Mann jetzt festgenommen werden. Der per internationalem Haftbefehl Gesuchte ging der Polizei auf einem Rastplatz bei  Bern ins Netz.

Von Daniel Salmon

Der Mann, der im Dezember in Kirchlengern randaliert und Polizisten angegriffen hatte, wurde in der Schweiz festgenommen. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

Er soll drei Beamte der Bünder Polizeiwache bei einem Einsatz Ende 2021 krankenhausreif geschlagen haben, kam aber nicht in U-Haft, sondern selbst in eine Klinik und setzte sich später ab. Nun ist der mutmaßliche Polizistenprügler Maksym S. (30) geschnappt worden – auf einem Rastplatz in der Schweiz.

Wie Herfords Kreispolizeisprecher Uwe Maser mitteilt, sei der Verdächtige bereits am 8. Juni festgenommen worden. Bei seiner Verhaftung scheint „Kommissar Zufall“ eine nicht ganz unwichtige Rolle gespielt zu haben. Denn wohl nur zufällig soll Maksym R. an einem Rastplatz in der Nähe der schweizerischen Hauptstadt Bern in eine Personenkontrolle der Kantonspolizei Solothurn geraten sein.

Die Beamten sollen dann festgestellt haben, dass der 30-Jährige mit einem internationalen Haftbefehl gesucht wird. Polizeisprecher Maser informiert: „Der sich vor Ort kooperativ verhaltende Mann war mit einer vereinfachten Auslieferung an die grenznahe Polizei in Weil am Rhein einverstanden.“ Aktuell sitzt Maksym S. in einem dortigen Gefängnis in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Herford dauern an.

Konkret hatten ihm die Strafverfolgungsbehörden Hausfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzliche Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Der Fall des nun gefassten, gebürtigen Ukrainers hatte vor einigen Monaten für reichlich Schlagzeilen gesorgt – und sogar die NRW-Landespolitik in Düsseldorf beschäftigt.

Das war passiert

Der 30-Jährige soll am späten Abend des 1. Dezember 2021 in einem Mehrfamilienhaus an der Lübbecker Straße in Kirchlengern die Haustür und mehrere Wohnungstüren demoliert haben. Zu diesem Zeitpunkt soll Maksym S. unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol gestanden haben. Was er überhaupt in dem Gebäude wollte, ist bislang unklar.

Nachdem Hausbewohner die Polizei alarmiert hatten, soll der Randalierer auf die drei ersteintreffenden Beamten losgegangen sein. Fest steht: Ein Polizist ging zu Boden, schlug mit dem Kopf auf und verlor minutenlang das Bewusstsein. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, ein weiterer Beamter eine Nasenbeinfraktur. Der dritte Ordnungshüter wurde ebenfalls verletzt. Weitere Einsatzkräfte konnten Maksym S. schließlich überwältigen.

Identität zunächst unklar

Allerdings machte er zu seiner Identität zunächst keine Angaben. Die Polizei beantragte einen Haftbefehl, der dann aber vom Eildienst der Bielefelder Staatsanwaltschaft abgelehnt wurde. In Ermittlerkreisen soll man über diese Entscheidung fassungslos gewesen sein. Drei Tage nach seiner Zwangseinweisung in eine Klinik soll der 30-Jährige einen anderen Mitpatienten angegriffen und verletzt haben.

Trotz der Vorfälle war der Verdächtige am 6. Dezember aus dem Krankenhaus entlassen und auf freien Fuß gesetzt worden. Erst mehr als eine Woche später hatte die Staatsanwaltschaft dann doch noch einen Haftbefehl gegen den Ukrainer erlassen. Von Maksym S. fehlte da aber jede Spur. Schon damals schloss die Polizei nicht aus, dass er sich ins Ausland abgesetzt haben könnte und startete einen internationalen Fahndungsaufruf.

Die Umstände des Falls hatten später auch politisch hohe Wellen geschlagen. FDP-Innenexperte Marc Lürbke hatte ihn auf die Tagesordnung des Innenausschusses des NRW-Landtags setzen lassen. Eine Stellungnahme des Justizministeriums war allerdings als vertraulich eingestuft worden und gelangte daher nicht an die Öffentlichkeit.

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