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Jessica Meisner aus Löhne sammelt Spenden für Waisenhaus in Tansania

20.000 Euro sind das Ziel

Löhne (WB). Ein Leben in undichten Hütten aus Lehm und Holz, ohne fließend Wasser, Strom, geschweige denn Internet. Für Kinder in Deutschland hört sich das nach einem Überlebenscamp an, für Kinder in Tansania ist es jedoch Alltag. Das möchte die Löhnerin Jessica Meisner (22) jetzt ändern. Sie hat nach einem Einsatz in einem Waisenheim eine Spendenaktion gestartet.

Louis Ruthe

Jessica Meisner hat einen Monat lang für eine Hilfsorganisation in dem Heim gearbeitet. Zwei Monate später will die Löhnerin 20.000 Euro sammeln, um mehr Kindern die Chance auf einen Heimplatz zu geben. 25 Kinder leben in dem Waisenheim in Tansania. Foto:

Einen Monat lang hat Jessica Meisner im August als Freiwillige für die Hilfsorganisation World Unite in einem Waisenheim in Tansania gearbeitet. Geprägt von ihren Eindrücken hat die Löhnerin einen Entschluss gefasst: »Ich kann nicht einfach wieder nach Deutschland kommen und so tun, als hätte ich all das Leid nicht gesehen.«

In Eigeninitiative hat die Löhnerin eine Spendenaktion für das Waisenhaus ins Leben gerufen. »Ich habe immer von dem Leid der Menschen vor Ort gehört und wollte irgendwie helfen«, erzählt Jessica Meisner. Nach ihrem Monat in Tansania wisse sie nun auch wie: 20.000 Euro möchte sie sammeln, damit ein neues, größeres Waisenheim in Moshi entstehen kann.

Schwieriger Start in Tansania

Dabei war der Anfang für die Löhnerin alles andere als gut verlaufen in Tansania. »Bei meiner Ankunft stand ich unter Schock«, sagt die 22-Jährige. Sie habe sich zwar auf das Schlimmste eingestellt, aber die Realität sei unvorstellbar. »Die erste Woche wusste ich, ehrlich gesagt ,nicht, wie mir geschah«, sagt sie. Schnell kam sie an ihre Grenzen, aß tagelang nichts, hegte Zweifel und fragte sich immer wieder, warum sie das eigentlich alles auf sich nimmt.

Zurück in Deutschland wurde ihr die Antwort klar. »Es sind die Kinder. Die trotz unvorstellbarer Armut einem sehr viel geben«, berichtet Jessica Meisner. Täglich spielte sie mit den Kindern, lehrte sie Englisch und Mathematik sowie etwas Deutsch oder kochte mit ihnen. »Die Kinder sind für jede Minute unendlich dankbar«, sagt Jessica Meisner.

Derzeit leben in dem Waisenheim 25 Kinder. »Das ist aber nur ein Bruchteil an Kindern, die dringend Hilfe brauchen, damit sie länger als 30 Jahre leben«, sagt Jessica Meisner. Ein Erlebnis lässt die junge Löhnerin bis heute nicht los. »Von einem Waisenkind ist die Tante gestorben«, erzählt sie. Gemeinsam mit der Direktorin sowie einer Sozialarbeiterin habe sie den Jungen zur Beerdigung begleitet.

Heim an Kapazitätsgrenze

»Dort stand dann die Tochter der Toten am Sarg, mit einem Bild ihrer Mutter in der Hand«, berichtet Jessica Meisner. Vor Ort habe sich herausgestellt, dass auch der Vater schon verstorben ist. Auf Nachfrage, warum das Mädchen nicht auch im Heim leben könne, habe ihr die Direktorin unter Tränen geantwortet, dass das Heim nicht mehr Kinder aufnehmen könne. »Immer wieder ist es in den vier Wochen zu solchen Situationen gekommen«, sagt Jessica Meisner.

Doch in dem Fall des kleinen Mädchens kam es einen Tag vor ihrer Abreise zu einer Wende. »Ein Kind konnte auf die Sekundarschule entlassen werden, dafür durfte das Mädchen ins Heim«, erzählt Jessica Meisner. Stundenlang habe das Mädchen gesungen, getanzt und gelacht. »Das ist mit der prägendste Moment gewesen«, sagt Jessica Meisner. Mit dem Spendengeld möchte die Löhnerin ein eigenes Grundstück für die Betreiber kaufen.

»Der Mieter droht den Betreibern immer wieder mit der Kündigung des Mietvertrages. Mit einem eigenen Grundstück kann etwas Sicherheit gewonnen werden«, sagt Jessica Meisner. Zudem könnten die Kinder und Betreuer so eigene Lebensmittel anbauen. »Etwa 10.000 Euro benötigen wir dafür«, sagt Jessica Meisner.

Von den restlichen 10.000 Euro sollen erste Gebäude gebaut werden. 2500 Euro hat die Löhnerin bereits sammeln können. Davon kamen etwa 1000 Euro über die Crowdfunding-Plattform »gofundme« zusammen. Vor allem Unternehmen werde sie versuchen, für eine Spende zu motivieren. »Jeder Euro ist etwas wert.« Infos zum Spendenkonto gibt es unter der E-Mailadresse jessica.meisnerff@gmx.de. Zudem kann online gespendet werden.

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