»Gohfelder Reiter«: Experten berichten über archäologische Funde auf dem Scheidkamp

43 »Überreste« eines Gräberfeldes

Löhne-Bischofshagen (WB). Bereits 1908 ist bei Feldarbeiten das Gräberfeld auf dem Scheidkamp entdeckt worden. Die Archäologie für Westfalen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) sicherte bei Grabungen 2012 und 2013 zahlreiche Funde. Nun haben Experten diese Funde eingeordnet und in einem Vortrag im Heimatmuseum informiert.

Lydia Böhne

Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe und Dr. Sven Spiong haben über die Funde auf dem Scheidkamp gesprochen. Foto: Lydia Böhne

Bei den Grabungen 2012 und 2013 war Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe, LWL-Archäologin, selbst nicht dabei. Ihre Aufgabe ist es aber nun, die Ergebnisse auszuwerten. Alte Karteikarten, auf denen die ersten Funde von 1908 festgehalten wurden, sind eine kleine Hilfe. Dokumentiert wurden schon damals Keramikscherben, die typologisch identifiziert und der Römischen Kaiserzeit zugeordnet werden konnten, sowie Überreste von Brandgräbern.

Dazu der Vermerk, dass man an dieser Stelle weiter aktiv werden müsse, sobald sich dort landschaftlich etwas verändern sollte. 2012 war es soweit: Bevor auf dem Scheidkamp das Hermes-Logistikzentrum entstehen sollte, begann der LWL mit Ausgrabungen. Dunkle Verfärbungen im ansonsten hellen Boden zeigten den Archäologen, wo Schätze verborgen lagen. »Die Befunde waren sehr schlecht erhalten. Was man vorfand, waren nur noch die letzten Überreste«, erläuterte Julia Hallenkamp-Lumpe.

Funde werden auf das fünfte Jahrhundert datiert

Leichenbrand verriet, dass es sich bei der Fläche um ein Gräberfeld handeln musste. Julia Hallenkamp-Lumpe zeigte den Besuchern Bilder von kleinen Gruben. Darin fanden die Experten Keramik und Holzkohle. Insgesamt wurden 43 Befunde gesichert. Darunter Beigaben aus den Brandgräbern: Bronzefragmente, Kammfragmente, ein Teil einer kleinen Fibel. »Krümel, die oftmals in eine Hand passen«, fügte Hallenkamp-Lumpe hinzu.

Besonders auffällig waren zwei Urnengräber. Der so genannte »Reiter von Gohfeld« verdankte diesen Namen den Sporen, die seinem Grab beigelegt wurden. Die beigefügten verschmolzenen Gläser galten als Luxusgut. »Die Anthropologin hat herausgefunden, dass der Mann zwischen 40 und 60 Jahre alt geworden ist und Mangelzustände erlebt hat«, erläuterte Julia Hallenkamp-Lumpe. Sie datierte diesen Fund auf die zweite Hälfte des fünften Jahrhunderts.

Das zweite Grab, in der Ausstattung etwas bescheidener, enthält Fragmente angeschmolzener Eisenteile und Abdrücke von Holzfasern, die bis heute nicht eindeutig zugeordnet werden konnten. »Die Untersuchungen dauern immer noch an«, sagte Julia Hallenkamp-Lumpe. »Die Analyse des Leichenbrands hat ergeben, dass die bestattete Person männlich und zwischen 50 und 60 Jahre alt war. Die Beigaben sind aber eher weiblich«, stellte die Archäologin heraus.

»Die Bauern, die nach Westfalen kamen, stammten vermutlich aus Nordhessen«

Erstaunlich: Die C14-Datierung der Funde ergab eine Nutzungs-Zeitspanne von der älteren Eisenzeit bis ins frühe Mittelalter hinein. Der maximale Datierungsspielraum reicht vom 8. Jh. v. Chr. bis zum 7. Jh. n. Chr. Das Gräberfeld wurde also offenbar über einen Zeitraum von 1500 Jahren immer wieder genutzt.

Ein Blick auf das örtliche Umfeld liefert dazu Bezüge: »Es gab in Löhne verschiedene eisenzeitliche Siedlungen. Keine lässt sich jedoch konkret dem Feld zuordnen«, berichtete Julia Hallenkamp-Lumpe. Wie groß das Gräberfeld war, lässt sich heute wegen der überbauten Fläche nicht mehr ermitteln.

In einem zweiten Teil des Vortrags, der in Kooperation mit VHS und Museum ausgerichtet wurde, berichtete Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie, über das, was Experten aus den Funden schließen. »Die Bauern, die nach Westfalen kamen, stammten vermutlich aus Nordhessen«, sagte Spiong. Um 5300 v. Chr. kristallisierten sich bereits bevorzugte Siedlungsbereiche heraus. Gräberfelder dieser Zeit zeugten von Sesshaftigkeit. Weil um 4800 v. Chr. die Böden erschöpft waren, mussten sie weiterziehen. Neue Areale entlang der Flüsse wurden erschlossen. »Es gibt aber keine Siedlungsspuren, was bedeutet, dass die Menschen in mobilen Behausungen lebten«, sagte Spiong.

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