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Gericht verurteilt 51-Jährigen zu 3600 Euro Geldstrafe wegen Nötigung

»Amokfahrer« muss Führerschein abgeben

Löhne (WB). Er hat Leute von der Straße abgedrängt, ausgebremst und in Angst und Schrecken versetzt: Nun muss der als »Amokfahrer« bekanntgewordene 51-jährige Löhner für ein Jahr seinen Führerschein abgeben. Zusätzlich hat ihn das Amtsgericht Bad Oeynhausen zu einer Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro verurteilt.

Jaqueline Patzer

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Es war der dritte Verhandlungstag vor dem Amtsgericht. Zur Erinnerung: Angeklagt sei der Löhner wegen Nötigung und Bedrohung. Verhandelt wurden zwei Fälle. Den ersten Fall vom 17. September 2013 räumte der Mann gestern ein, nachdem beim letzten Verhandlungstag Zeugen die Ereignisse auf der B 61 zwischen Löhne und Herford eindrücklich geschildert hatten. Der Löhner hat demnach einen VW Tiguan abends kurz vor den Serpentinen bedrängt, ist auf der Gegenfahrbahn neben dem Wagen hergefahren, hat den Tiguan ausgebremst und bei der Flucht des Fahrers die Verfolgung aufgenommen.

Zwar könne er sich noch immer nicht an den Vorfall erinnern – »Ich habe das verdrängt« – räume den Vorfall aber ein, sagte der Angeklagte gestern, der bisher zu den Vorwürfen schwieg. Er gab eine Erklärung zu Beginn der Verhandlung ab, dass er sich zu diesem Zeitpunkt in einer schwierigen Situation befunden habe. Seine Eltern, zu denen er ein inniges Verhältnis gehabt habe, seien schwer erkrankt und kurz hinter einander gestorben. Hinzu komme, dass er seit vielen Jahren Angstpatient sei, Angst vor einem Herztod habe. »Mich hat berührt, was die Zeugen das letzte Mal ausgesagt haben, wie sie unter dem Vorfall leiden.« Durch eine der jungen Mitfahrerinnen im Tiguan habe er sich an seine Töchter erinnert gefühlt. »Es tut mir leid«, sagte er mehrfach.

Angeklagter bestreitet Tatvorwurf

Den weiteren Fall, der sich einen Tag vor dem Vorfall in den Serpentinen ereignet haben soll, bestritt der Angeklagte, der aufgrund seiner Angstzustände jedes Mal vor den Verhandlungen eine »Notfall-Tablette« genommen habe, um sich zu beruhigen. Ein 23-jähriger Löhner berichtete von dem Vorfall auf der Königstraße. Auf dem Weg nach Hause sei plötzlich ein dunkler Wagen hinter ihm gewesen, sei dicht aufgefahren, habe Fernlicht angehabt. Der junge Mann habe angehalten und sei auf den Wagen zugegangen. »Dann hat er irgendwas vom Beifahrersitz oder aus dem Handschuhfach genommen«, berichtete der Zeuge, der daraufhin zu seinem Auto gegangen und losgefahren sei. Der Unbekannte habe ihn weiter verfolgt, ausgebremst. Als die Autos nebeneinander fuhren, habe der Angeklagte eine Waffe auf ihn gerichtet. Daraufhin sei er zur Polizei gefahren. Jedoch wurde dieser Vorfall wegen Bedrohung mit einer Schusswaffe aufgrund von Restzweifeln eingestellt – bei einer Haus- und Arbeitsplatzdurchsuchung wurde keine Waffe beim Angeklagten gefunden.

Weitere Zeugen berichteten von ähnlichen Fällen, nur ohne Waffe. Diese wurden nicht verhandelt, führten aber über die Halterermittlung zum Angeklagten, denn die Zeugen hatten sich das Kennzeichen notiert.

Die Staatsanwältin plädierte für eine 24-monatige Führerscheinsperre und eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro: »Sie haben anderen anlasslos Angst gemacht und Schrecken verbreitet. Der Vorfall hat die Zeugen nachhaltig geschädigt«, klagte sie an. Das Urteil der Richterin sah etwas milder aus: Zwölf Monate Führerscheinsperre plus 3600 Euro Geldstrafe.

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