1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Loehne
  6. >
  7. Anlieger in Gohfeld sind sauer

  8. >

Wohngebiet »Zum Flachsland«: Stadtrat berät über Bebauungsplan

Anlieger in Gohfeld sind sauer

Löhne-Gohfeld (WB). Jens Brüggemann ist wütend. In der Wohnsiedlung »Zum Flachsland« plant die Lebensraum GmbH, zwei Mehrfamilienhäuser zu bauen, die laut den Anliegern nicht in die Umgebung passen. Auch im Planungs- und Umweltausschuss hat das Vorhaben für Diskussionen gesorgt.

Renée Trippler

Die Anwohner des Wohngebietes »Zum Flachsland« sind über ein Bauvorhaben verärgert, dass auf der dortigen Obstwiese geplant ist. Die Projektentwicklungsfirma »Lebensraum GmbH« hat ein Konzept für zwei Mehrfamilienhäuser entwickelt. Foto: Renée Trippler

In der Sitzung am Donnerstagabend haben die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses unter anderem über die Beschlussvorlage zur Bebauung des Wohngebietes in Gohfeld beraten. Nachdem sich mehrere Fraktionen kritisch zu dem Thema geäußert hatten, wurde beschlossen, die Vorlage im Stadtrat zu thematisieren.

Auch Jens Brüggemann hatte die Sitzung als Zuhörer besucht. Ihn ärgert vor allem, dass Betroffene kaum Zeit haben, sich mit dem Thema zu befassen: »Ich habe Mittwoch davon erfahren, Donnerstag war es im Ausschuss und Mittwoch ist es bereits in der Ratssitzung. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung sieht die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Wohngebiet »Zum Flachsland«, zwischen den Straßen Amselweg und Sudfeld, vor, auf dem sich momentan eine Obstwiese befindet.

Häuser passen nicht in die Siedlung

Die Mehrfamilienhäuser die der Antragsteller, die Lebensraum GmbH dort bauen lassen möchte, sind fast 50 Meter lang und zweistöckig. Zudem sind, anders als bei den restlichen Häusern, Flachdächer vorgesehen. Die Grünen-Fraktion sprach sich im Ausschuss gegen das Vorhaben aus. »Die Häuser fügen sich nicht in die vorhandene Wohnstruktur ein«, sagte Silke Glander-Wehmeier, Fraktionsvorsitzende. Auch passten sie »von der Art« überhaupt nicht in die Siedlung, sagte Günter Schlüter (LBA).

Auch Jens Brüggemann, dessen Mutter im Amselweg wohnt, ist der Meinung, dass die geplanten »Bunker«, die Lebensqualität in der Siedlung mindern. Ihn ärgert besonders, dass sich die Anlieger, die in der Siedlung gebaut haben, an Vorgaben halten mussten, die unter anderem eine Beschränkung auf anderthalb Stockwerke vorschrieben, die für das geplante Vorhaben nicht gelten, wie er sagt.

Anwohner fühlen sich überrumpelt

»Für mich ist es schwer verständlich, dass hier ohne Rücksicht auf Verluste ein Grundstück so ›zugeklotzt‹ werden soll«, sagt Jens Brüggemann. Katharina und Helmut Stickdorn wohnen in der Straße »Zum Flachsland« und sind von den Plänen wenig begeistert. »Wir sind bisher davon ausgegangen, dass es sich, wenn hier etwas gebaut wird, um die normale Wohnungsbebauung handelt, die hier üblich ist«, sagt Helmut Stickdorn. Also anderthalbstöckig.

Ein weiteres Problem sieht Jens Brüggemann in der Parkplatzsituation: »Der Amselweg ist sehr schmal und die 30 geplanten Stellplätze sind zu wenig für die 20 Wohneinheiten, die entstehen sollen.« Man müsse davon ausgehen, dass eine Partei oft zwei Autos unterbringen müsse und Besucher auch irgendwo parken müssten.

Fläche soll effizient genutzt werden

Henning Bökamp, Architekt und Geschäftsführer der Konzeptentwicklungsfirma Lebensraum GmbH, sagt, man habe die Parkplätze nach dem Faktor 1,75 pro Wohnung geplant. »Das ist mehr als vorgeschrieben ist, die Stadt fordert 1,5 Parkplätze pro Einheit«, sagt er. Bei der Sorge um die Höhe der Mehrfamilienhäuser sei zu bedenken, dass das Grundstück an einem Hang liege. Das Haus an der Straße würde, gemessen an den Dächern der umliegenden Einfamilienhäuser somit nicht höher als diese. Das zweite, dahinter gelegene Haus zwar schon, jedoch nur um das im Konzept vorgesehene Staffelgeschoss, wie er sagt. Mit dem Projekt soll auf den Wohnraumbedarf und die derzeitige Marktsituation reagiert werden: »Wir wollen in Gohfeld nachhaltigen und energieeffizienten Wohnungsbau umsetzten.« Nicht jeder könne sich ein Einfamilienhaus leisten. Für die Häuser seien zudem fünf verschiedene Wohnungstypen vorgesehen, »die am Markt kaum angeboten werden«, sagt er. Bislang habe es nur positive Reaktionen gegeben.

Kommentar

Das Vorhaben, Wohnraum mit Blick auf den Energieverbrauch und die Nutzung von Flächenressourcen effizient zu gestalten, ist sinnvoll. Doch auch wenn die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen sein muss, bevor ein Verfahren mit Bürgerbeteiligung eingeleitet wird, hätte es der Akzeptanz des Projektes gut getan, die betroffenen Anwohner früher zu informieren. Ihre Anliegen und die Gestaltung der umliegenden Siedlung sollten bei der Planung berücksichtigt werden, da die geplante Bebauung sie stark beeinflusst. Es darf deshalb nicht nur um die Effizienz der Flächennutzung gehen.      Renée Trippler

Startseite