1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Loehne
  6. >
  7. »Backen wurde mir in die Wiege gelegt«

  8. >

Marie Thérèse Simon aus Löhne-Gohfeld ist von Samstag an in eigener TV-Sendung zu sehen

»Backen wurde mir in die Wiege gelegt«

Löhne-Gohfeld (WB). Vor der Kamera zu stehen ist für Marie Thérèse Simon eigentlich nichts Neues. Den Preis zur Miss Handwerk OWL hat die Bäcker- und Konditormeisterin nämlich bereits im Fernsehen gewonnen. Zusammen mit Sterneköchin Julia Komb hat Simon von diesem Samstag an eine eigene TV-Show. Worauf sich die Zuschauer dabei freuen dürfen, hat sie Volontärin Freya Schlottmann im Interview verraten.

Gemeinsam mit Sterneköchin Julia Komb ist die 30-jährige Bäcker- und Konditormeisterin Marie Thérèse Simon aus Gohfeld von Samstag an mit insgesamt sechs Folgen der Sendung »kochen & backen mit Julia Marie« im WDR zu sehen. Foto: WDR/Melanie Grande

TV-Koch Tim Mälzer behauptet ja gerne, dass Backen nicht Kochen sei. Stimmt das? Beziehungsweise, wo liegt der große Unterschied?

Marie Thérèse Simon : Backen und Kochen ist auf jeden Fall verschieden, obwohl es auch einige Parallelen gibt. Beim Backen spielt der Ofen eine ganz wichtige Rolle. Der Koch benutzt hauptsächlich Töpfe und Pfannen. Um gutes Brot zu backen, ist eine lange Teigruhe absolut notwendig. Je länger desto besser. Ein bis zwei Tage sind dabei keine Seltenheit.

Muss man sich beim Backen penibler an das Rezept halten als beim Kochen?

Simon : Ja, auf jeden Fall. Beim Backen wiegen wir sehr viel ab. Natürlich hat man da auch immer eine gewisse Freiheit, was Gewürze und Geschmacksrichtungen angeht. Ansonsten sollte sich der Bäcker aber schon an das Rezept und die Temperaturangaben halten. Die Einhaltung der Temperaturen bei der Teigherstellung, die Knetgeschwindigkeit und Dauer, Ruhezeiten und Ofentemperatur sind sehr wichtig. Das alles sind Bestandteile der Rezeptur.

Wie sind Sie überhaupt zum Backen gekommen? Hat sie jemand besonders inspiriert?

Simon : Den Kontakt zum Backen habe ich natürlich durch unseren Familienbetrieb bekommen. Irgendwie wurde mir das mit in die Wiege gelegt. Wir haben nie klassisch zu Hause in der Küche zu Weihnachten Kekse gebacken. Mit meinem Vater und meinem Opa habe ich oft als Kind in unserer Backstube gewerkelt. Meine kindlichen Backkünste habe ich dann stolz meiner Mutter präsentiert.

Haben Sie ein Lieblingsrezept beziehungsweise einen Lieblingskuchen?

Simon : Nein, eigentlich gar nicht so speziell. Ich mag die Abwechslung. Gerade was die verschiedenen saisonalen Gebäcke anbelangt. Ich liebe Baumkuchen, Pralinen und ganz viel Schokolade. In der wärmeren Jahreszeit mag ich sehr gerne etwas Fruchtiges oder eine Kombination aus Frucht und Schokolade. Was aber immer geht ist ganz klassisch westfälischer Butterkuchen oder gebackener Käsekuchen.

Hat man denn irgendwann auch mal die Nase voll von Kuchen und Gebäck?

Simon : Ganz klares Nein. Kuchen und Schokolade gehen einfach immer.

Sie starten demnächst mit Julia Komb mit einer eigenen TV-Sendung im WDR Fernsehen durch. Ist es anders vor der Kamera zu Backen als in der heimischen Bäckerei in Löhne?

Simon : Ja, total. Das Backen im Studio vor der Kamera ist sehr aufregend und etwas ganz Besonderes. Es ist definitiv etwas anderes als »allein« mit den Arbeitskollegen in der heimischen Backstube. Da ist als erstes natürlich die fremde Location, die einen Unterschied macht. Ich wusste am ersten Tag zum Beispiel gar nicht genau, wo ich was finde, auch wenn ich mir vorher alles genau angeschaut habe und versucht habe, mir zu merken, was in welcher Schublade zu finden ist. Im Studio sind sehr viele Leute für Ton, Regie, Kamera, Requisite und Maske. Da backe ich quasi schon indirekt vor einem Publikum. Es ist auch immer ganz wichtig gewesen, meine »Hauptkamera« nicht aus dem Auge zu verlieren, in die ich immer gesprochen habe. Neben dem »normalen« Backen ist im Studio viel umzusetzen und einzuhalten was nur mit Hilfe des gesamten Teams hinter den Kulissen gut zu schaffen ist.

Wie sind Sie denn dazu gekommen, gemeinsam mit Sterneköchin Julia Komb eine eigene Sendung zu machen?

Simon : Nach »Deutschlands bester Bäcker« wurde ich angesprochen, ob ich Lust auf eine eigene Sendung hätte. Damals gab es noch kein genaues Konzept. Nach einiger Zeit stand das Format und ich lernte Julia bei einem Treffen kennen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und ich war begeistert.

Worauf dürfen sich die Zuschauer bei Ihrer Sendung »kochen & backen mit Julia & Marie« dann jetzt besonders freuen?

Simon : Wir kochen und backen unsere Lieblingsrezepte. Julia und ich versuchen einfach so zu sein, wie wir sind, um die Zuschauer für unseren Beruf zu begeistern. Wir möchten mit unseren Ideen zum Kochen und Backen anregen kreativ zu sein. Um Anleitungen kommen wir dabei natürlich nicht herum. Zum Grundkonzept der Sendung zählt neben dem Backen und Kochen aber auch, dass wir danach zusammen vor dem Fernseher sitzen, ein bisschen quatschen und unsere eigenen Werke noch mal kommentieren. Wir fragen uns gegenseitig, warum man verschiedene Sachen so macht. Damit wollen wir noch mal ein bisschen näher an den Zuschauer herankommen. Ich bin keine Köchin und habe dann vielleicht eine ähnliche Fragestellung, wie die Zuschauer sie an Julia hätten.

Gibt es denn ein Rezept, dass jeder Back-Laie problemlos hinbekommt?

Simon : Bei den Rezepten, die wir in unserer Sendung präsentieren, haben wir schon bewusst darauf geachtet, diese mit einer vernünftigen Anleitung gelingsicher für zuhause zu präsentieren.

Sie sind bereits Bäcker- und Konditormeisterin, sind Miss Handwerk OWL, haben diverse Preise gewonnen und jetzt auch die eigene TV-Show. Gibt es denn noch irgendein Karriereziel, dass Sie noch erreichen wollen?

Simon : Ein fix gestecktes Ziel nicht. Meine Basis ist der Betrieb zuhause. Alles andere, was drumherum passiert, ist super schön und mein I-Tüpfelchen. Ich habe aber nichts davon geplant und bin super glücklich, dass die Sachen, die ich bisher erreicht habe, sich so ergeben haben. Und für mich war das so der richtige Weg.

Ihr Standbein bleibt also der Betrieb in Löhne und nicht die TV-Karriere?

Simon : Die Basis ist und bleibt unser Familienbetrieb. Das ist mir ganz, ganz wichtig. Alles was zusätzlich kommt mache ich aber natürlich gerne.

Startseite