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Nach zwei Wochen Leerstand reisen wieder Patienten an – Schleuse in Haus 3

Berolina-Klinik füllt sich wieder

Löhne (WB). Nachdem ein umfassendes Pandemiekonzept aufgestellt worden ist, nimmt die Berolina-Klinik in Löhne wieder neue Patienten auf. Die ersten 54 Patienten sind in der zweiten Maiwoche angereist, in der vergangenen Woche kamen noch einmal 54 Neuaufnahmen hinzu. So langsam füllt sich die Rehabilitationsklinik für psychosomatische, psychische, orthopädische und neurologische Erkrankungen wieder, nachdem der Gebäudekomplex zwei Wochen lang leer stand.

Andrea Berning

Hygienikerin Judyta Paprotny (links) macht vor, wie die Anreise organisiert wird: Wer als neuer Patient in die Berolina-Klinik an der Bültestraße kommt, wird als erstes von Ellen Diekmann (Mitte) und Emily Keiser (rechts) an der Tür in Empfang genommen, bekommt anschließend eine Maske sowie einen Anamnesebogen für die Rehabilitationsklinik ausgehändigt. Foto: Lydia Böhne

„Eine bedrückende Zeit“

„Das war eine bedrückende Zeit“, erinnert sich Kristin Schwagmeier, Stellvertreterin des Geschäftsführers. Keine Patienten, keine Autos auf dem Gelände, das habe niemand gefallen können. „Und auch wenn man weiß, dass sich dieser Zustand wieder ändern wird, macht man sich Tag und Nacht Gedanken“, sagt sie.

Mit dem Aufnahmestopp war die Klinik an der Bültestraße 21 den Vorgaben des Hauptversicherungsträgers, der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund), nachgekommen. Mitarbeiter nahmen Urlaub, reduzierten ihre Arbeitszeitkonten oder gingen in Kurzarbeit. „Diese haben wir aufgestockt“, berichtet Kristin Schwagmeier. Das qualifizierte Personal der Berolina-Klinik sei sicher auch anderswo gefragt, das wolle man natürlich halten. Auch über die Durststrecke, die jetzt noch kommt. Denn natürlich kann die Klinik, die über 281 Betten verfügt, zum jetzigen Zeitpunkt nicht rentabel geführt werden. Aber neue Gesetzgebungen mit so komplizierten Namen wie „Sozialdienstleistungsunterstützergesetz“ machen es möglich, dass in der Klinik jetzt langsam wieder der Alltag einkehrt.

Essen im Schichtbetrieb

Aber es ist ein veränderter Alltag: Es gibt nicht nur weniger Patienten, auch die Therapiegruppen wurden verkleinert. Das Essen wird in Schichten eingenommen, es wird am Platz serviert und nicht selbst am Büffet aufgefüllt. Im Freizeitbereich müssen die Patienten mit Einschränkungen leben: Freies Training darf zurzeit nicht stattfinden, weil die Abstandsregelungen dann nicht überprüft werden könnten. Und auch das Schwimmbad kann nicht in der Freizeit, sondern nur zu Therapiezwecken genutzt werden. Geduscht werden kann nur auf den Patientenzimmern. „Wir haben alle Therapieräume ausgemessen und die notwendigen Abstände ausgerechnet“, erinnert sich Kristin Schwagmeier an viel Arbeit. All das nehmen die Patienten hin, denn sie wollen wieder gesund werden, haben zum Teil um ihre Rehabilitation gekämpft oder lange darauf warten müssen. Alle angekündigten Patienten seien auch angereist, sagt sie.

Vorher mussten sie allerdings zu Hause einen längeren Fragebogen zu ihrem Gesundheitszustand ausfüllen. Gab es Ungereimtheiten, hätten die Oberärzte die Patienten angerufen und schon vor der Anreise offene Fragen geklärt. Und auch die Ankunft in der Klinik ist ganz anders als sonst.

Empfang im Haus 3

Statt an der Rezeption im Hauptgebäude werden die Patienten in Haus 3, dem ehemaligen Relexa-Gebäude, empfangen. Dort werden sie befragt und von drei Stationsärzten untersucht. Sollte es Verdachtsmomente geben, gelangen die Patienten gar nicht erst ins Hauptgebäude, sondern werden in zwei neu eingerichteten Quarantänezimmern untergebracht. „Aber in der ersten Woche lief alles ganz problemlos“, erinnert sich Kristin Schwagmeier. Mit dem freigeräumten Haus 3 kann die Berolina-Klinik übrigens auch im Notfall, bei einer Häufung von Corona-Fällen, ein Krankenhaus entlasten.

Lange Warteliste

Zwei Wochen Stillstand, jetzt nur wenige Patienten – das führt zu einer langen Warteliste für die Klinik, die in der vergangenen Woche 36 Erkrankte mit psychosomatischen Beschwerden und 18 Erkrankte für die verhaltensorientierte orthopädische Rehabilitation aufgenommen hat.

Der Leidensdruck ist groß, deshalb wird auch das psychologische Beratungstelefon weitergeführt, das die Klinik in der Corona-Krise eingerichtet hat. Montags bis freitags, in der Zeit von 9 bis 14 Uhr, ist die Hotline, Telefon 05731/782480, durchgängig besetzt.

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