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Einzelteile des Mennighüffener Kriegerdenkmals werden in Porta Westfalica gesäubert und restauriert 

Dauerberieselung für Sandstein 

Löhne (WB). Das im Dezember vergangenen Jahres wiederentdeckte Kriegerdenkmal aus Mennighüffen wird momentan von Steinmetz Holger Schnier in Porta Westfalica restauriert. Die LÖHNER ZEITUNG hat sich gemeinsam mit den beiden Vereinsring-Mitgliedern Wolfgang Böhm und Werner Kubin von den Fortschritten überzeugt.

Sonja Töbing

Wolfgang Böhm (links) und Werner Kubin vom Vereinsring Mennighüffen. Foto:

 Die fünf großen Einzelstücke des Denkmals, die zum Teil ein Gewicht von 800 Kilogramm haben, liegen draußen auf dem Gelände der Werkstatt. Direkt daneben steht ein handelsüblicher Rasensprenger. »Das nennt man Berieselungsverfahren. Etwa sechs Wochen lang werden die aus den 1920er Jahren stammenden Sandsteinplatten nur mit reinem Wasser gesäubert«, erklärt Holger Schnier, der als gebürtiger Löhner einen besonderen Bezug zu dem außergewöhnlichen Fund hat. Auf chemische Zusätze werde komplett verzichtet, weil diese dem Sandstein schaden würden. »Zwar könnte ich die schwärzlichen Verfärbungen, die durch Rußpartikel entstanden sind, mit entsprechenden Zusätzen herausziehen. Aber der Charme des Alten soll erhalten bleiben«, sagt der Steinmetz.

 Ende dieser Woche seien die Steinplatten soweit gesäubert, dass sie nach einer kurzen Trockungsphase weiter bearbeitet werden könnten. Von den bereits jetzt sichtbaren Ergebnissen sind Wolfgang Böhm und Werner Kubin vom Mennighüffener Vereinsring begeistert. »Es ist wirklich toll, wie schön die eingemeißelten Namen immer noch zu lesen sind und wie gut erhalten die einzelnen Teile noch sind. Und das, obwohl sie jahrelang unbemerkt am Bahnweg gelegen haben«, sagt Wolfgang Böhm. Holger Schnier sieht das genauso: »Natürlich gibt es vor allem an den Kanten der Steine Beschädigungen. Und die Namen der Platte, die ganz oben lag, sind nicht so gut lesbar wie die anderen, weswegen mein Lehrling Jerome Baraczewski sie noch nachbessern wird. Trotzdem ist der Zustand insgesamt gut.«

 Der Steinmetz wird in den nächsten Tagen einige Skizzen anfertigen, wie die Teile des Kriegerdenkmals zusammengesetzt werden könnten. »Denn einige Elemente fehlen, beispielsweise die Platte mit dem Soldatenrelief«, erzählt Schnier. Auf jeden Fall sollen die drei Steine mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten nebeneinander stehen. »Ich muss jetzt einen Sockel und ein Dach konstruieren«, sagt Holger Schnier. Die Entwürfe würden mit den Vereinsring-Mitgliedern besprochen. Alles in allem würden die Restarbeiten noch etwa vier Wochen in Anspruch nehmen. Erst dann wird das restaurierte Denkmal wieder nach Mennighüffen zurückgebracht und dort auf dem Friedhof einen Ehrenplatz bekommen.

 Die für die Restaurierung veranschlagten 2000 Euro werden nach Aussagen von Wolfgang Böhm von Sponsoren getragen, denen ein großer Dank gelte. »Das ist ein Stück Mennighüffener Geschichte, und hinter jedem eingemeißelten Namen steht ein Schicksal«, betont der Vereinsring-Vorsitzende. Auch für Holger Schnier ist dieser Fall etwas Besonderes: »Ein solches Objekt restaurieren zu dürfen – das passiert einem Steinmetz nur ein Mal im Leben«, sagt er. Da gehe einem das Herz auf. Einen Wunsch hat Werner Kubin zum Ende der Besichtigung noch: »Kann man das Denkmal mit einer Art Schutz versehen, um Graffiti leichter entfernen zu können?«, fragt er. Und Experte Holger Schnier betont: »Das geht. Alle anderen Arten von Schutzschichten würden den Sandstein am Atmen hindern und ihn dauerhaft zerstören.«

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