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Die gebürtige Löhnerin Annika von Hollen und ihr Freund sind durch Australien gereist

„Der Geruch nach Rauch war komisch“

Löhne (WB). Die gebürtige Löhnerin Annika von Hollen (32) und ihr Lebensgefährte Marco Reese haben bei einem schon lange geplanten Urlaub im Dezember und Anfang Januar in Australien erlebt, wie die heftigen Buschbrände das Leben der Einheimischen und der Touristen beeinflussen.

Annika von Hollen (32) und ihr Lebensgefährte Marco Reese haben bei einem schon lange geplanten Urlaub im Dezember und Anfang Januar in Australien erlebt, wie die Buschbrände das Leben der Einheimischen und der Touristen beeinflussen. Foto: dpa

Nach ihrer Rückkehr hat die langjährige freie Mitarbeiterin der LÖHNER ZEITUNG, die heute in Minden wohnt und bei Melitta als Pressereferentin tätig ist, ihre Eindrücke geschildert.

Wann sind Sie nach Australien geflogen? Wie lange waren Sie dort?

Annika von Hollen: Wir sind am 12. Dezember abgeflogen und waren vier Wochen dort.

Was haben Sie sich in Aus-tralien alles angesehen?

Von Hollen: Die erste Woche haben wir in Tasmanien verbracht. Dort haben wir uns die Stadt Hobart und das Museum MONA angeguckt und sind mit einem Mietwagen durch das Land gefahren. Anschließend sind wir im Cradle-Mountain-Nationalpark gewandert. Dann sind wir nach Brisbane geflogen und haben dort einen Camper gemietet, mit dem wir in drei Wochen die Ostküste runter bis nach Melbourne fahren wollten. Auf diesem Weg mussten wir unsere Route ändern und sind landeinwärts gefahren.

Inwiefern haben Sie die Auswirkungen der Buschbrände zu spüren bekommen? Gab es brenzlige Situationen?

Von Hollen: Ich würde sagen, dass wir Glück hatten, denn die Feuer hatten nur wenig Einfluss auf unseren Reiseverlauf. Nördlich von Sydney konnten wir uns ein paar Wasserfälle nicht anschauen, weil der Nationalpark gesperrt war. In Sydney selbst hing immer ein wenig Dunst am Himmel. Als wir am 2. Januar nach Jervis Bay gefahren sind, konnten wir unseren gebuchten Campingplatz nicht erreichen, weil der Highway wegen der Feuer gesperrt war. Wir standen mit vielen anderen Wagen in der Schlange. Irgendwann haben uns die Polizisten dann gesagt, dass es noch mehrere Stunden dauern kann, bis sie den Highway wieder frei geben würden. Dann haben wir uns spontan einen anderen Campingplatz gesucht. An diesem Tag wurde auch ein Evakuierungszone für Touristen und teils auch für Anwohner an der Südküste von New South Wales bekannt gegeben, in der wir uns befanden. Wir hatten 48 Stunden Zeit, um die Zone zu verlassen. Es war eine Hitzewelle angekündigt mit über 40 Grad, und die Feuerwehr befürchtete, dass sich die Brände dadurch weiter ausbreiten könnten. Am Freitagmorgen hat uns auch unser Campingplatz darauf aufmerksam gemacht und gebeten, im Laufe des Tages abzureisen. Eigentlich wollten wir an der Küste bleiben, aber das ging nicht mehr. Brenzlig war die Situation nie. Wir haben regelmäßig die Nachrichten verfolgt und auf den Karten der Regierung geschaut, wo die Brände sind. Deshalb hatten wir auch nie Angst. In Jervis Bay hat es stark nach Rauch gerochen, das war komisch.

Als Sie die Reise gebucht haben, wüteten die Brände da schon? Haben Sie angesichts der Situation überlegt, die Reise abzusagen?

Von Hollen: Die Flüge und den Camper hatten wir bereits letzten Februar gebucht und die Campingplätze im Sommer. Da in Australien über Weihnachten und Silvester Urlaubssaison ist, wollten wir frühzeitig buchen. Es war also alles geplant. Wir haben aber zu Hause die Lage verfolgt und gehofft, dass wir unseren Urlaub wie geplant unternehmen können. Aber wir sind mit gemischten Gefühlen nach Australien geflogen.

„Es ist schade, dass dieses tolle Land gerade diese Naturkatastrophe erleben muss“

Wie haben Sie die Situation der Menschen dort erlebt?

Von Hollen: Die Buschbrände waren natürlich das beherrschende Thema. In Jervis Bay waren aber alle sehr ruhig, taten das, was sie tun konnten, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten und waren zu uns sehr hilfsbereit. Dass mehr für den Klimaschutz unternommen werden muss, scheint unter den Menschen die überwiegende Meinung zu sein.

Sie waren doch schon einmal für längere Zeit während des Studiums in Australien. Was hat sich seitdem dort verändert? Auch in klimatischer Hinsicht?

Von Hollen: Genau, ich war schon das dritte Mal in Australien. 2007 mit meiner Mutter nach dem Abi und 2013 zum Reisen und dann für ein Praktikum in Sydney nach dem Master. Man kann also sagen, dass ich ein Australien-Fan bin. Ich habe nur gehört, dass die Hitzewellen in diesem Sommer schon früher angefangen haben. Sonst ist mir aufgefallen, dass mehr Wert auf Mülltrennung gelegt wird. Und in den Supermärkten gibt es keine Plastiktüten mehr, sondern nur noch Mehrwegbeutel. Das war 2013 anders.

Welche Eindrücke nehmen Sie dieses Mal mit?

Von Hollen: Ich denke, dass sich die Lage leider erst zum Ende des Sommers vollkommen beruhigen wird. Zuletzt hat sich die Lage ja schon ein wenig verbessert. Wir hatten trotzdem einen tollen Urlaub mit unvergesslichen Erfahrungen. Es ist schade, dass dieses tolle Land gerade diese Naturkatastrophe erleben muss.

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