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Herforder (32) soll kiloweise mit Kokain gehandelt haben – sein Chat-Name war „Berufsverbrecher“

Drogendealer zu langer Haft verurteilt

Herford/Bielefeld...

In Online-Chats gab er sich das Pseudonym „Berufsverbrecher“. Als solcher ist der 32 Jahre alte Herforder vom Landgericht Bielefeld am Donnerstag zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

wn

2019 gab es eine Razzia im Elternhaus des Verurteilten an der Lockhauser Straße. Foto:

Die 10. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Christoph Meiring sah es als erwiesen an, dass der Spross einer kurdischen Familie mit deutscher Staatsangehörigkeit in acht Fällen im großen Stil, teilweise in Kilomengen, mit Kokain, Marihuana sowie Amphetaminen gehandelt hat.

Nach Verbüßung einer 15-monatigen Haftstrafe soll er jedoch erst in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden, da er selbst abhängig ist. Anschließend könnte die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem werden gut 78.000 Euro an Erlösen aus Drogengeschäften eingezogen.

Ein Großteil davon wurde in Bargeldbündeln im ehemaligen Kinderzimmer des Angeklagten in dessen Elternhaus an der Lockhauser Straße sichergestellt. SEK-Kräfte hatten im November 2019 unter anderem mit Einsatz von Blendgranaten das Haus gestürmt. Seitdem sitzt der 32-Jährige in der JVA Detmold in U-Haft.

Eine Beteiligung am Betrieb einer Marihuana-Plantage im Löhner Kaisercenter konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Wie berichtet, hatte die Polizei im April 2019 das Sport- und Freizeitzentrum gestürmt und dort eine professionelle Drogenplantage entdeckt.

Für Oberstaatsanwältin Anke Schnadt ist der Herforder die zentrale Figur in einem umfangreichen Drogenkomplex, in dem weitere Verfahren anhängig waren und sind. Unter anderem hatte das Landgericht Bielefeld Ende Juni einen 33 Jahre alten Bünder aus der ehemaligen Sowjetunion zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Zwar habe er einige der anfangs 18 Anklagepunkte eingeräumt, aber nur „minimalistisch“. Erste Hinweise habe ein V-Mann bereits 2018 gegeben. Vor allem aber die Auswertung von Chatverläufen mit Komplizen und Kunden hätten ihn überführt. Darin hätten sich die Teilnehmer detailliert über Verkäufe, Mengen und Preise ausgetauscht – übrigens mit Alias-Namen wie „Killer“ oder „Capone“. Schnadt forderte für den zweifach Vorbestraften eine Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten.

Die Verteidiger Frank Zindler (Berlin) und Daniel Scheibner (Hamburg) sahen das naturgemäß ganz anders. Lediglich für fünf Taten könne ihr Mandant verantwortlich gemacht werden. Alles andere beruhe auf der Interpretation von nicht eindeutigen Chats sowie Informationen zweier V-Leute aus der Szene, die vor Gericht nicht angehört worden seien. „Tatsächliche Beweise gibt es nicht“, erklärten sie in einem zweistündigen Plädoyer. Ihr Mandant habe einen Hang zur Prahlerei, der große Drogenboss sei er nicht. Vier Jahre seien deshalb eine angemessene Haftstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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