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Junge Sanitäter der Goethe-Realschule meistern unangekündigte Übung mit vielen »Verletzten«

Einsatz für die Ersthelfer

Löhne-Gohfeld (WB). So eine Sportstunde ist der Alptraum eines jeden Lehrers: Gleich sechs Schüler verletzen sich schwer, der Rest der Klasse steht unter Schock, irrt orientierungslos durch die Turnhalle der Goethe-Realschule. Zum Glück ist das Szenario nur eine Übung – und zugleich ein Fall für die Schulsanitäter.

Daniel Salmon

Jana (links) kümmert sich aufopferungsvoll um die verletzte Leonie. Betreuungslehrerin Elvira Ohlmeier schaut der 15-Jährigen bei dem schwierigen Übungseinsatz in der Goethe-Realschule über die Schulter. Foto: Daniel Salmon

Dienstag, 10.45 Uhr: Das Handy von Lehrerin Elvira Ohlmeier klingelt. »Großunfall in der Sporthalle. Es gibt mehrere Verletzte. Wir brauchen viele Sanis«, meldet sich die Stimme am anderen Ende der Leitung. Die Pädagogin, die an der Gohfelder Bildungseinrichtung als Betreuungslehrerin für den so genannten Schulsanitätsdienst zuständig ist, überlegt nicht lange. Rasch trommelt sie ihr junges Team zusammen. Mehr als 20 Acht-, Neunt- und Zehntklässler stürmen Richtung Turnhalle.

Schüler wissen von der Übung nichts

Was die Jugendlichen nicht wissen: Der Einsatz ist fingiert. Gemeinsam mit Mitgliedern der Johanniter-Unfallhilfe hat Elvira Ohlmeier die Großübung organisiert. Julian Grube, selbst Schulsanitäter und Schüler des zehnten Jahrgangs, hat sich das Szenario ausgedacht. Von einem Nebenraum der Turnhalle aus beobachten sie zunächst das Eintreffen der Ersthelfer.

Den Schulsanis bietet sich indes ein Bild des Grauens. Das Bein von Leonie (11) ist von einem schweren Mattenwagen überrollt worden. Reichlich Kunstblut fließt. »Wir haben ihr einen offenen Sprunggelenksbruch geschminkt«, erklärt Marion Conrad, Schulsanitätskoordinatorin bei den Johannitern. Die zehnjährige Aileen hat sich die Nase gebrochen. Ihr weißes Shirt färbt sich rot. Ihre Mitschüler stehen unter Schock. Stress pur für die jungen Ersthelfer, die zwar den Übungscharakter des Einsatzes rasch erkennen, sich aber sogleich um die vermeintlich Verletzten kümmern.

Vieles klappte bei der Übung

Das Fazit im Anschluss an den fingierten Einsatz: Nicht alles funktionierte optimal an diesem Dienstagvormittag, – aber vieles. »Beispielsweise haben die Schüler ihre Jacken, die sie extra von den Johannitern bekommen haben, vergessen. Und auch an den Eigenschutz mit Handschuhen haben viele zunächst nicht gedacht«, sagt Elvira Ohlmeier. Johanniter-Mitarbeiterin Marion Conrad ist mit dem Einsatz der jungen Schulsanis trotzdem zufrieden. »Ein großes Kompliment an Euch. Denkt immer daran: Bei der Ersten Hilfe könnt Ihr nicht falsch machen – außer eben nichts zu tun«, wendet sie sich in der Nachbesprechung an die Beteiligten.

Zwar gibt es den Schulsanitätsdienst an der Goetheschule seit mehr als einem Jahrzehnt, eine Übung in der Größenordnung gab's aber noch nie, wie Elvira Ohlmeier versichert. Sie selbst hat das ehrenamtliche Engagement der Schüler seinerzeit angeregt. Um Schulsanitäter zu werden, müssen die Jugendlichen, die den achten Jahrgang besuchen, einen 16-stündigen Erste-Hilfe-Kursus absolvieren und zusätzlich einen sechsstündigen Intensivkursus. Alle vier Wochen halten die Johanniter zudem Schulungen ab. Jedes Jahr werden neue Freiwillige ausgebildet, die sich in den Pausen meist aber nur um kleinere Verletzungen wie aufgeschlagene Knie kümmern müssen. Professionelle Rettungsmittel wie Notfalltaschen stehen ihnen dabei zur Verfügung.

»Durch ihren sozialen Einsatz wird auch das Selbstbewusstsein der Schüler gestärkt«, ist sich Elvira Ohlmeier sicher. Und auch eine berufliche Perspektive schwingt bei einigen Schulsanis bereits mit. »Ich helfe einfach gerne anderen Menschen und ich könnte mir schon vorstellen, einmal im Rettungsdienst zu arbeiten«, sagt die 15-jährige Lara.

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