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Hof Stücke verzichtet auf Fest – Karolin Bünting ist Expertin für die Schafschur

Erst Pediküre, dann der Schnitt

Löhne (WB). Eigentlich hätten sich am vergangenen Donnerstag bei traumhaftem Wetter die Besucher auf dem Hof der Schäferei Stücke gedrängt. Wegen Corona musste das beliebte Hoffest anlässlich der Schafschur aber ausfallen. Ruhig ging es auf dem Hof an der Häger Straße trotzdem nicht zu: Mehrere hundert Schafe haben am Feiertag erst eine Pediküre und dann einen neuen Haarschnitt erhalten.

Lydia Böhne

Michaela Hausmann-Stern sortiert die Wolle. Die verschiedenen Rassen Zwartbles, Suffolk, graue gehörnte Heidschnucke und Bentheimer Landschaf geben jeweils andere Wolle ab, die für verschiedene Endprodukte verwendet werden kann. Foto: Lydia Böhne

Dankbar für Unterstützung

Schon aus der Ferne ist das laute Blöken der Schafe zu hören. „Abends klingeln einem davon ganz schön die Ohren. Dafür kann ich gut schlafen, wenn alles vorbei ist“, sagt Michael Stücke. Mehrere hundert Schafe wurden für die Schur von den Weiden auf den Hof geholt. Um die Corona-Regeln einzuhalten, haben er und sein Partner Jochen Klinge die Anzahl der ehrenamtlichen Helfer reduziert. Angestellte gibt es keine. „Das bedeutet, dass die Schur länger dauern wird“, sagt Stücke. Der Schäfer ist trotzdem dankbar für jede Unterstützung: „Freunde und Familie sind immer mit Herzblut dabei. Auch von der Landjugend bekommen wir Hilfe.“

Vier Minuten dauert die Prozedur

Neben Geschick beim Einfangen der Tiere spielen auch Kraft und Ausdauer eine Rolle. „Manche Zuchtböcke können bis zu 120 Kilogramm wiegen“, sagt Stücke. Zuerst geht es für die Schafe zum Klauenschneiden. Drei bis vier Minuten dauert die Prozedur. „Mit Fangen und Fixieren liegen wir insgesamt bei etwa sechs Minuten“, erläutert er.

Etwas schneller geht es an der zweiten Station zu. Karolin Bünting braucht etwa zwei Minuten, um die Schafe aus ihrem dicken Wollpelz zu scheren. Während eines Auslandsjahrs ist sie 2010 in die Schafschur gerutscht und hat überdies einen Schafschurkurs bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen absolviert. Anfang 2018 hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und reist seither als Schafschererin um die Welt. „Ich war zum Beispiel schon in Schottland und Australien“, berichtet die Schafschererin aus Retzen bei Bad Salzuflen. Sie arbeitet nach der neuseeländischen Bodenschur, fängt also am Vorderbein an und schert die Wolle in einem Stück.

Verarbeitung je nach Qualität

Etwa drei bis vier Kilo Wolle rechnet Michael Stücke pro Tier. Sie wird nach Bauch- und Beinwolle sowie nach Rücken- und Seitenwolle sortiert. Je nach Qualität wird sie anders verarbeitet.

„Am Freitag folgt dann zum Abschluss die Blauzungenimpfung. Nach der Schur kann besser geimpft werden“, erläutert Stücke. Die Impfung ist kein Muss, der Schäfer hat sich aber trotzdem dafür entschieden: „Es bedeutet zwar einen zusätzlichen Kostenfaktor für uns, aber die Tiere können an der Krankheit verenden.“ Anschließend geht es für alle Schafe zurück auf die Weiden.

Sicherheit geht vor

Gerne hätten Michael Stücke und Jochen Klinge Besucher an der Schafschur teilhaben lassen. „Das Ordnungsamt hat uns die öffentliche Veranstaltung nicht verboten, ist uns im Gegenteil sogar sehr entgegen gekommen. Wegen der vielen Auflagen haben wir uns selbst dagegen entschieden“, berichtet Stücke. Auch wenn die Absage finanzielle Einbußen bedeute, gehe die Sicherheit vor. 2014 war das erste Hoffest organisiert worden. Etwa 600 Besucher waren es damals. Mit den Jahren ist die Veranstaltung gewachsen. 1700 Besucher waren es im Vorjahr. Um Interessierten dennoch einen Einblick zu geben, haben die Betreiber auf ihrer Internetseite eine Fotostrecke veröffentlicht. Die Adresse lautet: www.schaeferei-stuecke.de

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