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Unterversorgung – Städtisches Darlehen über 50.000 Euro soll Anreiz für Niederlassung schaffen

In Löhne mangelt es an Hausärzten

Löhne (WB). Die Stadt will Hausärzten einen weiteren Anreiz bieten, sich in Löhne niederzulassen. Hintergrund: 18 Hausärzte sind es aktuell. Fünf von ihnen sind älter als 60. Die Stadt verbindet mit diesen Fakten die Aussage: »Die hausärztliche Versorgung in der Stadt ist gefährdet.« Neun Hausärzte fehlen aktuell. Den Schritt nach Löhne will man den Medizinern nun mit einem zinslosen Darlehen in Höhe von 50.000 Euro erleichtern, das im Rahmen einer Förderrichtlinie vergeben werden kann.

Louis Ruthe

Hausarzt händeringend gesucht: Auch wenn die Wirtschaftsförderung der Stadt durch ihre Aktivitäten zur Ansiedlung neuer Ärzte beigetragen hat, sind andererseits auch Mediziner in den Ruhestand gegangen. Im Stadtgebiet gibt es deshalb eine Unterversorgung. Foto: dpa

Über den Vorschlag berät der Stadtrat am Mittwoch, 6. November, von 18.30 Uhr an im großen Sitzungssaal im Rathaus. »Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung ist Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, KVWL«, erklärt Claudia Heitkamp, Amtsleiterin im Bereich Liegenschaften und Wirtschaftsförderung. Sie sagt weiter: »Dort wird ein Förderverzeichnis für besonders betroffene Regionen geführt, in dem auch die Stadt Löhne gelistet ist.

Ärzte, die sich in diesen Fördergebieten niederlassen wollen, können einen Antrag auf Übernahme von Umzugs-und Einrichtungskosten sowie auf die Gewährung von Darlehen zum Praxisaufbau oder zur Praxisübernahme stellen.« Unterstützung würden aber auch alle anderen Kommunen erhalten, die im Förderverzeichnis gelistet seien. Im Kreis Herford sind es Herford, Kirchlengern und Vlotho.

Wie viele Ärzte für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden, lege die kassenärztliche Bedarfsplanung fest. Grundlage dieser Planung ist nach Beschreibung der Stadt eine vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) erlassene Richtlinie. Jedes Fachgebiet erhält eine Verhältniszahl von Einwohner zu Arzt.

Versorgungsgrad in Löhne ist laut KVWL zu niedrig

Für die hausärztliche Versorgung liegt sie bundesweit bei 1671 Einwohnern je Arzt. Mit Stand vom 30. Oktober hatte Löhne 40.786 Einwohner. Ab einem Versorgungsgrad von 75 Prozent abwärts gilt eine Stadt oder Kommune in der hausärztlichen Versorgung als unterversorgt.

Die Amtsleiterin: »In Löhne liegt der Versorgungsgrad bei 74,1 Prozent.« Neun weitere Hausärzte könnten sich rein rechnerisch im Stadtgebiet niederlassen, bis Löhne als überversorgt bei der Niederlassung von Hausärzten – ab 110 Prozent – gelten würde und dementsprechend für die Förderrichtlinien der KVWL gesperrt würde.

Bereits laufende Maßnahmen reichen nicht aus

Da die Maßnahmen der KVWL zur Ansiedlung niedergelassener Ärzte von der Stadt als »nicht hinreichend zielführend« betrachtet werden, hat sie bereits mit eigenen Veranstaltungen aber auch durch die Teilnahme an externen Veranstaltungen um neue Mediziner, besonders im Bereich der Hausärzte, geworben.

»Die Wirtschaftsförderung hat zudem bei der Suche nach Kooperationen, Grundstücken oder Praxisräumen unterstützende Arbeit geleistet«, sagte Claudia Heitkamp. Dadurch und auch durch andere Faktoren, wie beispielsweise die eigenständige Suche von Hausärzten nach einem Nachfolger, hätten sich in der Folge auch mehrere Ärzte neu in Löhne niedergelassen. Dies habe aber nichts am niedrigen Versorgungsgrad insgesamt geändert, da zugleich auch Hausärzte in Ruhestand gegangen seien.

Kirchlengern gilt für die Stadt Löhne als Vorbild

Die Gemeinde Kirchlengern hat bereits seit vielen Jahren ein Förderprogramm. Dort wird ebenfalls ein zinsloses Darlehen in Höhe von 50.000 Euro als Investitionsunterstützung angeboten. »Es wird mehr und mehr deutlich, dass solche finanziellen Anreize die Entscheidung für oder gegen einen Standort beeinflussen können«, meint Claudia Heitkamp.

Daher werde die Notwendigkeit gesehen, in Löhne selbst ein Angebot zu machen, um nicht hinter anderen Kommunen zurückzustehen. Sie erklärt: »Die Gefahr, dass andere ebenfalls nachziehen werden und ähnliche Angebote machen, ist durchaus gegeben.«

Haushaltsmittel stünden derzeit nicht zur Verfügung. Dies müsse bei der Wirtschaftsförderung außerplanmäßig im investiven Bereich veranschlagt werden. Die Deckung könnte nach ihrer Beschreibung über Minderausgaben beim Grunderwerb erfolgen.

Der Kreis Herford lockt zudem mit 25.000 Euro

Der Kreis Herford versucht seit Ende September, dem Hausärztemangel mit einer Prämienzahlung zu begegnen. Allgemeinmediziner, die sich im Fördergebiet mit einer Praxis niederlassen, erhalten 25.000 Euro Starthilfe . Voraussetzung ist, dass sie die hausärztliche Tätigkeit für mindestens fünf Jahre vor Ort ausüben.

Die Förderrichtlinie gilt bis Ende 2020. Parallele Förderungen sind nach Angaben der Stadt möglich. Bislang sind laut Kreis-Pressesprecherin Petra Scholz vier Anträge eingegangen. Bewilligt habe der Kreis den Zuschuss für eine Praxis in Kirchlengern, die bereits am 1. Oktober eröffnet hat.

Ob die Stadt Löhne einen weiteren Anreiz für die Ansiedlung schafft und wie die Förderrichtlinien dazu aussehen? Darüber berät der Stadtrat am Mittwoch, 6. November.

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