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Diakonische Stiftung Wittekindshof trennt sich von Immobilie – Vertragsunterzeichnung am Freitagnachmittag

Jesiden kaufen Schloss Ulenburg

Löhne (WB). Der Vertrag ist unterschriftsreif: Am Freitagnachmittag will die Diakonische Stiftung Wittekindshof das Schloss Ulenburg in Mennighüffen an die jesidische Glaubensgemeinschaft verkaufen. Diese plant nach eigenen Angaben, in der historischen Immobilie ein europäisches Studienzentrum zu errichten.

Malte Samtenschnieder

Seit 1926 befindet sich das Schloss Ulenburg im Besitz des Wittekindshofes. Seit 2007 will sich die Diakonische Stiftung von der Immobilie trennen. Der Kaufvertrag mit Vertretern der jesidischen Glaubensgemeinschaft soll am Freitag unterschrieben werden. Foto: Anke Marholdt

»Wir haben lange gesucht, viele Verhandlungen geführt und jetzt einen Käufer gefunden, dessen am Gemeinwesen orientierte Pläne uns überzeugt haben«, sagte Dieter Hakenberg, kaufmännischer Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Er freue sich, dass es gelungen sei, die komplizierten Vertragsverhandlungen erfolgreich abzuschließen. Er wisse das Schloss Ulenburg und den unmittelbar angrenzenden Park beim neuen Besitzer in den besten Händen. Die umfangreichen Ländereien seien nicht Bestandteile des Kaufvertrages.

»Wir wollen Schloss Ulenburg als Zentrum für jesidische Studien und Sitz des europäischen und des deutschen Zentralverbandes der jesidischen Gemeinden nutzen«, erklärte Ibrahim Kus, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft Jesidischer Akademiker, auf Anfrage dieser Zeitung. Der Diplom-Soziologe konnte nicht persönlich an dem Pressegespräch teilnehmen. Er sprach für die in Gründung befindliche Ulenburg-Stiftung als neuer Besitzer des Schlosses. Das Stiftungskapital sei das Resultat aus einer Spendenaktion in allen jesidischen Gemeinden. »Und der Kaufpreis für die Immobilie ist auf jeden Fall vorhanden«, sagte der Wertheraner.

Stillschweigen über Summe vereinbart

Über die Summe, für die das Schloss Ulenburg bei der Vertragsunterzeichnung den Besitzer wechseln soll, vereinbarten die beteiligten Parteien Stillschweigen. Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich um einen mittleren sechsstelligen Betrag. Während der seit 2007 andauernden Suche nach einem Käufer waren zwischenzeitlich noch Summen von zwei Millionen Euro und mehr im Gespräch gewesen.

»Von außen werden wir das Schloss nicht verändern. Auch der Rittersaal bleibt erhalten«, sagte Ibrahim Kus. Im Erdgeschoss würden aber die Zwischenwände entfernt, um einen größeren Konferenzraum zu schaffen. Im zweiten Obergeschoss bleibe die Raumgestaltung weitgehend erhalten. In den früheren Bewohnerzimmern sollten Gästezimmer für das geplante Studienzentrum entstehen.

Auch die künftige Nutzung des Schlossparks kam zur Sprache. Die Ulenburg-Stiftung plädiere für eine offene Lösung. »Wir wollen keine Mauern um das Schloss und suchen den Kontakt zu Nachbarn, der Löhner Bevölkerung und Mitgliedern verschiedener Religionen und Kulturen«, sagte Ibrahim Kus. Er könne sich gut vorstellen, dass im Schlosspark auch wieder Kulturveranstaltungen und Gottesdienste stattfinden. In diesem Zusammenhang könne sich das geplante Café zum wichtigen Treffpunkt entwickeln.

Der Kontakt zu den Jesiden kam laut Dieter Hakenberg über den vom Wittekindshof mit dem Verkauf des Schlosses Ulenburg beauftragten Makler zustande. Bei mehreren Kontakten im letzten Quartal 2014 habe er den potenziellen Käufer als sehr engagiert und seriös empfunden, sagte der kaufmännische Vorstand. Unlängst habe es auch einen persönlichen Vorstellungstermin bei Bürgermeister Heinz-Dieter Held gegeben. »Da es sich um eine repräsentative Immobilie handelt, wollten wir den Repräsentanten der Stadt im Vorfeld über die Pläne für das Schloss Ulenburg informieren«, erläuterte Dieter Hakenberg.

»Was der Käufer mit der Ulenburg vorhat, entspricht genau dem, was wir uns als Nutzung für die Immobilie wünschen«, sagte Dierk Starnitzke, Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Er hege keine Befürchtungen gegenüber den Jesiden. Es habe zwar in der Vergangenheit gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Jesiden und Anhängern des Islam – sogar im Kreis Herford – gegeben. In der Regel seien negative Befürchtungen aber unbegründet, sagte Dierk Starnitzke. Die Diakonische Stiftung sei bereit, sich – falls erforderlich – einem öffentlichen Diskurs zu diesem Thema zu stellen.

Warum das höhere Gebot eines Unternehmers aus Löhne keine Berücksichtigung fand, sondern die Jesiden den Zuschlag erhielten, erklärte Dieter Hakenberg so: »Das Angebot hat uns erst erreicht, als wir mit den anderen Verhandlungen kurz vor dem Abschluss standen.« Die Regeln des Fair-Plays hätten es in dieser Situation geboten, zur Vereinbarung mit den Jesiden zu stehen.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Textfassung war fälschlicherweise die Rede davon, dass die Gesellschaft Jesidischer Akademiker das Schloss Ulenburg erwirbt. Neuer Eigentümer ist aber die Ulenburg-Stiftung.

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