Jessica Meisner (22) aus Löhne sammelt Spenden für Waisenhaus in Tansania

Mehlbrei statt Weihnachtsgans

Löhne (WB). 25 Waisenkinder haben im »Kilimanjaro Centre« ein neues Zuhause gefunden. Doch die Miete ist viel zu hoch, und gerade in den Weihnachtsferien gibt es fast nur Mehlbrei zu essen. Die Löhnerin Jessica Meisner will das ändern. 7000 von 20.000 Euro dafür hat sie schon gesammelt.

Jenny Karpe

Der blaue Stoff ist ihr Abschiedsgeschenk aus Moshi und erinnert Jessica Meisner jeden Tag an Tansania. Foto:

Seit ihrer Rückkehr aus Moshi in Tansania kann die 22-Jährige kaum noch an ihr Lehramtsstudium denken. Stattdessen steckt sie jede freie Minute in ihre Spendenkampagne. Vor zwei Wochen stand zudem ein Besuch in der Sendung »Leichter Leben« auf Astro TV auf dem Programm. Jeden Tag ist Jessica Meisner mit der Direktorin des Kinderheims in Kontakt: Gemeinsam suchen sie ein leeres Grundstück, auf dem ein neues Heim errichtet werden soll.

Heim bräuchte eigenes Grundstück

»Die aktuelle Miete ist viel zu hoch. Mit einem eigenen Grundstück hätte das Heim nicht nur mehr Sicherheit, sondern kann auch Hühner züchten und Lebensmittel anbauen«, sagt Jessica Meisner. Auch sollen mehr als nur 25 Kinder ein Dach über dem Kopf bekommen. Zwischen 7000 und 10.000 Euro wird das Grundstück wahrscheinlich kosten. Nach dem Erwerb soll direkt gebaut werden. Bis Ende 2020 ist die jährliche Miete von 3000 Euro von einem Spender übernommen worden. Im Idealfall soll im Januar 2021 dann das neue Heim bezogen werden.

Momentan ist die Stimmung in Moshi trotz der gut laufenden Spendenkampagne schlecht. Von einer anderen Freiwilligen hat Jessica Meisner erfahren, dass dort den ganzen Tag nur über Ugali gesprochen wird – ein klares Zeichen, dass das Geld knapp ist. Ugali ist ein Brei aus Maismehl, der normalerweise nur ein- bis zweimal pro Woche auf den Tisch kommt. Derzeit steht er täglich auf dem Speiseplan.

Das liegt daran, dass jene Waisenkinder, die sonst die Schule oder das College besuchen und auch dort schlafen, derzeit Ferien haben und ins Heim zurückkehren. »Die älteren Kinder sind alle sehr solidarisch und packen mit an – sie wollen auch beim Bau des neuen Heims helfen«, sagt Jessica Meisner. »Es mangelt aber an Platz für alle, darum ist das neue Heim unbedingt notwendig.«

Zustände bei Besuch in Tansania hautnah erlebt

Während ihres einmonatigen Besuchs in Moshi hat Jessica Meisner die Zustände hautnah erlebt. Hunger und mangelhafte medizinische Versorgung sind weit verbreitet. Besonders eindrücklich war für sie die Geschichte des kleinen Joshua. Seine psychisch kranke Mutter hat mehrmals versucht, den Säugling umzubringen. Im Heim ist er jetzt sicher, und die 22-Jährige möchte die Patin des mittlerweile sieben Monate alten Jungen werden.

Erst im nächsten September wird Jessica Meisner mit ihrer Familie nach Moshi fliegen. »Natürlich reisen wir auf eigene Kosten. Jeder Cent, der gespendet wird, fließt in das neue Heim. Das wird auch notariell überwacht.« 20.000 Euro sind das Spendenziel. Momentan kann – mit etwas Glück – gerade mal das Grundstück erworben werden.

»Es wäre schön, wenn wir nicht nur zur Weihnachtszeit darüber nachdenken, wie gut es uns eigentlich geht. Vor allem Eltern können sich bestimmt vorstellen, wie schlimm es wäre, wenn ihre Kinder verhungern müssten oder nicht mehr in die Schule dürften«, sagt Jessica Meisner. Sie ist nicht nur für Spenden dankbar, sondern auch für Kooperationen mit Firmen oder frische Ideen, wie das Projekt finanziell unterstützt werden kann.

Dafür ist Jessica Meisner auf Instagram unter @spendenaktion_tanzania zu finden, wo sie zudem von Neuigkeiten aus Moshi berichtet. Auch unter Telefon 0152/55261843 oder per E-Mail an jessica.meisnerff@gmx.de freut sie sich über Nachrichten. Weitere Informationen gibt es im Internet.

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