1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Loehne
  6. >
  7. Rettung ist ein Wettlauf gegen die Zeit

  8. >

Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr Löhne trainieren den Ernstfall

Rettung ist ein Wettlauf gegen die Zeit

Löhne  (WB/LyB). Laut Statistischem Bundesamt nimmt die Zahl an schweren Verkehrsunfällen zu. Damit sie für solche Fälle gewappnet ist, hat die Löhner Feuerwehr in einem Praxisseminar die technische Unfallrettung trainiert. Abschluss des Seminars war eine Übung unter realistischen Bedingungen an der Feuerwache.

Die Rettungskräfte versuchen, über das Heck einen Rettungsweg zu schaffen, um die eingeklemmte Person aus dem demolierten Wrack des Renault zu befreien. Foto: Lydia Böhne

Der letzte schwere Unfall hat sich vor zwei Jahren am Alten Postweg ereignet. Ein damals 19-Jähriger war mit seinem Wagen frontal vor einen Baum gekracht. »Die Rettung hat damals gut funktioniert. Der Mann konnte rechtzeitig ins Krankenhaus geflogen werden und spielt heute wieder Fußball«, weiß Christian Ehlert. »Wir bewegen uns in Löhne auf einem sehr hohen Niveau, was die technische Unfallrettung betrifft«, ergänzt der erste stellvertretende Leiter der Feuerwehr.

Damit dieser Stand erhalten bleibt, bilden sich die Einsatzkräfte regelmäßig fort. »Dass wir eine Übung unter so realistischen Bedingungen absolvieren können, kommt allerdings selten vor«, fügt Ehlert hinzu. Nachdem die 40 Teilnehmer aus allen Löhner Löschgruppen und dem Rettungsdienst am Vormittag der Theorie gelauscht haben, wird es am Nachmittag praktisch. Arrangiert worden ist ein Zusammenstoß zweier Pkw, wobei einer der Wagen auf die Seite geschleudert wurde und die Fahrerseite des zweiten Fahrzeugs blockiert.

Szenarien werden nachgestellt

Als Verunfallte haben sich Melissa Zickel und Jacqueline Stemme vom DLRG Löhne in die Schrottautos gesetzt. »Das Szenario sieht so aus, dass beide Personen eingeklemmt sind und innere Verletzungen haben«, erläutert Christian Ehlert.

Während seine Kollegen sich einen Überblick über die Lage verschaffen und erste Rettungsmaßnahmen einleiten, überwacht der stellvertretende Leiter der Feuerwehr die Handgriffe. Während sich der Rettungsdienst zunächst um die Verunfallten kümmert, versuchen die Einsatzkräfte mit Rettungsspreizer und -schere die Personen zu befreien.

Als sich plötzlich der Zustand der Person im auf der Seite liegenden Fahrzeug verschlechtert, muss alles ganz schnell gehen. »Es wird jetzt eine Crashrettung vorgenommen. Das bedeutet, dass zusätzliche Schädigungen in Kauf genommen werden, um das Leben der Person zu erhalten«, sagt Ehlert. Über das Heck des schwarzen Renault wird Statistin Jacqueline Stemme auf einer Liege ins Freie getragen.

Übung ist eine große Herausforderung

Mit dem Ergebnis ist Ehlert zufrieden: »Innerhalb einer Stunde sollte der Patient im Krankenhaus sein. Das heißt, dass wir 20 Minuten für die technische Rettung haben. Diesen Zeitrahmen haben wir hier ganz genau erfüllt.«

Dass das leider nicht immer möglich ist, müssen die Einsatzkräfte bei der Rettung der zweiten Person feststellen. Mehr als doppelt so lange dauert es, bis auch Melissa Zickel befreit ist. Bei dem Verletzungsmuster der zweiten Person sei die Dauer von 45 Minuten nach Aussage von Christian Ehlert jedoch vertretbar.

Mehrmals hatten die Feuerwehrleute ihre Strategie ändern müssen. Beide Statisten sind froh, sich wieder frei bewegen zu können. »Die Situation war ungewohnt. Wenn man hört, wie am Fahrzeug geschnitten wird, ist das schon seltsam«, berichtet Jacqueline Stemme. »Ich war erstaunlich entspannt. Das lag aber wohl auch daran, weil ich wusste, dass es sich um eine Übung handelt«, ergänzt Melissa Zickel. Beide Frauen hätten sich in guten Händen gefühlt. Und so fällt das Fazit von Christian Ehlert nach der etwa einstündigen Übung positiv aus.«

Gute Kommunikation

»Die Kommunikation zwischen Rettungsdienst und Feuerwehr hat sehr gut geklappt, und die Rettung der ersten Person nach 20 Minuten war optimal. Jetzt gilt es, auf kleine Feinheiten zu achten«, erläutert er. Aufgefallen sei ihm zum Beispiel ein fehlender Handschuhwechsel. »Aber daran können wir arbeiten«, ergänzt der stellvertretende Leiter der Feuerwehr.

Startseite