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Löhner Start-Up hat erste Honigweine verkaufsfertig

Tropfen für Tropfen

Löhne (WB). Die Weine leuchten im Sonnenlicht, dicht an dicht stehen die 0,75er Bordeaux-Flaschen im Verkostungsraum bei Windmann in Löhne. Hier hat das Start-Up „Vipera-Honeywines“ der Brüder Lauer seinen Ursprung.

Gabriela Peschke

Inzwischen stehen mehr als 600 Flaschen zum Verkauf. Darüber freuen sich (von links) Leon Lauer, Henrik Elsner und Luca Lauer. Foto: Gabriela Peschke

Hier sind Rezepte entwickelt und verwirklicht worden, hier lagern die Spirituosen in Holzfässern. Ein junges Geschäftsmodell, das trotz Corona-Komplikationen zielstrebig seinen Weg in den Markt sucht.

Die eigene Genussfreude hatte drei junge Männer verleitet, ihrem Geschmack einen ganz individuellen Ausdruck zu geben. Das war vor gut einem Jahr. Damals haben die Brüder Leon und Luca Lauer zusammen mit ihrem Freund Henrik Elsner entschieden, dass sie „einfach mal einen Teil Honig auf zwei Teile Wasser ansetzen“ wollten. Die Basics für die Gärung eines Honigweins haben die experimentierfreudigen Weinkenner dann aber schnell hinter sich gelassen.

Corona vermiest Start

Schon bald konnte eine eigene Honigwein-Kollektion auf den Weg gebracht werden: Vipera-Honeywine lautet der klangvolle Name des Jungunternehmens. Für die Branche unübliche Vergärformen, die Lagerung auf außergewöhnlichen Hölzern wie französische Weißeiche, Maulbeer oder Akazie und nicht zuletzt der Verschnitt mit feinen Fruchtnoten, in der Branche „blending“ genannt, sorgten rasch für vielfältige Genussqualität.

Im März stand das Start-Up marktreif in den Starlöchern – doch dann kam Corona. „Wir sind quasi in Schockstarre verfallen. Nichts ging mehr“, erinnert sich Leon Lauer. Der 23-Jährige studiert eigentlich Biomedizintechnik in Aachen, hat sich aber die Vermarktung der hausgemachten Spirituosen auf die Fahnen geschrieben.

Verkostung möglich

„Unser Verkauf lebt von der Verkostung, die Produkte überzeugen durch Genuss“, weiß er. Doch das genau war monatelang nicht möglich. Auch Händler reagierten abwartend; der Vertrieb der Produkte, inzwischen mit 300 Flaschen „bei einer stattlichen Marktreife angekommen“, wie Lauer sagt, lag auf Eis.

Was tun? Da half nur die Flucht nach vorn: „Wir haben an neuen Rezepturen getüftelt“, verrät Luca Lauer, jüngerer Bruder von Leon. Denn ein befreundeter Steuerberater, der auch bei der Gründung des Start-Ups behilflich war, ist Hobby-Obstbauer. Von ihm kam gepresster Fruchttrester, eine Art Mousse als Vorstadium zum Saft. Und so werden Kirsche, Ananas, Orange und Pflaume auf die Fässer aufgegeben.

„Die vollmundigen Aromen geben dem Wein eine einzigartige Note“, lobt Lauer die Essenzen. Heraus kommen Kreationen mit klangvollen Namen wie „Vipera Bianca Tropic Thunder (übersetzt: tropischer Donner) oder Summer Bold (bedeutet: Sommer-Blitz).

Extra lang gelagert

„Mit leichten 13,5 Prozent Alkohol wahlweise ein Aperitif oder als süßer Digestif“, erklärt Luca Lauer. Für 20 Euro pro Stück wechseln die ersten 100 der stylishen Flasche mit Trendetikett demnächst den Besitzer. Das unverwechselbare Geschmackserlebnis sei auch der langen Lagerzeit geschuldet: Nach dem Ansetzen bleiben die Spirituosen mindestens noch sechs Monate im Fass, erläutert Lauer.

„So was macht kein anderer, der Honigwein vergärt“, ist er sich sicher. Deutschlandweit sind die Jungunternehmer offenbar die einzigen mit so mutigen Kreationen, die auch durch sogenannten reduktiven Ausbau, also aktiven Sauerstoffentzug während der Gärung, gegen den Strom schwimmen.

600 Flaschen

Heimische Spirituosen-Händler aus der Region zeigen sich interessiert an den Produkten. „Gespräche laufen mit den Firmen Pollmer aus Bünde, Schuster aus Herford und Krichels Genusskompanie aus Lübbecke“, zählt Lauer auf. Doch er weiß auch, wie schwer es ist, als Newcomer akzeptiert zu werden. „Nur weil wir noch jung sind, heißt das aber nicht, dass man uns nicht ernst nehmen kann“, reklamiert er.

Sie haben viel investiert, die drei Jungs von der Spirituosen-Manufaktur: Ideen, Zeit, Geld. Nicht zuletzt auch die 9000 Euro Subventionen, die ihnen in der Corona-Krise zugesprochen wurden. Jetzt soll sich das Investment auszahlen: „Wir sind auf 600 Flaschen angewachsen, der Verkauf kann losgehen“, wirbt Leon Lauer – und plant bereits die nächste Verkostung.

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