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Der Löhner Felix Rosentreter (22) und seine sechs Rolli-Freunde wollen nach New York

„Unser Traum lebt weiter”

Löhne (WB). Sie wollten einmal in ihrem Leben gemeinsam nach New York. Alles war gebucht, die Vorfreude riesig. Dann kam Corona und machte ihre Pläne zunichte – vorerst. „Doch unser Traum lebt weiter“, sagt Felix Rosentreter aus Löhne-Melbergen.

Dominik Rose

Dieses Foto, das Felix Rosentreter aus Melbergen und Tourorganisatorin Sabrina Raschke zeigt, ist Ende 2019 entstanden. Damals ging es darum, überhaupt erst einmal Spendengelder für die Aktion „New York 2020“ zu sammeln. Mittlerweile hofft die Gruppe einfach nur, dass sie die Traumreise in absehbarer Zeit auch wirklich durchführen kann. Foto: Dominik Rose/Archiv

Der 22-Jährige und seine sechs Freunde – allesamt Rolli-Fahrer, die an unterschiedlichen Typen von Muskelschwund erkrankt sind – hoffen, dass ihr Wunsch vielleicht im Mai 2021, ein Jahr nach der ursprünglich geplanten Zehn-Tages-Reise, doch noch Wirklichkeit wird.

Viel Geld gesammelt

Ihre Spendenaktion, mit der sie von November 2019 an bis zu diesem Sommer Geld für den teuren Trip gesammelt haben, ist überaus erfolgreich gewesen. Nach Angaben von Tourorganisatorin Sabrina Raschke sind fast 140.000 Euro zusammengekommen.

Was sich zunächst vielleicht so anhört, als sei mit dieser gewaltigen Summe ein Luxusurlaub der Extraklasse möglich, stellt sich bei genauerer Betrachtung ganz anders dar: Allein schon der Transport der Geräte (High-Tech-Rollstühle, Lifter, Beatmungsgeräte; fast eine Bulli-Ladung pro Teilnehmer) ist für den Einzelnen unbezahlbar.

Viele Familien sind wegen der hohen Kosten für Behandlungen, Material und behindertengerechte Umbauten in den eigenen vier Wänden auch finanziell belastet. Zwei Teilnehmer können nicht fliegen und müssen mit dem Kreuzfahrtschiff über den Atlantik anreisen.

Zudem braucht jeder Teilnehmer einen eigenen Betreuer, und auch ein Arzt ist bei der Reise mit dabei. Und schließlich müssen auch die Hotels in den USA behindertengerecht ausgestattet sein.

Im Alltag eingeschränkt

Felix Rosentreter selbst leidet zwar nicht an der schlimmsten Form von Muskelschwund, dennoch ist er mit seiner Erkrankungsform, der hereditären spastischen Paraplegie, im Alltag eingeschränkt. Für längere Strecken braucht er immer seinen Rollstuhl.

Der Löhner wuchs ganz normal auf. Doch im Kindergartenalter machte sich die Spastik erstmals bemerkbar. „Er zog auf einmal das linke Bein immer nach“, erinnert sich Vater Andreas Rosentreter. Ärzte diagnostizierten die Erkrankung.

Die Folge: Felix Rosentreter hatte einen Spitzfußgang und „lief wie eine Ballerina“, erzählt der Vater. Zwei Operationen (2010 und 2012), bei denen die Achillessehnen verlängert werden mussten, waren notwendig. „Danach musste ich jeweils wieder das Laufen komplett neu lernen“, sagt der 22-Jährige.

Neue Freunde

Zur Reha kam er zu den Spezialisten in die Weserberglandklinik in Höxter. Seit 2008 ist Rosentreter dort jedes Jahr für mehrere Wochen zur Behandlung. Dort lernte er auch viele andere junge Menschen mit Muskelschwunderkrankungen kennen und schätzen.

„Ich habe dort Freundschaften geschlossen“, sagt der Löhner. Doch einige von ihnen leiden an der heftigsten Form der Erkrankung – mehrere Freunde sind in den vergangenen Jahren schon gestorben. Die meisten waren noch sehr jung. Bei ihnen versagte letztlich die Atmung.

Über Wünsche geredet

Das Thema Sterben war bei einem Treffen der Gruppe (eine Frau, sechs Männer) im Sommer 2019 auch der Anlass, um sich über Wünsche zu unterhalten. Rosentreters Freund Alexander Gluzinski war da ganz klar: „Mein größter Traum ist es, bevor mein Leben ein Ende nimmt, einmal nach Amerika zu fliegen und New York zu erleben!“ – und zwar mit seinen Freunden aus der Reha. Die anderen waren begeistert, machten sofort erste Reisepläne.

Sabrina Raschke lernte die Gruppe über einen ihrer Patienten, der in Höxter zur Reha war, kennen. Die Pflegefachkraft für außerklinische Beatmung aus Hamm war sofort vom Zusammenhalt und dem Ideenreichtum der Freunde, aber vor allem auch von deren gemeinsamen Wunsch, einmal im Leben zusammen nach New York zu reisen, begeistert.

Das Spendenprojekt

Deshalb entwickelte sie ehrenamtlich das Spendenprojekt „New York 2020“ mit dem Untertitel „Rollis on Tour: sieben Freunde, ein Schicksal, ein Traum“. Sabrina Raschke erfuhr, dass die Durchführung der Reise für die Erkrankten und die Begleitpersonen locker einen sechsstelligen Betrag kosten wird.

Doch viele Menschen unterstützten das Projekt. Mittlerweile wird nicht mehr gesammelt. Die sieben Freunde hoffen einfach nur, dass sie die Reise überhaupt noch machen können – und zwar alle. Denn manchem geht es heute wesentlich schlechter als vor einem Jahr.

Lob für die Kollegen

Felix Rosentreter würde auch vor diesem Hintergrund lieber heute als morgen in die USA fliegen. Der Verwaltungsfachangestellte im Fachbereich Finanzen bei der Stadt Löhne dankt auch seinen Kollegen: „Die sind super und haben viel Verständnis für mich und für das Projekt.“ Zum Beispiel, wenn es um die Urlaubsplanung geht, die angesichts dieser Reise immer mal wieder neu gemacht werden muss.

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