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FC Löhne-Gohfeld darf Ascheplatz an der Nordbahnstraße sanieren

Winterplatz nimmt erste Hürde

Löhne (WB). „Damit haben wir im Vorfeld nicht gerechnet“, sagte Klaus Poppensieker, Vorstand Sport des FC Löhne-Gohfeld, sichtlich geschafft nach der jüngsten Sitzung des Sportausschusses. Gemeinsam mit Vorstandskollege Patrick Schiermacher (Vorstand Wirtschaft) hat er den 18 anwesenden Ausschussmitgliedern das Vorhaben vorgestellt, den jetzigen Tennenplatz an der Nordbahnstraße in einem Upcycling-Verfahren zu einem sogenannten Winterrasenplatz umzufunktionieren. Ein Novum für die Stadt Löhne, das nach einer parteipolitisch geprägten anderthalbstündigen Debatte mit zehn Ja-Stimmen und acht Enthaltungen nur eine knappe Mehrheit fand.

Louis Ruthe

Aus dem Tennenplatz an der Nordbahnstraße soll ein winterfester Naturrasenplatz werden. Foto: Louis Ruthe

Euphorisch und gut vorbereitet startete das Vorstandsduo in die Präsentation. Neben einer Machbarkeitsstudie des Sachverständigen Claus Mehnert, der mehr als 80 Tennenplätzen bereits zu Winterrasenplätzen umgebaut hat, legte der Verein ein 50-seitiges Gutachten und einen Kostenplan vor. Etwa 330.000 Euro soll das Upcycling des letzten Löhner Tennenplatzes an der Nordbahnstraße demnach kosten – inklusive einer neuen Flutlichtanlage.

„Die Kosten für einen Kunstrasenplatz wären etwa vier Mal so hoch“, sagte Klaus Poppensieker. Um sich von dem winterfesten Naturrasenplatz selbst zu überzeugen, war der FC Löhne-Gohfeld im März und im Juli ins Münsterland gefahren. Dort spielt seit gut drei Jahren der SV Westbevern auf einem solchen Sportplatz. In einem Video präsentierten die Gohfelder Fußballer Stimmen von Mitgliedern des Münsteraner Vereins. „Im Verein waren alle durchweg vom Konzept überzeugt “, resümierte Patrick Schiermacher.

Politische Debatte

Finanziert werden soll das Vorhaben über das Förderprogramm „Moderne Sportstätten 2020“. 538.000 Euro stehen dem Stadtsportverband daraus an Landesmitteln zur Verfügung. Es gibt allerdings bereits vier Anträge anderer Vereine, die ebenfalls Fördermittel aus dem Programm schöpfen wollen.

Als „ökologisches und ökonomisches Vorzeigeprojekt“ lobte Matthias Held (CDU) das Projekt, wies aber darauf hin, dass die Mittel im Förderprogramm begrenzt sind und die „wirtschaftliche Trägerschaft im Nachhinein“ gesichert werden müsse.

„Die wirtschaftliche Trägerschaft durch den Verein ist Grundvoraussetzung für die Antragsstellung“, antwortete Beatrix Becker, Dezernentin für Jugend, Soziales, Schule, Kultur, Sport, Ordnung und Bürgerservice der Stadt Löhne. Nach Auskunft des Vereinsvorstandes soll der Platz auch künftig ein offener Platz sein. Lediglich zu Spiel- und Trainingszeiten wolle der Verein Gebrauch vom Hausrecht machen.

Skepsis und Lob

Nach Aussage des Stadtsportverbandsvorsitzenden Burkhard Schröder (SPD) sind bereits 400 Maßnahmen mit den Fördermitteln in NRW bewilligt worden. Er zeigte sich „überrascht“ von der Idee mit dem Winterrasen. „Ich bin skeptisch“, sagte er. Er befürchte, dass mit der Genehmigung des Winterrasens „ein Fass aufgemacht wird.“ Bis auf den VfL Mennighüffen hätten alle Vereine einen Bedarf, der gedeckt werden müsse.

Trotzdem lobte er den Verein für den Schritt nach vorne, betonte aber, dass der Verein in der Bewirtschaftung des Platzes „jegliche Verantwortung“ übernehmen müsse. „Ich sehe dieses Ehrenamt nicht“, sagte Burkhard Schröder. Der Verantwortung will der Verein nach Auskunft des Vorstandes gerecht werden, man sei „aufgrund von notwendigen Gerätschaften auf Hilfe angewiesen“.

Dr. Hermann Ottensmeier (LBA) befürwortete das Konzept: „Wenn es uns so gelingt, mehr Kinder von den Smartphone- und PC-Bildschirmen weg zu bekommen, ist das eine sehr wertvolle Investition.” Silke Glander-Wehmeier (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzte: „Ich finde es schade, wenn ein Verein hier im Ausschuss derart vorgeführt wird und an der ehrenamtlichen Arbeit gezweifelt wird.“

Aus Sicht der Grünen sei ein Winterrasenplatz nicht nur ökologisch wesentlich sinnvoller als ein Kunstrasenplatz. Jürgen Karweg (parteilos) wies anschließend in Richtung Burkhard Schröder darauf hin, dass über den Antrag abgestimmt werden müsse. „Ob da noch andere Vereine Anträge stellen, ist hypothetisch“, sagte er.

SPD-Antrag abgelehnt

Die SPD-Fraktion stellte nach lobenden Worten für den Verein einen eigenen Antrag, der eine Machbarkeitsstudie zu einer gesamten Planung des Geländes vorsah. Dieser wurde mit elf Nein-Stimmen, bei zwei Enthaltungen und fünf Ja-Stimmen vom Ausschuss abgewiesen. Nach anderthalb Stunden Debatte forderten CDU, LBA und Bündnis 90/Die Grünen eine Abstimmung über den Beschlussvorschlag der Verwaltung. Mit knapper Mehrheit von zehn Ja-Stimmen zu acht Enthaltungen darf der FC Löhne-Gohfeld nun weitermachen.

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