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Lebenshof Lilly: Löhner Verein engagiert sich für einen würdigen Lebensabend von Eseln, Ponys, Schweinen, Schafen, Ziegen, Hunden...

Wo Tiere glücklich alt werden

Löhne (WB)

Auf dem 200 Jahre alten Resthof am Alten Salzweg herrscht munteres Treiben: Drei Esel laufen über die Tenne, dazwischen drängeln sich zwei neugierige Ponys. Die Sonne scheint von draußen herein, wo die zwei Mini-Schweine Abby und Lilli ihre Schnauzen durch den Schnee schieben.

Gabriela Peschke

Stephanie Bartelheimer steht mit einem Esel auf der winterlichen Wiese. Die Tiere genießen den Auslauf. Foto: Gabriela Peschke

Ein wenig weiter liegt ein gepflegtes Hausschwein im Stroh und grunzt behaglich: „250 Kilogramm bringt unsere Mona auf die Waage – damit hätte sie in keinem Mastbetrieb eine Chance“, sagt Claus-Martin Bartelheimer. Der Mitbegründer des Lebenshofes Lilly e.V. hat gemeinsam mit seiner Frau Stephanie vor acht Jahren den Resthof gekauft, „im Tausch gegen das Ferienhaus an der Nordsee“, wie er lachend hinzufügt.

Denn damals habe sein Sohn einen notleidenden Esel aus der Nachbarschaft retten wollen – doch nirgends war Platz für das Tier. Das war der Auftakt zu der Initiative, die inzwischen weit über Löhne hinaus bekannt ist.

Aus einem Esel wurden drei, und, fast wie bei den Bremer Stadtmusikanten, später kamen noch Hunde und Katzen, Hühner, Hähne, aber auch 20 Schafe und Ziegen, Ponys und ein Schulpferd hinzu. Alle Tiere „ausgemustert“, übrig geblieben, „für die Wurst“ vorgesehen, wie Stephanie Bartelheimer erzählt.

Genauso erging es eben jener inzwischen wohlgenährten Mona, die als Ferkel vom Viehtransporter entwischt war und sich im Wald verirrt hatte. Ein tierlieber Finder brachte den quiekenden Vierbeiner auf den Lebenshof. Das war vor drei Jahren. Hier wird allen Tieren ein würdiger Lebensabend gewährt: freier Auslauf zwischen Tenne und überdachten Ställen in sozialverträglichem Mix zwischen blinden Pferden, geschlagenen Eseln mit Besenstiel-Phobien, ausgemusterten Angora-Ziegen, deren Haar im Alter nicht mehr der Ästhetik der vormaligen Verkäufer entspricht.

Stephanie Bartelheimer über die Geschichte eines Ponys

Gleich hinter dem Haupthaus befindet sich eine große Wiese von zweieinhalb Hektar Größe, liebevoll bepflanzt mit mehr als 2000 heimischen Sträuchern und Bäumen. Der über 40 Jahre alte Zorro, ein zottiges Shetland-Pony, schlurft durch den Schnee, gefolgt vom Schoko-Pony. „Schoko kam aus einem Haushalt zu uns, wo er immer nur mit Pizza gefüttert wurde“, beklagt Stephanie Bartelheimer. „Da musste er erstmal eine gesunde Diät machen.“

Das Futter im Lebenshof ist biologisch – soweit möglich. Aber was die Veteranen in ihrem Pensionat verzehren, entspricht übers Jahr dem Preis eines Kleinwagens, wie Claus-Martin Bartelheimer vorrechnet. Hinzu kommen Kosten für Tierarzt, Schafscherer und Hufschmied. Und nicht zu vergessen die Instandhaltung von Gebäude und Gelände.

Wie ist das zu schaffen? „Eine Herzensangelegenheit“, sagt Bartelheimer. Die liebevolle Haltung zu den „Nutztieren“ spürt man sofort, wenn man sieht, wie Stephanie Bartelheimer mit ihren Schützlingen umgeht. Denn auch ein 18 Jahre altes Schaf wird hier respektvoll behandelt, wenn es ungeschickt im Weg steht.

Mit ihrer wertschätzenden Haltung gegenüber den Tieren sind die Gründer des Lebenshofs inzwischen nicht mehr allein. Seit drei Jahren trägt ein Verein das Projekt. „Tolle Leute, die uns super unterstützen“, freut sich Bartelheimer. Die Spenden sichern ihm eine gewisse Unterstützung bei den Fixkosten.

Auch kämen manchmal Helfer im Sommer, wenn an einem Tag hunderte Heuballen auf den Dachboden verladen werden müssten. Auch Besucher schauten immer häufiger herein, um sich mit den Tieren „anzufreunden“, darunter behinderte Menschen oder Senioren aus der Umgebung.

Stephanie Bartelheimer ist Therapeutin und Heilpraktikerin. Sie möchte langfristig am Lebenshof auch eine „heilende Begegnung“ zwischen Mensch und Tier installieren. Das passt ins Weltbild der Eheleute Bartelheimer: Mit zwei traumatisierten Pflegekindern und zwei Patenkindern in Afrika leben sie vor, was ihre Grundüberzeugung ist: „Wenn man die Welt ein bisschen besser machen möchte, dann am besten gemeinsam.“

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