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US-Amerikaner Arthur Schwenk berichtet über die aktuelle Situation in Löhnes Partnerstadt Columbus, Indiana

Zwischen Corona-Krise und Trump-Chaos

Löhne/Columbus

Wie geht es den Menschen in Löhnes Partnerstadt Columbus/Indiana? Diese Frage beantwortet Arthur „Art“ Schwenk, der die Städtepartnerschaft vor mehr als 25 Jahren mitbegründet hat. Er spricht sowohl über die Corona-Situation als auch über die politische Stimmung in seiner Heimatstadt.

Malte Samtenschnieder

Unbeschwerte Zeiten: Arthur Schwenk (von links), Jim Lienhoop, Bürgermeister von Columbus, und sein Löhner Amtskollege Bernd Poggemöller 2017 in Columbus. Foto:

„Ich habe den Eindruck, dass die Corona-Situation bei euch schlimmer ist als bei uns“, sagt Art Schwenk. In den USA seien die Infektionszahlen insbesondere an der Ost- und an der Westküste hoch. Der Mittsiebziger: „Im Mittleren Westen sind sie niedriger, weil die Menschen hier nicht so aufmüpfig, dafür aber nachgiebiger sind.“ Für den US-Bundesstaat Indiana mit seinen etwa 6,7 Millionen Einwohnern nennt Art Schwenk folgende Zahlen (Stand Donnerstag): 2.770.157 Corona-Tests, 574.119 positive Tests, 8790 Verstorbene. In Bartholomew County, dem Landkreis, zu dem Columbus gehört, mit seinen etwa 83.000 Einwohnern habe es (Stand Donnerstag) 6122 positive Tests und 94 Verstorbene gegeben.

„Die Krankenhäuser sind voll, aber die Herausforderungen sind nicht so groß wie anderswo“, sagt Art Schwenk. Er habe den Eindruck, dass die Anzahl der Corona-Infizierten zwar weiter ansteige. Die Kurve der Menschen, die an oder mit dem Virus sterben, flache allerdings ab.

„Dass es bei uns kein nationales Konzept zum Impfen gibt, macht die Sache kompliziert“, meint der US-Amerikaner. Jeder Staat stelle seine eigenen Pläne und Regeln auf. Er selbst habe jüngst die Gelegenheit gehabt, den Termin für die erste von zwei Corona-Impfungen zu vereinbaren. „Er ist am 16. Februar – das liegt noch einen Monat in der Zukunft.“

Die regionalen Einschränkungen durch das Corona-Virus für Columbus und Umgebung bewertet Art Schwenk als gering. „Masken sind an allen öffentlichen Plätzen empfohlen und in vielen Geschäften Pflicht“, berichtet der Senior. Wenn jemand keine Maske trage, habe das keine Konsequenzen. Es werde nicht weiter verfolgt.

In den Restaurants sind die Sitzkapazitäten laut Art Schwenk auf die Hälfte reduziert. Viele Restaurants seien auch geschlossen beziehungsweise böten nur Außer-Haus-Service oder einen Lieferdienst an. Art Schwenk: „Viele Restaurants und kleinere Unternehmen sind komplett geschlossen – vielleicht sogar für immer.“

Im Supermarkt gibt es nach Angaben des Mittsiebzigers keine Knappheit. „Aber die Preise für Lebensmittel und für Kraftstoff steigen.“ Engpässe gebe es bei Reinigungsmitteln.

„Die Schulen haben wieder geöffnet. Für alle Schüler nach der dritten Klasse sind Masken Pflicht“, berichtet Art Schwenk. Zwischendurch habe es Online-Unterricht gegeben. Das sei sowohl für die Lehrer als auch für die Schüler und deren Eltern schwierig gewesen. „Insbesondere, wenn die Familien zu Hause kein Internet haben.“

Fitnessstudios und Kinos seien weiterhin geschlossen. Die Reise- und Tourismusbranche kämpfe ebenfalls ums Überleben. Art Schwenk: „Die meisten Fluglinien bieten Inlandsflüge an, einige mit eingeschränkten Sitzkapazitäten.“ Die meisten internationalen Flüge seien abgesagt. Eine zunehmende Rolle nehme das Homeoffice ein. „Viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiter aufgefordert, von zu Hause aus zu arbeiten“, sagt Art Schwenk.

Als „nervenaufreibende kritische Zeit in der Geschichte der Nation“ beschreibt Art Schwenk den Übergang von der Trump- zur Biden-Regierung. „Wenn man die Nachrichten hört und sieht, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Nation an der Schwelle zu einem Bürgerkrieg steht“, sagt der US-Amerikaner. Doch das Gegenteil sei der Fall. Die Gewaltausbrüche und der Angriff auf die Demokratie am Capitol in Washington spiegelten seiner Meinung nach die Handlungen extremer und radikaler Rand- beziehungsweise Minderheitsgruppen wider. Art Schwenk: „Sie spiegeln aber nicht die gesamte Gesellschaft wider.“

Leider hätten sich einige Politiker falsche Verschwörungstheorien zu eigen gemacht, die Präsident Trump in Umlauf gebracht habe. Indiana sei ein sehr konservativer Staat. „Leider gehören einer von zwei Senatoren und drei von neun Abgeordneten zu denen, die nach der Wahl die Echtheit und Rechtmäßigkeit der Stimmen angezweifelt und dadurch die Grundfesten unserer Demokratie zum Schwanken gebracht haben“, betont Art Schwenk.

„Wir tragen Meinungsverschiedenheiten friedlich und demokratisch aus – und nicht mit Gewalt und Anarchie“, betont der Senior und beschreibt die Konsequenzen. So werde gegen den noch amtierenden Präsidenten ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Und zwar für seine Rolle beim Anstiften zum Aufruhr, wodurch er die Sicherheit der Nation gefährdet habe. Der Fall werde nun im US-Senat verhandelt. Art Schwenk: „Welche Folgen das für diejenigen hat, die an den kriminellen Machenschaften beteiligt waren, und welche politischen Konsequenzen sich ergeben, bleibt abzuwarten.“ Insbesondere gehe es um die Rolle, die Trump einnehmen werde, wenn er nicht mehr im Amt ist.

Aufgrund der eigenen, persönlichen Beziehungen zu Mike Pence wolle er dessen Verhalten nicht kommentieren. Art Schwenk hat den scheidenden US-Vize-Präsidenten drei Jahre im Fach Deutsch unterrichtet.

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