1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Kreis Herford
  6. >
  7. Mühlen waren ein Massenphänomen

  8. >

Kreisheimatverein stellt in Enger neues digitales Mühlenkataster vor – 254 Bauwerke dieser Art im Kreis Herford gezählt

Mühlen waren ein Massenphänomen

Enger

Wer an Pfingstmontag, dem traditionellen Mühlentag, einen Ausflug zu den historischen Gebäuden unternehmen möchte, kann in diesem Jahr für die Planung erstmals auf ein digitales Mühlenkataster für den Kreis Herford zurückgreifen. Thomas Knäuper vom Katasteramt hat dafür die Recherchen von Christoph Mörstedt für Smartphone und Co. zugänglich gemacht.

Von Ruth Matthes

Gerd Giesselmann (von links), Christoph Mörstedt, Jürgen Müller, Anna Vogt, Thomas Meyer und Thomas Knäuper stellen an der Liesbergmühle in Enger das digitale Mühlenkataster vor. Foto: Ruth Matthes

Wer unter https://geoportal.kreis-herford.de/muehlenkataster die Startseite anklickt, staunt nicht schlecht, wie viele Mühlen im Laufe der Jahrhunderte im Kreis ihre Mühlräder und -flügel gedreht haben. „Insgesamt gibt es Informationen zu 254 Mühlen, 146 Wasser-, 48 Wind- und 48 Motormühlen sowie zwölf Göpelanlagen“, sagt Mör­stedt, auf dessen seit 1995 vergriffenem Buch „Mühlen im Kreis Herford. Historisches Kataster“ die Online-Anwendung beruht. „Die Blütezeit war um 1910“, erklärt er. „Damals gab es zeitgleich 129 Müllerbetriebe. Mühlen waren ein Massenphänomen.“

Die meisten davon waren Wassermühlen. „Unsere Region mit ihren vielen kleinen Bachläufen eignet sich hierfür besonders“, so der Forscher. „Erst als die geeigneten Plätze hierfür besetzt waren, kamen Windmühlen wie die Liesbergmühle von 1756 dazu, denn Wind war eine unzuverlässige Größe.“ Mit der Industrialisierung hielten die Motoren Einzug. 1950 setzte das Mühlensterben ein. Die Menschen griffen auf fossile Antriebsstoffe zurück. „Und heute entdecken wir die Windkraft wieder“, resümierte er.

Die stolze Zahl von 254 Mühlen ist im digitalen Kataster abrufbar. Hier die Übersichtskarte für den Kreis. Foto: Geoportal Kreis Herford

Da der Kreisheimatverein den Einwohnern die Sehenswürdigkeiten auf zeitgemäße Art zugänglich machen will, arbeitet er regelmäßig mit dem Katasteramt zusammen. So kam es, dass Thomas Knäuper in seiner Ausbildung zum Geomatiker die Informationen zu den Vlothoer Mühlen digitalisierte. Nach der Ausbildung weitete er das Projekt auf den gesamten Kreis aus, so dass jetzt alle Informationen, die Mörstedt in jahrelanger Kleinarbeit zusammengetragen hat, über das digitale Mühlenkataster abrufbar sind.

„Interessierte können diverse Suchfunktionen nutzen“, erklärt Knäuper. Man kann direkt eine bestimmte Mühle suchen, sich aber auch auf der Karte bewegen und einzelne Orte anklicken, um Näheres über Bauwerk, Funktion und Geschichte zu erfahren und Fotos aufrufen. Immerhin 600 Dias hat Anna Vogt, Geschäftsführerin des Kreisheimatvereins, dafür digitalisiert. Mittels einer Filterfunktion lässt sich auch herausfinden, dass es in Enger einst 25 Mühlen gab und in Spenge 16. Erhalten oder teilweise erhalten sind in Enger 10, in Spenge 11.

Bürgermeister Thomas Meyer lobte die Digitalisierung als eine gute Möglichkeit, historische Gebäude erlebbar zu machen. Er war fasziniert vom Zahlenstrahl im Kataster, mit dem man den Wandel durch die Jahrhunderte nachvollziehen kann. Gerd Giesselmann vom Heimatverein Enger begrüßte die Tourenfunktion.

Am Montag, 6. Juni, können im Kreis Herford die Wallholländer Mühle in Hücker-Aschen, die Rürupsmühle in Löhne, die Windmühle in Vlotho-Exter und die Boke-Mühle in Oberbauerschaft besichtigt werden. Außerdem öffnet die Mühle im benachbarten Westhoyel ihre Tore.

Startseite
ANZEIGE