Schneller Einsatz: Freiwillige Feuerwehr Rödinghausen entfernt Schmierereien mit dem Hochdruckreiniger – Staatsschutz ermittelt und sucht Zeugen

Hakenkreuze an der BMX-Strecke entdeckt

Rödinghausen (WB)

Hakenkreuze auf Containern und einem Gullydeckel: Passanten haben die Nazi-Symbole am Mittwochabend im Bereich der BMX-Strecke im Kiebitzgrund in Bruchmühlen entdeckt. Umgehend verständigten sie die Gemeinde Rödinghausen und den Staatsschutz in Bielefeld.

Kathrin Weege

Mit einem mobilen Hochdruckreiniger entfernen Feuerwehrleute der Löschgruppe Schwenningdorf die Schmierereien im Bereich der BMX-Strecke in Bruchmühlen. Foto:

Dieser hat nun die Ermittlungen aufgenommen. „Die drei Graffiti waren etwa 70 mal 70 Zentimeter groß“, sagt Fabian Rickel, Sprecher der Bielefelder Polizei. Der Staatsschutz sei gegen 18 Uhr informiert worden. Seines Wissens nach seien die Schmierereien bereits kurz darauf entfernt worden.

„Für die erfolgreiche Ermittlung der Täter sind wir in solchen Fällen vor allem auf Zeugenhinweise angewiesen“, erklärt Rickel das weitere Vorgehen. Wer am Mittwoch – die ganz genaue Zeit könne man nicht eingrenzen – etwas gehört oder beobachtet habe, werde gebeten, sich an die Polizei zu wenden.

Um die Schmierereien möglichst schnell zu entfernen und Kosten für die Bürger zu sparen, hat die Gemeinde Rödinghausen kurzerhand die Feuerwehr gebeten, die rechten Symbole zu entfernen. Unter der Leitung von Löschgruppenführer Marcel Schmidt rückten die freiwilligen Feuerwehrleute von der Löschgruppe Schwenningdorf mit ihrem TLF 3000 aus. Mit einem mobilen Hochdruckreiniger beseitigten sie die Hakenkreuze. Der Einsatz dauerte etwa eine Stunde. „Das zeigt, dass die Feuerwehr Rödinghausen auch im Kampf gegen die Feinde von Freiheit und Demokratie engagiert vorgeht“, lobte Geschäftsbereichsleiter Daniel Müller. „Nach Rücksprache mit dem Bauhof und Feuerwehrleiter Marcel Breitenfeld hatte die Feuerwehr die Arbeit übernommen. So mussten wir keinen kosten- und zeitintensiven Reinigungsdienstleister beauftragen“, erklärt Daniel Müller weiter.

Das Hinterlassen der rechten Schmierereien macht Bürgermeister Siegfried Lux fassungslos: „Für mich ist sowas einfach unglaublich und macht mich traurig“, sagt er. Bis heute spuke das zentrale Symbol des nationalsozialistischen Unrecht- und Verbrecherstaats in manchen Köpfen herum und gelange wie jetzt in Rödinghausen als gezielte oder auch nur unbesonnene Provokation und Schmiererei auf Wände, Grabsteine, Straßen oder Container.

Gerade in Zeiten, in denen wieder unschuldige Menschen auf kriegerische Weise sterben müssten undantisemitische Symbolik, hetzerische Parolen gegen Minderheiten, Religionsgemeinschaften und Andersdenkende oder nur anders Aussehende verstärkt in den Fokus gelangten, sei solch ein Verhalten absolut inakzeptabel. „Ich frage mich wirklich, ob solche Menschen ohne Verstand sind“, sagt Bürgermeister Lux. „Ein bisschen Nachdenken und ein kleinwenig Geschichtskenntnis helfen manchmal.“

Am Rande: Das Entfernen von Graffiti kostet die Gemeinde im Normalfall viel Geld – und damit jeden einzelnen Steuerzahler und Bürger. Lux dankte der Feuerwehr, meinte aber: „Eigentlich sollten unsere Ordnungskräfte für wichtigere Aktionen zur Verfügung stehen und haben in der heutigen Zeit mit den Corona-Maßnahmen und der allgemeinen Gefahrenabwehr wirklich genug zu tun.“

Der Vorfall vom Mittwoch war nicht der erste in Rödinghausen. 2015 hatten Unbekannte Aufkleber mit möglicherweise fremdenfeindlichem Bezug am Haus des Gastes angebracht. Auch hier ermittelte der Staatsschutz.

Hinweise auf den oder die Täter, die für die Schmierereien im Bereich der BMX-Strecke verantwortlich sind, sollten direkt an den Staatsschutz in Bielefeld gehen: Telefon: 0521/5450.

Kommentar von Kathrin Weege

Graffiti sind immer ein Ärgernis, ihr Entfernen kostet Geld. Rechtspopulistische Symbole aufzusprühen, das übersteigt die Geschmacklosigkeit von anderen Schmierereien aber um ein Vielfaches. Bürgermeister Siegfried Lux findet zu diesem Vorfall deutliche Worte. Zurecht. Wer das Symbol aus der Nazi-Zeit verbreitet, der gehört zur Rechenschaft gezogen. Daher ist die Mithilfe der Bevölkerung nun umso wichtiger. Wer hat am Kiebitzgrund etwas beobachtet und kann der Polizei Anhaltspunkte liefern?

Startseite