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Auto hatte nach »missglückter« Reparatur Diesel verloren und einen Unfall ausgelöst

Hobbyschrauber (53) verurteilt

Rödinghausen/Bünde  (WB). Mit einem offensichtlich defekten Personenwagen hat ein Rödinghauser Dieselölspuren auf seinem Weg nach Bünde hinterlassen und einen Verkehrsunfall verursacht. Das Amtsgericht Bielefeld verurteilte den 53-jährigen Autofahrer jetzt wegen versuchter Bodenverunreinigung zu 1200 Euro Geldstrafe und verhängte ein Fahrverbot von einem Monat.

Uwe Koch

Vor dem Bielefelder Amtsgericht wurde der Hobbyschrauber zu einer Geldstrafe verurteilt. Foto: Thomas F. Starke

Splint fällt in den Motorraum

»Es ist mir ein Rätsel«, sagte nun Oberamtsanwalt Guido Hartmann, der die Anklage vertrat, was den Rödinghausener am 22. Juni 2017 zu dieser Tat veranlasst habe: Der 53-Jährige, der sich selbst als »Laie« bezeichnete, bastelte an diesem Tag am VW Golf Diesel seiner Ehefrau herum, um einen Temperaturfühler zu modifizieren. Amtsrichterin Kerstin Heitker wertete das sogar als »Versuch einer Leistungssteigerung«. Die Kenntnisse, so der Hobby-Schrauber, habe er sich »auf Youtube« im Internet angeeignet. Einen neuen Temperaturfühler hatte er sich »über Ebay besorgt«, sagte der Mann nun vor dem Amtsgericht. Während der Montage habe sich allerdings ein »Splint« gelöst, sei in den Motorraum gefallen.

Monteur weist auf Fahruntüchtigkeit hin

Er habe dieses Teil ersetzen wollen, sei von Rödinghausen in Richtung Bünde zunächst über die Autobahn 30 gefahren, sei über die Abfahrt Bünde und die Osnabrücker Straße zur ATU-Niederlassung an die Wasserbreite gefahren. Ein Monteur erklärte ihm dort eindeutig, dass »er nicht weiter fahren darf«. Schon ein Blick in den Motorraum habe gezeigt, »dass die Schläuche feucht waren«. Außerdem »roch es stark nach Kraftstoff«. An diese Aussagen wollte sich der Rödinghau­sener Hobby-Schrauber allerdings nun gar nicht mehr erinnern.

Auf Öllache ins Schleudern geraten

Der fuhr weiter bis zum VW-Autohaus. Dort stellten Mechaniker einen erheblichen Kraftstoffverlust fest, weil eine Klammer am Kraftstoffdruckgeber fehlte. Der Wagen blieb in der Werkstatt. In der Zwischenzeit hatte sich am Kreisel Hansastraße/Osnabrücker Straße schon ein Unfall ereignet, den die Polizei später eindeutig auf einen Ölfleck zurückführte, der eben von dem VW Golf aus Rödinghausen stammte. Ein 35-jähriger Mitsubishi-Fahrer geriet im Kreisel auf der Öllache mit seinem Wagen ins Schleudern, krachte in die Leitplanke. Der Mann erlitt ein Schleudertrauma, an seinem Wagen entstand ein Schaden in Höhe von 3300 Euro.

Der Mann aus Rödinghausen war sich auch nach der umfangreichen Beweisaufnahme keiner Schuld bewusst. Aus dem Tank des VW Golf seien »vielleicht zehn Liter rausgeflossen, das ist keine große Menge«.

Die Amtsrichterin hingegen sagte ihm klar, was er falsch gemacht habe: »Gerade als Laie, wenn Sie wissen, dass ein Teil fehlt, dürfen Sie nicht losfahren.« Sie vermisse bei dem Rödinghauser »Einsicht und das Gefühl von Verantwortung«, sagte Kerstin Heitker, die den Mann wegen versuchter Bodenverunreinigung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilte – zu 1200 Euro Geldstrafe (60 Tagessätze) und einem Monat Fahrverbot.

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