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Polizei stoppt Transporter aus Ukraine – Tierschutz kümmert sich um Hunde und Katzen

Lange Reise: durstig und im verdreckten Käfig

Melle/Rödinghausen (WB). Eingepfercht in viel zu kleine, von Kot verdreckte Käfige und furchtbar durstig: Bei einer Kontrolle eines ukrainischen Transporters hat die Polizei in Melle vierzehn Hunde und sieben Katzen beschlagnahmt.

Kathrin Weege

Sieben Katzen und vierzehn Hunde hatten stundenlang in viel zu kleinen und völlig verdreckten Käfigen gesessen. Sie sollten in einem Fahrzeug aus der Ukraine bis in die Niederlande transportiert werden. Bei einer Kontrolle der Polizei in Melle stellte sich heraus, dass auch die Papiere nicht zu den Hunden und Katzen passten. Foto: Tierschutzverein Melle

»Am Sonntagabend klingelte bei uns das Telefon und wir wurden gebeten, uns die Situation in dem Transporter, der nach Rotterdam unterwegs war, einmal anzusehen. Schnell war klar, dass auch die Papiere nicht zu den Tieren passen«, sagt Charlotte Bockrath-Regel, Vorsitzende des Tier- und Naturschutzvereins Melle.

Zudem konnten die Altersangaben nicht korrekt sein. Einige Hunde und Katzen nahmen die Tierschützer in ihrem Fahrzeug mit, der Rest wurde auf Anordnung der Polizei von dem ukrainischen Transporter von der Buerschen Straße zum Meller Tierheim gebracht. »Die Tiere waren erschöpft. Als wir ihnen Wasser gegeben haben, haben sie unfassbar schnell getrunken. Sie müssen fürchterlichen Durst gehabt haben«, sagt Bockrath-Regel.

Gitterkäfige nass und mit Kot verschmiert

Für die Katzen richtete das Team Quarantäne-Boxen her. Die Hunde konnte das kleine Tierheim aber nicht unterbringen. »Wir haben das befreundete Tierheim in Lübbecke um Hilfe gebeten. Dort konnten die Vierbeiner dann erst einmal beherbergt werden«, berichtet Bockrath-Regel. Bei den Hunden sei im jedem der Gitterkäfige das Bodenblech nass und mit Kot verschmiert gewesen.

»Der stechende Geruch, der die Tiere und ihre Käfige umgab, war schlecht zu ertragen. Einige Helfer hielten trotz der geöffneten Eingangstür diesen Gestank nur schwer aus. Wie viel schwerer war das für die Hunde, die eine deutlich empfindlichere Nase haben, zu ertragen?«, fragen sich die Tierschützer. Zudem hätten die Hunde Halsbänder gehabt. Bei so einer langen Reise hätte man sie leicht kurz einmal ins Freie lassen können, damit sie sich etwas bewegen können, meint die Vereinsvorsitzende.

Weiterfahrt in die Niederlande

Bei dem gestoppten Wagen soll es sich um einen Transporter des ukrainischen Tierschutzes gehandelt haben. »Wie das Tierschutz sein kann, ist mir allerdings nicht ganz verständlich«, sagt Bockrath-Regel. Im Meller Tierheim hätten bereits zwei der künftigen Besitzer aus den Niederlanden angerufen und sich nach den Tieren erkundigt.

Wie sich herausstellte, ist aber nicht das Veterinäramt des Ortes, wo der Transporter angehalten wurde, für die Hunde und Katzen zuständig, sondern das Amt im Empfängerland – den Niederlanden. Laut Polizeipressesprecherin Mareike Edeler habe das Veterinäramt eine vorläufige Transportgenehmigung ausgestellt.

Tierschützer entsetzt

Die Tiere sind am Montag vom ukrainischen Fahrer abgeholt und in die Niederlande weitertranportiert worden. »Nach verschiedenen Telefonaten stand zu unserem Bedauern fest, dass das Veterinäramt Osnabrück den Transporter zum Zielort weiterreisen lässt. Die dortigen Behörden würden sich um alles Weitere kümmern. Wir mussten die Katzen an die Fahrer herausgeben«, ist auf der Internetseite des Tierschutzvereins zu lesen.

Und weiter: »Unterm Strich bleibt uns nur die kleine Hoffnung, dass die Hunde wenigstens an ihrem Ankunftsort von Menschen erwartet wurden, die es zumindest ab jetzt gut mit ihnen meinen und die Rassekatzen nicht in die Hände des nächsten Vermehrers gekommen sind.«

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