1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Rödinghausen
  6. >
  7. Mit 38 km/h geht‘s durch die Felder

  8. >

Rödinghauser Martin Otto fährt mit Huskys Schlitten – Trainingseinheiten am Wiehen – viele Rennen abgesagt

Mit 38 km/h geht‘s durch die Felder

Rödinghausen (WB)

Sie bellen, laufen aufgeregt umher, es gibt fast kein Halten. Dann endlich dürfen sie los! Zum Start legen sich die Huskys Enja, Lutzi, Ace und Edge mächtig ins Zeug. Mit bis zu 38 Stundenkilometern ziehen sie Martin Otto auf dem Schlitten stehend durch den Schnee.

Kathrin Weege

Mit seinen vier Huskys Enja, Lutzi, Ace und Edge vor dem Schlitten erreicht der Rödinghauser Martin Otto nach dem Start bis zu 38 km/h. Später pendeln sich die Tiere bei 25 km/h ein. Gerne ist Otto mit seinen Hunden an den Windrädern in Bieren unterwegs – am vergangenen Wochenende mit dem Schlitten, sonst mit einem Scooter auf Rädern.

Der stäubt in Bieren entlang der Windräder empor – so pulvrig ist er. Später pendeln sich die Vierbeiner auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 bis 25 km/h ein. „Leider ist nach diesem Wochenende der Schlittenspaß schon wieder vorbei“, bedauert der Rödinghauser, der seit sechseinhalb Jahren Hundesport betreibt. Doch auch ohne Schnee geht‘s auf Tour: Dann spannt er die Hunde vor seinen Trainingswagen – ein Gefährt mit Rädern. Der Vorteil: Anders als auf dem Schlitten, der nur Platz für einen bietet, kann er dann seine Frau Ramona mitnehmen.

Der 50-Jährige fährt Sprint-Rennen. Sie sind etwa acht bis neun Kilometer lang. Ab Oktober beginnt er mit dem Training für die Saison, baut die Hunde langsam auf, bis sie fit sind. Im Frühjahr werden sie wieder abtrainiert. „Im Sommer haben alle Pause. Für unseren Sport darf es nicht wärmer als maximal 15 Grad sein“, erklärt Martin Otto. Würde er bei zu warmen Temperaturen fahren, „würden die Hunde im wahrsten Sinne des Wortes durchbrennen“, erklärt er. Schließlich schwitzen sie nicht über die Haut, sondern müssten die Hitze abhecheln.

Wenn Otto zu Hause das Geschirr einpackt, dann werden die Tiere – zwei Sibirian Huskys, ein Malamute-Mix und vier Alaskan Huskys – schon nervös. „Diese Rassen wollen laufen, laufen, laufen“, sagt der Rödinghauser. Ihr Geschirr tragen die Hunde schon auf dem Transport im Bulli – jeder hat eine eigene Box. Nach dem Aussteigen am Ziel hilft Ramona Otto ihrem Mann beim Anspannen und hält die Hunde noch einen Moment in Schach. Und dann geht die Post ab.

Die Hunde können je nach Rasse das acht- bis zehnfache ihres Körpergewichts ziehen. Der Trainingswagen auf Rädern wiegt mit zwei Personen besetzt rund 200 Kilogramm. Wenn Otto auf dem Trainingshöhepunkt der Saison ist, fährt er acht Kilometer in 25 Minuten. Gesteuert werden die Hunde mit Sprache, kennen die Kommandos rechts, links und weiter. „Die probe ich auch bei Spaziergängen immer wieder“, erklärt Otto.

Sportlich unterwegs ist er allerdings nur mit vier seiner Huskys, die anderen sind schon etwas zu alt. „Die genießen stattdessen lange Spaziergänge mit uns“, sagt er. Alle Vierbeiner leben mit im Haus – „Ich bin ein absoluter Gegner von Zwingerhaltung“ –, fahren mit in den Urlaub. Auch wenn sie nicht mehr renntauglich sind, bleiben die Hunde und genießen einen schönen Lebensabend am Wiehen in Bieren bei ihrer Familie. „Aktuell fahre ich mit Lutzi und dreien ihrer Kinder. Wir wollen später gerne noch einmal einen eigenen Wurf“, berichtet Otto, der schon seit Kindertagen immer Hunde um sich hatte.

Der 50-Jährige ist Mitglied im Schlittenhunde-Sportverein Münster und nimmt auch an Rennen teil. „Leider ist coronabedingt 2020 vieles ausgefallen oder für 2021 bereits abgesagt“, so Otto. Sein bisher größter Erfolg war 2018 ein zweiter Platz beim Schlittenhunderennen in der Westernstadt Pullman City im Harz. Auch bei den Rennen in der Region – in der Senne in Bielefeld oder beim Tierpark in Ströhen – geht er gerne an den Start. Schon oft hat er es bei verschiedenen Rennen unter die Top-Zehn geschafft.

Startseite
ANZEIGE