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16 Jahre als Bürgermeister: Ernst-Wilhelm Vortmeyer will mehr Zeit mit Familie verbringen

„Wirtschaftsförderung war Chefsache“

Rödinghausen (WB). 16 Jahre Bürgermeister von Rödinghausen: Nach dieser langen Zeit räumt Ernst-Wilhelm Vortmeyer (66) zum 1. November den Chefsessel im Rathaus. Vor allem im Bereich Familie und Bauen hat er viele verschiedene Projekte in der Wiehengemeinde auf den Weg gebracht. Mit Kathrin Weege, stellvertretende Redaktionsleiterin, spricht er über die neue Grundschule, das Wiehen­stadion und die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Ein symbolträchtiges Bild: Noch-Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer auf der Baustelle der neuen Grundschule: Neben dieser hat er einige weitere Baumaßnahmen umgesetzt. Foto: Kathrin Weege

Herr Vortmeyer, Sie waren 16 Jahre Bürgermeister in Rödinghausen –  eine lange Zeit. Fällt es Ihnen schwer, den Chefsessel zu verlassen?

Ernst-Wilhelm Vortmeyer: Nach 16 Jahren als hauptamtlicher Bürgermeister und insgesamt 45 Jahren Engagement in Ausschüssen, im Rat und als erster Vertreter meines Vorgängers habe ich den Zeitpunkt richtig gewählt, um neue Schwerpunkte in meinem Leben zu setzen. Im November werde ich erst einmal herunterfahren. Das wird natürlich eine Umstellung. Ich habe aber schon Ideen für neue Aktivitäten und darauf freue ich mich.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag als Verwaltungschef  im Rödinghauser Rathaus?

Vortmeyer: Ich erinnere mich noch daran, dass ich gut aufgenommen wurde. Mein erster Tag als Bürgermeister war aber nicht mein erster Tag im Rathaus. Durch mein politisches Engagement kannte ich mich auch vorher schon mit der Verwaltung und den Abläufen aus.

Eine ganz  aktuelle Frage: Bislang gab es in Rödinghausen kaum Corona-Fälle. Jetzt aber steigen auch hier die Zahlen. Wie ist die Gemeinde dafür gerüstet? Kann man in den Schulgebäuden ausreichend lüften? In einigen älteren Gebäuden  gab es andernorts das Problem, dass sich Fenster nicht komplett öffnen lassen...

Vortmeyer: Gerade im Bereich Bildung sind wir hervorragend aufgestellt und haben in den vergangenen Jahren in die Gesamtschule, in die Grundschule am Wiehen und aktuell in die Grundschule Bruchmühlen investiert. In den Klassenräumen kann selbstverständlich gelüftet werden, das Raumangebot ist ausreichend, um Abstände einzuhalten und wir stehen in ständigem Austausch mit den Schulleitungen, um auf neue Situationen reagieren zu können.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie: Was möchten Sie den Rödinghauser Bürgern mit auf den Weg geben?

Vortmeyer: Die Rödinghauserinnen und Rödinghauser haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie vorbildlich an die Hygienevorgaben gehalten, Verantwortungsgefühl bewiesen und damit sich und andere geschützt. Dafür bedanke ich mich. Mit auf den Weg geben möchte ich den Bürgerinnen und Bürgern die Bitte und den Wunsch, dass sie weiterhin auf sich und ihre Mitmenschen Acht geben, verantwortungsbewusst handeln und vor allem gesund bleiben.

Was waren die größten und wichtigsten Projekte, die Sie in Ihrer Amtszeit realisieren konnten?

Vortmeyer: Ich habe von Anfang an die Wirtschaftsförderung zur Chefsache erklärt. Durch unsere Zusammenarbeit mit den heimischen Unternehmen haben wir für eine starke Wirtschaft in Rödinghausen gesorgt und dadurch auch für die Finanzstärke unserer Gemeinde. Wichtig ist mir unsere Familienfreundlichkeit und ich freue mich darüber, dass wir seit 2010 offiziell als familienfreundliche Kommune zertifiziert sind. Den Klimaschutz haben wir früh als entscheidendes Zukunftsthema erkannt und sind Vorreiter im Kreis Herford bei der Nutzung regenerativer Energie. Wir unterstützen zudem privates Engagement zur Umrüstung auf Solarenergie.

Vor allem in den vergangenen fünf Jahren haben wir besonders in das Betreuungs- und Bildungsangebot investiert. Neben dem Bau und der Erweiterung der Rödinghauser Schulen haben wir auch bei der Ausstattung neue Maßstäbe gesetzt und früh die Voraussetzungen für den digitalen Unterricht geschaffen.

Ein Meilenstein war der Bau des Wiehenstadions, das Rödinghausen in der ganzen Region bekannt gemacht hat.  Bis es so weit war, galt es einige politische Hürden zu nehmen. Was bedeutet ein solches Stadion heute für eine kleine Gemeinde wie Rödinghausen? Und: Soll und  kann das Stadion weiter ausgebaut werden?

Vortmeyer: Mit dem Wiehenstadion und dem SVR hat Rödinghausen ein sportliches Leistungszentrum für junge Fußballer. Viele junge Spieler starten hier ihre Karriere und machen so auch Rödinghausen bekannt. Der SV Rödinghausen ist Imageträger für unsere Gemeinde und am Tag des DFB-Pokalspiels gegen den FC Bayern München hat ganz Deutschland auf die Wiehengemeinde geschaut. Darauf können wir stolz sein und die meisten Rödinghauser sind es auch. Das Häcker Wiehenstadion kann weiter ausgebaut werden, alles Weitere dazu überlassen wir der Zukunft.

In ihrer langen Amtszeit sind vom Wiehenstadion bis zum Grundschulneubau viele wichtige Dinge für Rödinghausen vorangetrieben und umgesetzt worden. Familienfreundlichkeit war für Sie immer wichtig. Gibt es Punkte, die Sie nicht erreichen  konnten?

Vortmeyer: Viele wichtige Punkte habe ich mit Unterstützung der politischen Gremien und der Verwaltung in den vergangenen Jahren umgesetzt und verwirklicht. Wichtig für die Zukunft ist zum Beispiel der Ausbau der Bruchstraße, aber auch unser Engagement im Brandschutz ist noch nicht abgeschlossen.

Rödinghausen ist nicht nur wegen des Unternehmens Häcker-Küchen ein guter Wirtschaftsstandort.  Nach der Errichtung des Gewerbegebietes in Ostkilver: Gibt es ausreichend Gewerbeflächen in der Gemeinde?

Vortmeyer: Wir haben gerade 2,5 Hektar Land in Bruchmühlen gekauft und erschließen das Gebiet jetzt. Der Bedarf an Gewerbeflächen ist weiterhin groß und die Verwaltung plant die Erschließung weiterer Flächen. Der Bedarf und unser Engagement werden sich auch im neuen Regionalplan wiederfinden.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger Siegfried Lux mit auf den Weg?

Vortmeyer: Siegfried Lux hat viele Jahre politische Erfahrung und sich in Vereinen, wie der Wage engagiert. Ich wünsche ihm, dass er die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre fortsetzen und selbst Akzente setzen wird.

Bürgermeister – auch einer kleinen Kommune – zu sein, ist nahezu ein 24-Stunden-Job an mehr als fünf Tagen in der Woche. Künftig werden Sie viel mehr Zeit für sich haben. Wie werden Sie die nutzen?

Vortmeyer: Ich werde in dieser Zeit viele Dinge nachholen, die eigentlich ganz alltäglich sind. Ich bin ja sportlich recht aktiv und würde das gern intensivieren. Ich habe aber auch zwei Enkelkinder und will mir viel Zeit für meine Frau und die gesamte Familie nehmen. Ich werde dann mal sehen, wo und wie ich aktiv werde.

Stichwort Ehrenamtliches Engagement:  Sie arbeiten in   Vereinen mit, sind    Vorsitzender des SV Rödinghausen und des DRK-Ortsvereins Rödinghausen. Werden Sie sich hier auch weiterhin engagieren?

Vortmeyer: Ich werde meine ehrenamtlichen Aufgaben weiter wahrnehmen und mein Engagement in einigen Bereichen weiter ausbauen. Es gibt mehrere Vereine, die schon mal gefragt haben, ob ich sie unterstützen würde.

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