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Angeklagter leidet unter psychischer Erkrankung: Bünder Amtsgericht fällt mildes Urteil gegen Rentner (64)

Wodka-Dieb bricht Polizist den Mittelfinger

Rödinghausen/Bünd...

Er soll zwei Flaschen Wodka geklaut haben, wurde ertappt, wollte den herbeigerufenen Polizeibeamten aber seine Personalien nicht nennen. Bei einem anschließenden Handgemenge brach der 64-Jährige einem Ordnungshüter einen Finger. Bei der Verhandlung vor dem Bünder Amtsgericht kam jetzt heraus: Der Angeklagte leidet an einer schizophrenen Psychose.

Daniel Salmon

Mit einem Fausthieb brach der Rentner einem Polizisten den Mittelfinger. Der Beamte fiel daraufhin viereinhalb Wochen aus. Foto: dpa

Konkret legte die Bielefelder Staatsanwaltschaft dem Meller Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Bedrohung zur Last. Der Rentner selbst stritt ab, den Polizisten geschlagen zu haben.

Zugetragen hatte sich der Vorfall, der nun juristisch aufgearbeitet wurde, bereits am 27. Juni vergangenen Jahres auf dem Parkplatz des Aldi-Marktes in Bruchmühlen. Seinerzeit hatte der Senior zwei Flaschen hochprozentigen Alkohol eingesteckt, konnte diese aber nicht bezahlen („Ich hatte keine Deckung mehr auf meinem Konto. Die Kassiererin kennt mich doch. Ich wollte die Flaschen später bezahlen.“) Die Mitarbeiterin rief die Polizei, die den vermeintlichen Ladendieb – den Alkohol hatte er schon wieder herausgerückt – in einem Auto auf dem Parkplatz des Discounters entdeckte und mit dem Tatvorwurf konfrontierte. „Er wollte aber gar keine Angaben machen, sagte zu mir, wenn ich Langeweile hätte, könnte ich ihm für zehn D-Mark eine Packung Fluppen kaufen“, schilderte der Beamte am Montag vor Gericht.

Statt seinen Ausweis zu zeigen, machte der Angeklagte dann Anstalten, wegfahren zu wollen. Als der Polizist daraufhin durch das halbgeöffnete Fahrerfenster nach dem Autoschlüssel griff, um den Schlüssel aus dem Zündschloss zu ziehen, setzte sich der 64-Jährige zu Wehr. Er schlug in Richtung Körper und Kopf des Beamten, traf zwar nicht, brach dem Ordnungshüter mit einem Fausthieb aber den linken Mittelfinger. Zuvor hatte letzterer bereits einige Prellungen am Arm erlitten, als der renitente Rentner versuchte, das Autofenster hochzukurbeln.

Zudem hatte der Angeklagte, der sich bei der Auseinandersetzung selbst auch Blessuren zugezogen hatte, mit dem Schlüssel in der Hand in Richtung des Ordnungshüters gedroht: „Ich stech‘ dir gleich die Augen aus.“ Als weitere Polizisten ihrem Kollegen zur Hilfe kamen, konnte der Mann schließlich überwältigt werden. „Danach hat sich die Situation entspannt. Der Angeklagte war dann ganz ruhig“, so der Zeuge.

Wie der Verteidiger des Rentners erläuterte, leide dieser seit geraumer Zeit unter einer schizophrenen Psychose, war deshalb auch schon mehrfach in stationärer Behandlung und stehe unter gesetzlicher Betreuung. Medikamente gegen seine Krankheit habe der Senior aber bereits vor längerer Zeit abgesetzt.

Mit Blick auf ähnliche gelagerte Taten (unter anderem im April letzten Jahres, ebenfalls am Aldi in Bruchmühlen), wegen denen der Meller schon 2020 Ärger mit der Justiz hatte, forderte die Staatsanwaltschaft eine sechseinhalbmonatige Bewährungsstrafe für den Mann. Dessen Verteidiger plädierte auf eine mildere Bestrafung. Letztlich verhängte Amtsrichter Henning Zurlutter unter Berücksichtigung der Erkrankung des Angeklagten eine Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen á 30 Euro.

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