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Schmuck und Bargeld in Spenger Medicare-Seniorenresidenz verschwunden

Hat ein Mitarbeiter Senioren beklaut?

Spenge

Schmuck im Wert von 6000 Euro und 600 Euro Bargeld soll ein Mitarbeiter der Medicare-Seniorenresidenz in Lenzinghausen einem Bewohner gestohlen haben. Und es soll nicht der einzige Vorfall dieser Art gewesen sein.

Von Kathrin Weege

Ein 31-jähriger Mitarbeiter der Medicare-Seniorenresidenz in Lenzinghausen ist angeklagt worden. Ihm wird Diebstahl von Schmuck und Bargeld vorgeworfen. Foto: Kathrin Weege

In zwei Fällen klagt die Staatsanwaltschaft Bielefeld den 31-jährigen Mann nun an. Weitere Tatvorwürfe standen im Raum, die Justizbehörde hat sich aber nun auf zwei Punkte beschränkt.

„Der Mitarbeiter soll mit einem Generalschlüssel die Zimmertür geöffnet haben und sich so Zugang zu den Räumlichkeiten der Bewohner verschafft haben“, sagt ein Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft auf Nachfrage. Der Mann soll Ringe, Ketten und Armbänder gestohlen haben.

Andenken an verstorbene Partner

Des Weiteren wird dem Mitarbeiter versuchter Diebstahl mit einem gefährlichen Gegenstand vorgeworfen. „Er soll versucht haben, mit einem Schraubendreher die Terrassentür der Kellerräume zu öffnen“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Bei einer anderen Frau soll der Mitarbeiter nach Informationen dieser Zeitung ebenfalls Schmuck – dieses Mal im Wert von etwa 2000 Euro – entwendet haben. Der vermeintliche Täter soll berechnend vorgegangen sein, und einen Moment abgepasst haben, wenn die Bewohner nicht im Zimmer waren. Er soll aber auch Räume betreten haben, wenn die Bewohner sich darin aufhielten. So sollen auch Schmuckstücke, die Andenken an verstorbene Partner waren, weggekommen sein. Angehörige hatten sich deswegen an die Polizei gewandt. Inzwischen sollen, nach Informationen dieser Zeitung, einige betroffene Bewohner schon verstorben sein.

Falls fürs Amtsgericht

Die nun angeklagten Taten soll der Mitarbeiter der Lenzinghauser Senioreneinrichtung bereits im August und September 2020 begangen haben, sagt Bernd Kahre, Direktor des Amtsgerichts Herford.

Eigentlich hätte schon feststehen sollen, ob der Mitarbeiter schuldig ist oder freigesprochen wird. Eine Verhandlung am Amtsgericht in Herford war bereits für die vergangene Woche anberaumt, teilt die Staatsanwaltschaft Bielefeld mit. Allerdings musste der Termin wegen Krankheit des Richters abgesagt werden. „Ein neuer Termin steht noch nicht fest“, informiert Bernd Kahre.

Einrichtung äußert sich nicht

Die Medicare-Seniorenresidenz, die zur Orpea-Gruppe gehört, hat sich bis Redaktionsschluss nicht zu den Vorfällen geäußert. Eine Anfrage seitens der Redaktion war bereits in der vergangenen Woche gestellt worden.

Bewohnerinnen nackt gefilmt

Es ist nicht das erste Mal, dass die Einrichtung in die Schlagzeilen gerät und es zu polizeilichen Ermittlungen gekommen ist. So sollen zwei Mitarbeiterinnen im August 2020 eine Bewohnerin nackt gefilmt haben. Die beiden Pflegerinnen, die nach Bekanntwerden des Vorfalls von der Medicare-Gruppe entlassen worden waren, wurden angeklagt. „Wir haben nach Bekanntwerden des Video-Vorfalls direkt Anzeige bei der Polizei erstattet und die Angelegenheit der WTG-Behörde gemeldet“, sagte Orpea-Sprecher Bernhard Rössler damals. Die WTG-Behörde – früher Heimaufsicht – ist zuständig für die Rechte von älteren und pflegebedürftigen Menschen.

Die beiden ehemaligen Pflegerinnen wurden am Ende nicht verurteilt. Das Verfahren wurde eingestellt – nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung. Dieser besagt, dass das Verfahren gegen eine Auflage eingestellt wird. Im Fall der beiden Frauen musste eine Geldsumme an eine gemeinnützige Einrichtung gezahlt werden.

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