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Stadt will marodes Gebäude in Lenzinghausen abreißen – Interessengemeinschaft gründet sich

„Das Spritzenhaus soll bleiben“

Spenge (WB)

Lange schon ist das alte Spritzenhaus am Birkenweg in Lenzinghausen ungenutzt. Die Stadt Spenge spielt nun mit dem Gedanken, das marode Gebäude abzureißen. Damit sind einige Lenzinghauser aber nicht einverstanden und haben eine Interessengemeinschaft gegründet.

Christina Bode

Mit einer Postkartenaktion wollen Jan Henning Foh und seine Mitstreiter eine Diskussion über den Erhalt des Spritzenhauses entfachen. Foto: Christina Bode

Fenster sind eingeschlagen, das Dach beschädigt und die Grundmauern kaputt, kurz gesagt: Das Spritzenhaus ist marode. „Trotz seines Zustandes hat das Gebäude für viele Spenger aber einen ideellen Wert“, sagt Nachbar Jan Henning Foh. „Wenn sich Bürger mit einem Gebäude identifizieren und es sogar als eines ihrer Wahrzeichen betrachten, sollte ein Abriss der letzte Weg sein“, sagt er.

Mit der am Wochenende gegründeten Interessengemeinschaft „Wir retten das Spritzenhaus“, zu deren Organisationsteam auch die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Lenzinghausen, Mandatsträger der SPD und der Grünen aus Kreistag und Stadtrat sowie Mitglieder der Partei „Die Partei“, der auch Jan Henning Foh angehört, und der Linken gehören, will er zumindest eine öffentliche Diskussion über die weitere Nutzung erreichen.

„Wir plädieren für eine Umnutzung und bei Bedarf eine Erweiterung des Spritzenhauses“, sagt Foh. Die Stadt Spenge gebe sich gerne als „grüne Stadt“ aus. Dazu gehöre doch auch, alten Baubestand zu erhalten. „Bernd Dumcke ist als kreativer Fördermittelfinder bekannt. Es sollte ein Leichtes für ihn sein, Fördermittel für das Spritzenhaus zu finden“, meint Foh.

In zahlreichen Gesprächen hätten die Mitglieder der Interessengemeinschaft in den vergangenen Tagen Ideen für eine neue Nutzung gesammelt. So sei zum Beispiel der Bau einer neuen Kita sinnvoll, auch im Hinblick auf die Lenzinghauser Neubaugebiete. Das Spritzenhaus könne auch zu einem Multifunktionsraum für Vereine mit Trauzimmer umgebaut werden oder den vielfachen Wunsch nach einem Dorfladen erfüllen.

Sollte es keine Alternative zum Abriss geben, so hofft Foh, dass die Stadt das Spritzenhaus vorher zumindest artenschutzrechtlich prüft, denn er vermute, dass Eulen in dem Turm wohnen. Seiner Ansicht nach hätten aus ähnlichen Gründen auch die Obstbäume auf dem Gelände hinter dem Spritzenhaus nicht ohne Weiteres gefällt werden dürfen, wie es im Herbst vergangenen Jahres passiert ist. So hätte sich dort neben einigen morschen Bäumen, die aber durchaus Lebensraum für Tiere geboten hätten, auch die rote Sternenrenette befunden, eine alte Apfelsorte, die als erhaltenswert gelte.

Bürgermeister Bernd Dumcke bestätigt, dass neben der Erörterung von Fohs Beschwerde an die Stadt in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses, der am 11. Februar um 18 Uhr im Bürgerbegegnungszentrum tagt, auch seine Beschlussempfehlung zum Abriss des Spritzenhauses Thema sein wird. „Das Gebäude ist eine Ruine und in Gänze abgängig“, sagt Dumcke. Einen Denkmalwert könne er nicht erkennen.

Die Stadt Spenge habe das 1700 Quadratmeter große Grundstück, das sich hinter dem Spritzenhaus befindet, 2020 ersteigert. Anschließend habe man das Grundstück von Müllablagerungen und Wildwuchs befreit. Auch habe man nur morsche Obstbäume vorgefunden, die nach Prüfung gefällt worden seien.

„Es handelt sich hier um eine typische Baulücke. Außerdem befindet sich auf größeren Teilen des Grundstücks der Abwasserhauptsammler der Stadt, der nicht überbaut werden darf“, erklärt Dumcke. Man müsse bedenken, dass so ein Gebäude nicht nur saniert, sondern auch unterhalten werden muss.

In Lenzinghausen sei erst kürzlich die Mehrzweckhalle ertüchtigt worden, das Hühnerhaus umgebaut und das Bürgerbegegnungszentrum auf den neuesten Stand gebracht. „Wir können jeden Euro auch nur einmal ausgeben“, gibt er zu bedenken. Eine Kita, deren Bau im Übrigen Kreissache wäre, passe alleine von der möglichen bebaubaren Fläche nicht auf das Grundstück.

Die IG will mit einer Postkartenaktion auf ihr Anliegen aufmerksam machen. 2000 Exemplare sollen in dieser Woche an die Lenzinghauser Haushalte verteilt und von dort aus an den Stadtrat geschickt werden.

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