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Population vergrößert sich – Niederwild-Bestand geht zurück

»Der Waschbär wird zum Problemfall«

Spenge (WB). Etwa 550 Hektar Jagdfläche bietet Hücker-Aschen – darunter auch das Hücker-Moor. »Das ist ein Zentrum für alle Wildarten«, erklärt der Jäger Gottlieb Ewering. In den letzten Jahren musste er jedoch feststellen: Der Bestand an Niederwild geht erschreckend zurück.

Lukas Brekenkamp

Putziger Problemfall: Der Waschbär-Bestand wächst rasant. Der Jäger ernährt sich unter anderem von Bodenbrütern. Foto: dpa

Unter Niederwild versteht man etwa Hasen, Fasane oder Enten. Gründe für diesen Rückgang ist laut Gottlieb Ewering auch die hohe Population der Fressfeinde. Füchse, Dachse und Marder vermehren sich. Das zeigen auch die Streckenmeldungen aus dem Kreis Herford: 2007/2008 wurden beispielsweise 484 tote Füchse gemeldet, zehn Jahre später waren es 668. Außerdem: »Ich habe seit vier Jahren keinen Hasen mehr geschossen«, sagt er. Ein weiteres Zeichen für den rückläufigen Bestand.

Ziel: eine Falle auf 50 Hektar

Gottlieb Ewering rät, die Bejagung dieser Fressfeinde unter Kontrolle zu kriegen. So stellt er beispielsweise in dem Jagdrevier mehrere Lebendfallen für die Raubtiere auf. Zum Teil sogar hochmodern: Wenn manche Fallen zuklappen, hat er innerhalb weniger Sekunden eine Nachricht auf dem Smartphone. Drei bis sechs Raubtiere fange er mit einer Falle im Jahr. »Eine Faustregel ist, dass eine Lebenfalle auf 50 Hektar steht. Das haben wir hier noch nicht ganz erreicht«, sagt er.

Doch die Bejagung durch Fallen schmeckt nicht allen. Seine Fallen wurden schon Ziel von Vandalismus. Deshalb hat der Jäger nun eine Wildkamera installiert.

Um den Bestand des Niederwilds zu stärken, hofft Gottlieb Ewering auch auf die Hilfe der Landwirte. Diese könnten Flächen zur Verfügung stellen, um etwa ein Kleinbiotop anzulegen. »Auf unsere Partner sind wir in Hücker-Aschen sehr stolz«, sagt er.

Bodenbrüter gefährdet

Auch die Zahl eines anderen Tiers steigert sich rasant: die des Waschbären. »2004 ist der Waschbär hier richtig angekommen«, sagt Gottlieb Ewering. Bis 2010 habe sich die Population schwach entwickelt. Mittlerweile ist der Bestand deutlich gestiegen. Das zeigen auch die Zahlen der Streckenmeldung des Kreises Herford: 2007/2008 wurden 75 tote Waschbären gemeldet, zehn Jahre später waren es 582. »Der Waschbär wird zum Problemfall«, merkt Gottlieb Ewering an. Denn die invasive Art jagt beispielsweise Bodenbrüter und dezimiert dadurch die Zahl der Tiere drastisch.

Eigentlich stammt der Waschbär aus Amerika. Im 20. Jahrhundert fand er durch den Menschen den Weg nach Europa und Deutschland. Seitdem vermehrte sich das Tier rasant. Seine Hochburg in OWL hat der Waschbär laut Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) in Höxter.

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