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Mitstreiter für ehrenamtliches Projekt gesucht – Bürgergespräch am 11. Februar

Dorfladen soll Lenzinghausen beleben

Spenge (WB). „Bei meinen Gesprächen mit den Einheimischen höre ich immer wieder, dass in Lenzinghausen ein Laden fehlt“, erzählt Pfarrer Ulrich Gressog. Auch Sparkasse und Volksbank sind geschlossen. „Die Leute fühlen sich abgehängt.“ So kam Gressog auf die Idee, dass die Lenzinghauser im ehemaligen „Bäckerjungen“ neben der Pizzeria „Terra Mia“ selbst einen Dorfladen eröffnen könnten.

Ruth Matthes

Wo einst der „Bäckerjunge“ seine Brötchen verkaufte, könnte bald ein Dorfladen zum neuen Treffpunkt des Spenger Ortsteils Lenzinghausen werden. Zumindest dann, wenn die Väter dieser Idee genügend Ehrenamtliche finden, die sich für ein derartiges Projekt begeistern können. Foto: Ruth Matthes

Gino Dibooglu, Pächter des Hauses, in dem die Pizzeria und der Laden untergebracht sind, war sofort dabei, und auch Nachbar Sieghart Kröger war schnell für die Idee zu gewinnen. „Nun suchen wir Mitstreiter, die sich von der Idee ebenfalls begeistern lassen und sich bei die Realisierung einbringen möchten“, sagt Kröger, der als SPD-Kreistagsabgeordneter und Mitglied der örtlichen Vereinen bestens im Ort vernetzt ist. Am Dienstag, 11. Februar, um 19.30 Uhr sollen im Rahmen eines Dorfgespräches im Bürgerbegegnungszentrum Turnerstraße die ersten Ideen vorgestellt und über das Projekt diskutiert werden.

Crowdfunding

„Überall in Deutschland tun sich Menschen im ländlichen Raum zusammen, um auf ehrenamtlicher Basis eine Art modernen Tante-Emma-Laden aufzumachen“, berichtet Gressog. So zum Beispiel im nahen Häger, wo die Bürgerinitiative eine genossenschaftliche Lösung für die Finanzierung gefunden habe. „Wir schauen zunächst einmal, ob wir das notwendige Kapital für die notwendigen Renovierungsarbeiten und die Einrichtung mit Zuschüssen und über Crowdfunding zusammen bekommen“, erklärt Kröger.

Öffentliche Zuschüsse gebe es lediglich für Dorfläden in strukturschwachen Regionen und bei größeren Entfernungen zum nächsten Verbrauchermarkt. „Wir hoffen auf die Sparkassenstiftung, oder das Crowdfunding-Projekt ‚Wir schaffen mehr‘ der Volksbank, bei dem die Bank je gespendeten zehn Euro ihrerseits zehn Euro dazugibt“, erklärt Kröger. Außerdem gebe es einen möglichen Sponsor für das Projekt.

Regionale Waren

Das Trio hat bereits einige Ideen, wie es den ehemaligen Bäckerladen, der schon vor der Insolvenz des „Bäckerjungen“ leer stand, zu einem Anziehungspunkt im Dorf machen könnte: „Es wäre schön, wenn wir regionale Produkte anbieten könnten. Sie müssten nicht unbedingt bio sein, aber doch qualitativ hochwertig“, sagt Kröger. Jennifer und Meik Restemeier hätten bereits Interesse signalisiert, ihre Eier aus artgerechter Haltung in dem Laden zu verkaufen. Er hofft, dass auch einige Bio-Bauern sich das vorstellen können. Gino Dibooglu würde gerne eine Ecke mit italienischen Spezialitäten einrichten und im Sommer dort sein Eis anbieten.

„Auch die Bewohner der Seniorenresidenz Medicare gegenüber werden profitieren“, ist sich der Pfarrer sicher. So soll der Einrichtungsleiter auch in den Entwicklungsprozess einbezogen werden. Die Mitglider seiner Kirchengemeinde will Gressog ebenfalls ansprechen. Er hofft, dass sich im Laufe der Zeit genügend Lenzinghauser finden, die sich für den Laden und als Verkäufer im Laden engagieren wollen, damit er Mitte 2021 seine Türen öffnen kann. „Wir denken, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt ist, ein solches Projekt zu starten. Die Menschen sehen nicht mehr nur auf den Preis, sondern auch auf die Qualität.“

Kommentar

Viele trauern dem guten alten Tante-Emma-Laden nach. Da konnte man noch ohne Auto seine Brötchen holen, schnell die fehlende Butter besorgen und gleich noch ein Schwätzchen halten!

Doch warum sind diese kleinen Lädchen eingegangen? Weil sie nicht genug Absatz machen konnten. Die Auswahl war nicht groß genug, der Preis zu hoch. Mit den allerorten aus dem Boden schießenden Lebensmittelmärkten konnten sie nicht mithalten. Die, die heute klagen, sind nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung.

Doch mittlerweile hat sich der Wind gedreht. Kurze Wege, Regionalität und Qualität liegen wieder im Trend. Das dürfte den Initiatoren des Dorfladens in die Hände spielen. Ihre Initiative ist gut. Bleibt zu hoffen, dass sie viele Mitstreiter finden – und Leute, die ihre Waren dann auch kaufen.

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