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Boot-Saison am Hücker Moor startet – nur zwei von vier Gaststätten geöffnet

Endlich wieder ab ins Wasser!

Spenge (WB). Paddeln auf dem Hücker Moor – das ist ein bisschen wie Urlaub. Seit Mittwoch liegen 44 Boote im Wasser und können ins größte Binnengewässer des Kreises Herford stechen – allerdings nur unter Auflagen wie eben fast alles in der Corona-Zeit.

Kathrin Weege

44 Boote liegen am Hücker Moor wieder im Wasser, seit Mittwoch kann gepaddelt und gerudert werden. Foto: Kathrin Weege

„Wir müssen die Sitzflächen und die Ruder desinfizieren“, erklärt Jürgen Fleer. Er unterstützt seinen Sohn Marcel, der die Bootsflotte an der Moor-Ranch seit einem Jahr betreibt. Das Gasthaus hatte sie „outgesourced“. Wer in eines der kleinen Schiffchen steigen möchte – 32 bietet die „Moor-Ranch“, zwölf weitere gibt es bei „Beckmann’s Schankwirtschaft“ – muss seinen Namen sowie die Zeit in eine Liste eintragen. So soll sichergestellt sein, dass im Falle eines Falles Infektionsketten nachvollzogen werden können. „Das alles bedeutet für uns sehr viel Arbeit. Wir brauchen eine zusätzliche Kraft, um das alles zu stemmen“, sagt Fleer. So richtig lohnen würde sich das alles nicht. „Wir machen das für die Leute. Wir möchten etwas bieten, wenn nun alle nach dieser schweren Zeit endlich raus können“, erklärt Jürgen Fleer. Es hätte die Überlegung im Raum gestanden, die Preise für den Bootsverleih anzuheben. „Wir haben uns aber dagegen entschieden. Viele sind in Kurzarbeit und das Geld fehlt“, so Fleer. Er und sein Sohn wollten schauen, ob es nicht auch für den kleinen Betrieb Unterstützung vom Staat geben könnte.

Ordnungsamt berät Betreiber

Bei bestem Sommerwetter sind erfahrungsgemäß alle Boote am Hücker Moor im Wasser. Haupttage sind Samstag und Sonntag. Derzeit dürfen nur zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten und mit Mindestabstand in eines der Schiffchen steigen. „Familien mit Kindern können natürlich zusammen unterwegs sein“, erklärt Daniela Burchardt, Tochter des Betreibers vom „Beckmann’s“. Auch ihre zwölf Ruderboote sind zu Wasser gelassen und startklar. „Wir hatten einen Termin mit dem Ordnungsamt und sind toll beraten worden. Natürlich halten wir uns im Bereich der Boote und auch in der Gastronomie an alle Vorschriften“, sagt Burchardt. Sie sei einfach nur froh, dass es nun endlich wieder losgehe.

Startschuss auch bei „Beckmann’s“

Wie bei der „Moor-Ranch“ fiel Mittwoch auch der Startschuss in der Gastronomie bei „Beckmann’s“. Zwar sei nicht alles wie sonst, die Betreiber hoffen aber, dass sich ihre Kunden mit den Vorgaben arrangieren. „Die Gäste müssen das Grundstück mit Maske betreten. Wenn sie an den Tischen, die mit ausreichend Mindestabstand aufgestellt sind, Platz genommen haben, dürfen sie den Mundschutz abnehmen“, erklärt Daniela Burchardt. Steht man auf – auch um nur zur Toilette zu gehen – muss die Maske wieder aufgesetzt werden. Die Mitarbeiter tragen Mund-Nasenschutz oder so genannte Face Shields. „Sie sollen selber wählen, was für sie bequemer ist“, meint Burchardt.

Die beiden Gastronomiebetriebe „Moorstübchen“ und „Seerose“ haben bislang nicht geöffnet. Sie werden von derselben Betreiberin geleitet. Am Mittwoch war niemand zu erreichen. Beim Traditionslokal „Moorstübchen“ ertönt unter der bekannten Festnetznummer die Ansage, dass diese Nummer nicht vergeben ist, bei der Seerose springt nur die Mailbox an.

Kommentar

Um die mit 32 Booten doch recht große Flotte an der „Moor Ranch“ zu betreiben, ist wegen der ganzen Auflagen um Corona eine weitere Arbeitskraft erforderlich. Ob sich das für den Betreiber Marcel Fleer am Ende rechnet, ist ungewiss. Ähnlich sieht es bei „Beckmann’s“ aus. Es gehört eine ganze Menge Idealismus dazu, in dieser Zeit dennoch fast normal an den Start der Boot-Saison zu gehen und dabei nicht nur an sich selber, sondern vor allem an die Mitbürger zu denken. Das ist in diesen Zeiten ein schönes Signal und die Bürger im Kreis Herford werden es sicher zu schätzen wissen. Schließlich ist eine Bootsfahrt ein bisschen wie Urlaub. Und der ist gerade auch rar. vielleicht denkt der eine oder andere sogar neben einem „Danke“ an ein kleines Trinkgeld.

Kathrin Weege

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