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Spenger Werburg zeigt Ausstellung mit „Schätzen heimischer Trachten“

Haub(p)t-Sache prächtig

Spenge

Diese handgefertigten Kopfschmucke sind wahre Kunstwerke – und sie waren einst ein Ausdruck von Zugehörigkeit. An diesem Sonntag, 3. April, eröffnet das Werburg-Museum seine neue Sonderausstellung „Die Pracht der goldenen Hauben – Schätze heimischer Trachten“.

Von Daniela Dembert

Hannelore Kröger und Dr. Werner Best haben die neue Ausstellung mit vielen Leihgaben und Schenkungen aus der Bevölkerung realisieren können. Foto: Daniela Dembert

Bei den etwa 30 Exponaten, die in der Scheune des Gebäude-Ensembles zu sehen sind, handelt es sich vornehmlich um Damen-Kopfbedeckungen, die zur Sonn- und Feiertagsgarderobe zählten. Die meisten davon stammen aus Spenge und der unmittelbaren niedersächsischen Nachbarschaft.

„Trachten und Kleidung im allgemeinen hatten schon immer eine Bedeutung, einen politisch-sozialen Hintergrund und waren Identität stiftend“, erzählt Hannelore Kröger, die gemeinsam mit Ehemann Dr. Werner Best die Ausstellung kuratiert hat.

Durch die Kleidung hätten reiche Bauern ihren Wohlstand zur Schau tragen können. Die Grundlage dafür lieferte bis Mitte des 19. Jahrhunderts die ständische Kleiderordnung. Als diese aufgehoben wurde, gelangten die Hauben auch in die Hände weniger wohlhabender Frauen. Ein Beispiel dafür sind die Exponate einer Sammlung aus Schiplage/St. Annen. Familie Walkenhorst hat dem Museum Pracht- und Trauerhauben sowie Schürzen einer Ahnin zur Verfügung gestellt.

Diese Haube ist mit Silberfäden reich dekoriert und mit einer feinen Klöppelborte und seidenen Webbändern verziert. Foto: Daniela Dembert

„Hier haben wir das große Glück, die Trägerin zu kennen, denn sie hat ihren Namen in eine der Hauben geschrieben“, erklärt Kröger. Katherine Marie Busch sei eine Heuerlingsfrau gewesen, von der die Familie sogar zwei Fotos liefern konnte. Das sei „ein echter Glücksfall“ und weise darauf hin, dass die Hauben, nachdem sie ihren Status verloren hatten, auch verschenkt worden seien.

Dass auf den Trachten-Suchaufruf des Museums hauptsächlich Kopfschmuck geliefert wurde, erklärt Dr. Werner Best ganz einfach: „Andere Kleidungsstücke wurden von Feiertags- zu Alltags und zu Arbeitskleidung degradiert und aufgetragen.“

Kunstvolle Metallfaden-Stickereien, fein geklöppelte Bordüren und edle Seidenbänder mit gewebten Blumendekoren zieren die ausgestellten Hauben.

Um zu erfahren, aus welchem Material der Zierrat gefertigt ist, wurden einige Stücke in den Restaurierungswerkstätten der Archäologie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe untersucht. Dabei ist festgestellt worden, dass die für die Ornamentik verarbeiteten Drähte aus reinem oder mit Gold und Kupfer legiertem Silber bestehen und sehr kostbar gewesen sein dürften. Die textilen Trägerteile sind aus Seide und Leinen.

Aus Westerenger stammt diese Leihgabe – eine schwarze Trauertracht. Foto: Daniela Dembert

„Unglaublich, was für ein Schatz da auf heimischen Dachböden geschlummert hat“, ist Dr. Werner Best begeistert. Die meisten der Stücke scheinen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu stammen, einige Hauben aus der Familiensammlung Fischer-Riepe vermutlich sogar aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Leihgaben von kompletten Trachten aus dem Lippischen Landesmuseum Detmold, Exponaten aus dem Grönegau-Museum in Melle und dem Dorfmuseum Bennien. Finanzielle Unterstützung kommt vom Land NRW in Form eines Heimat-Schecks.

Bis Anfang August kann die Sonderausstellung jeweils sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr kostenlos besucht werden.

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