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Antrag der Spenger Grünen mit knapper Mehrheit beschlossen – zwei Standorte an Langer Straße vorgeschlagen

Heiße Diskussion um Mitfahrbank

Spenge

In einigen Kommunen gehören sie schon länger zum Stadtbild: die Mitfahrbänke. Wer sich darauf setzt und ein Schild, sagen wir mit der Richtung Melle, ausklappt, signalisiert damit, dass er gerne mitgenommen werden möchte. Wer dorthin mit dem Auto unterwegs ist, kann denjenigen dann mitnehmen. Ein solches Angebot möchten die Grünen auch in Spenge einrichten. Bei den Ratskollegen lösten sie damit eine rege Diskussion aus.

Von Ruth Matthes

Wie hier im thüringischen Öberlödla soll es auch in Spenge bald Mitfahrbänke geben. Wer eine Mitfahrgelegenheit sucht, kann hier warten. Foto: Bodo Schackow

Tim Kownatzki (Grüne) begründete diese Anregung in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses unter anderem mit der ungünstigen Lage Spenges zwischen diversen Verkehrsverbünden, die eine Optimierung des ÖPNV erschwere. Aufgefangen werde die Situation bislang ausschließlich durch das ehrenamtliche und außerordentlich lobenswerte Engagement des Bürgerbusvereins.

„Mitfahrbänke, wie es sie in Halle oder Hiddenhausen bereits gibt, sind eine Ergänzung zur vorhandenen Infrastruktur“, erklärte Kownatzki. Er schlug vor, Bänke an den Ortsausgängen der Langen Straße, Höhe „Am Heistersiek“, und Friedhof aufzustellen.

Das Prinzip folge der Idee von modernen Mitfahrgelegenheit-Apps, bleibe aber vollkommen analog: Das Platznehmen signalisiert Vorbeifahrenden die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit, ein Schild zeigt die gewünschte Fahrtrichtung an. Vorteile sieht Kownatzki auch in der umweltfreundlichen Bildung von Fahrgemeinschaften und dem sozialen Aspekt.

Die Verwaltung soll den Auftrag erhalten, die Aufstellmöglichkeit von Mitfahrbänken zu prüfen und entsprechende Angebote zur Anschaffung der Bänke einzuholen. Sollte das Aufstellen dort nicht möglich sein, soll sie Alternativvorschläge erarbeiten.

Die Resonanz auf diesen Vorschlag war sehr geteilt: Während Lars Hartwig (CDU) die Idee charmant fand und sie als Ergänzung durchaus befürwortete, sah die SPD das Angebot durchaus kritisch. „Wir sollten es einmal ausprobieren und sehen, ob es angenommen wird“, schlug Hartwig vor. Vielleicht fänden sich ja auch Sponsoren dafür. Einen Versuch wäre es wert.

Rainer Kalla (FDP) hielt es hingegen für schwierig, diesen Erfolg zu messen. „Das muss man nicht kompliziert analysieren, da reicht der Eindruck“, urteilte Hartwig.

Nils Kleineweber (SPD) fand „die Grundidee ganz gut“, hatte aber Probleme mit dem Standort und befürchtete bei näherem Hinsehen rechtliche Probleme: „Ein Taxi muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Hier kann jeder andere Menschen transportieren. Wir organisieren hier eine Mitfahrzentrale. Das ist nicht safe.“

Bürgermeister Bernd Dumcke erhob Einspruch, weil er die Bänke als Konkurrenz zum ÖPNV sah: „Die Leute sollen an der Langen Straße in den Bus einsteigen und nicht ins Auto“, erklärte er. Es seien gerade zwei weitere Bürgerbuslinien eröffnet worden. „Da ist ein solches Angebot nicht sehr glücklich.“

Kownatzki betonte, das ganze liefe auf eigene Gefahr. Außerdem sei er nicht der Ansicht, dass es einen solchen Run auf die Bänke geben werde, dass dies den ÖPNV schwächen könne. Auch Ralf Kinnius (UWG) bezweifelte, dass durch eine solch spontane, freiwillige Sache der ÖPNV zusammenbreche. Man müsse nicht alles reglementieren.

Schließlich wurde der Antrag mit einer knappen Mehrheit von zwei Stimmen angenommen.

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