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Auftragsarbeit: Spenger Tauchlehrer Martin O'Toole holt verlorenen Ehering aus Yachthafen

Herausgefischt!

Spenge (WB). Er taucht aus dem knapp vier Meter tiefen Wasser auf. In seinen dicken, schwarzen Handschuhen hält Martin O’Toole den Ring zwischen Daumen und Zeigefinger. Geschafft! Der Spenger Tauchlehrer hat einen Ehering, den ein Mann aus Lage im Becken des Mindener Yachthafens in Hahlen verloren hatte, mit einem Metalldetektor geortet und dann herausgefischt. Der Besitzer beobachtet ihn dabei. Ihm fällt ein Stein vom Herzen, als er das gute Stück wiedersieht.

Kathrin Weege

Happy End: 40 Minuten hat’s gedauert, dann hat der Spenger Tauchlehrer Martin O’Toole den Ehering eines Mannes aus Lage im Yachthafen in Minden mit dem Metalldetektor geortet und kurze Zeit später an die Wasseroberfläche befördert. Hier hält er das Schmuckstück in die Kamera. Foto:

Es ist nicht das erste Mal, dass O’Toole, der in Spenge eine Tauchschule betreibt, für eine solche Suchaktion angefordert wird. In diesem Jahr war er schon vier- bis fünfmal mit seinem Suchwerkzeug unterwegs – allerdings nicht immer im Wasser. „Für den Besitzer der Rings war das nicht einfach nur ein Schmuckstück. Er hatte den Ring schon 25 Jahre am Finger und ihn vor Kurzem auf besondere Weise aufarbeiten lassen. Es ging ihm nicht um den finanziellen Wert, sondern darum, was er ihm bedeutet“, erklärt der 41-Jährige.

Auftragsarbeit

Doch wie kam er an den Auftrag? Ein „Sondel“-Kollege – so nennen sich die Sucher mit den Detektoren – hatte O’Toole um Hilfe gebeten. Der Ring war an einem Freitag beim Ausschlagen einer Decke auf dem Boot vom Finger gerutscht und ins Kanalwasser gefallen. Versuche, den Ring selber mit dem Casher aus dem Wasser fischen, scheiterten. Dienstags war dann der Spenger vor Ort und hat 40 Minuten nach dem Schmuckstück gesucht. „Da muss man schon mit Plan vorgehen“, sagt der Experte.

Unter Wasser sieht man nichts

In einem Gespräch lässt sich der Tauchlehrer genau erklären, wo der Ring und in welcher Flugkurve ins Becken gefallen ist. „Ich prüfe dann mit einem ersten Detektor den Untergrund. Wie oft löst er aus? Im Hafen war es überschaubar. Liegt viel Metall herum – beispielsweise bei Kronkorken löst das Gerät ebenfalls aus – gibt es jede Menge Alarme“, erklärt der Spenger. Er grenzt den Bereich ein, in einer Hand hält er den Detektor, in der anderen eine Schnur, an der er sich Stück für Stück entlang tastet. „Im Wasser sehe ich nichts. Da ist es dunkel wie in der Nacht“, sagt O’Toole. Zu viele Schwebstoffe sind im Wasser aufgewirbelt. Und dann löst der Metalldetektor plötzlich wieder aus. Der Tauchlehrer greift in den Boden – und hat den Ring in der Hand. „Bloß nicht loslassen jetzt, habe ich gedacht.“ Schließlich habe er dicke Handschuhe getragen. Damit sei man nicht besonders fingerfertig.

Er findet fast alles

„Eigentlich finde ich fast alles, wenn man die Stelle eingrenzen kann, wo etwas verloren ging“, sagt der Spenger selbstbewusst. Er hat auch schon nach verstecktem Schmuck auf Grundstücken gesucht. „Das ist bei alten Höfen manchmal so. Als die Alliierten zum Ende des Zweiten Weltkriegs kamen, haben die Leute ihr wertvolles Hab und Gut schon mal im Garten vergraben“, so Martin O’Toole.

Seine Tauchschule hat zwar eine Spenger Anschrift (Biermannstraße), gleichzeitig aber betreibt er eine in Kalletal am Baggersee in Varenholz. „Dort bin ich seit fünf Jahren. Dieses Jahr war trotz Corona das beste – betriebswirtschaftlich gesehen“, erzählt er. Wie ist das zu erklären? Viele hätten im Sommer in Deutschland Urlaub gemacht und wollten etwas erleben. „Wir bieten auch Kurse für Kinder ab zehn Jahren an“, erklärt O’Toole. Neben dem See hat er auch Nutzungszeiten im Kalletaler Freibad. „Wegen der Pandemie konnten wir nur in kleinen Gruppen arbeiten. Alles, was am Körper getragen wird, musste ordentlich desinfiziert werden“, sagt der Tauchlehrer. Bei seinen Kursen wird das komplette Equipment – vom Anzug bis zur Sauerstoffflasche – gestellt.

„Kopf unter Wasser kriegen“

Auch im Winter geht die Arbeit für den Spenger weiter. Wenn der See nicht gerade zugefroren sei, könne getaucht werden. Auch erfahrenere Taucher kommen gerne nach Varenholz. „Der See ist toll und liegt sehr nah. Es muss nicht immer Ägypten sein“, meint er. „Einfach den Kopf unter Wasser kriegen“, das sei für Tauchfreunde Entspannung und Abschalten wie für andere das Joggen.

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