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Venezianisches „Open Air“ vor der Spenger Werburg – Horst Raack zeigt seine Kostüme

Klassische Premiere überzeugt

Spenge (WB). In Venedig wird seit jeher an allen möglichen Orten musiziert. Vivaldi und Monteverdi wurden in Palästen und ebenso in Waisenhäusern gespielt, in Theatern wie in Kirchen. In dieser Tradition ist das Ensemble „Musikalisches Tafelkonfekt“ am Sonntag mit dem Programm „Musica Veneziana“ vor der Werburg in Spenge aufgetreten – erstmals unter freiem Himmel.

Jane Escher

Für einen Abend in Venedig gehen die Zuhörerinnen und Zuhörer des „Musica Veneziana“ an der Werburg ein doppeltes Wagnis ein – und gewinnen. Nicht nur klingt die Musik auch „draußen“ fantastisch, trocken bleiben sie während des Konzertes ebenfalls. Foto: Jane Escher

Venezianische Klänge sind für das Duo „Musikalisches Tafelkonfekt“ ein Zeichen für Lebensfreude. Die Spritzigkeit der Musik ist es, die ihnen Spaß macht und die sie bei Konzerten vermitteln möchten. Dabei handeln die Stücke, die zu ihrem Programm „Musica Veneziana – Ein Abend in Venedig“ gehören, häufig auch von Liebeskummer, Zorn, Sehnsucht oder Schmerz. „Für uns ist das kein Widerspruch. Mit der Musik wird die ganze Palette abgedeckt, alle möglichen Gefühle erzählt und angesprochen“, erklärten die Musikerinnen Susanne Peuker und Annette John, die bereits seit 2005 als Duo auftreten.

Kombiniert mit Ausstellung

Peuker spielt meisterhaft das Archiliuto, eine Lauten-Art. John verzaubert mit Flöten aus verschiedenen Epochen. „Es ist unglaublich, wie geschickt die beiden mit ihren Instrumenten umgehen“, meinte Zuhörerin Doris Hinghaus begeistert. Ihr Können zeigten die Musikerinnen bei einer beeindruckenden Zusammenstellung von Stücken aus Barock und Renaissance. Zwischendurch erklärten die Musikerinnen ihre Instrumente, die Hintergründe der Lieder, lasen die Texte vor. Wenn diese auch von Kummer erzählten, klangen sie häufig ebenso spritzig wie sehnsuchtsvoll. „Das war für mich als Klassik-Liebhaberin ein schönes Erlebnis“, so Doris Hinghaus.

Einen optischen Ausflug nach Venedig können Besucher der Werburg seit Juni machen. Mit der Ausstellung von Horst Raack „Triumph in Venedig“ hat der Karneval Einzug gehalten . Präsentiert werden karnevalistische Kostüme, die an lebensfrohe Umzüge und Feste erinnern. Was würde besser zu dieser Ausstellung passen als ein Konzert, um dieses Lebensgefühl zu feiern: „Wir waren überzeugt, dass die Kombination aus Kostümen und Musik harmoniert und gut ankommen würde“, erzählte Heidrun Hellmann vom Stadtmarketing Spenge.

Publikumserfolg

Ursprünglich sollten Ausstellung und Konzert im Mai stattfinden. Sie wurden aufgrund von Corona verschoben. „Mit dieser Ausstellung haben wir die Werburg wieder hochgefahren. Das war ein Glücksfall. Sie läuft so gut und überregional wie kaum eine andere vorher“, berichtete der Vorsitzende des Werburg-Vereins Walter Best. Bei dem Besuch der Ausstellung wurde häufig auch nach dem Konzert gefragt, das eigentlich für die Innenräume der Werburg vorgesehen war. „Für uns kommt aber derzeit nur Open Air in Frage. Wegen des großen Interesses haben wir es nun gewagt und wurden nicht enttäuscht. Wir hätten statt 50 auch 150 Karten verkaufen können“, sagte Hellmann. Trotz des durchwachsenen Wetters waren alle Plätze belegt.

Die Musikerinnen waren positiv überrascht: „Es ist schon anders, aber die Atmosphäre hier hat auf jeden Fall etwas für sich“, betonte John. Begeistert war auch Kostümkünstler Horst Raack, der nach dem Konzert durch seine Ausstellung führte. „Die venezianische Kultur hat so viele spannende Bestandteile, von denen ein Teil heute zusammengeführt wurde“, so Raack. „Mit dem Konzert ist noch ein wenig mehr Live-Venedig nach Spenge gekommen.“

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