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Alexander Rettberg gestaltet Musikgarten für Tagespflege am St.- Martins-Stift

Melodien wecken Erinnerungen

Spenge (WB). Musik spricht Menschen jeden Alters auf einer emotionalen Ebene direkt an. Besonders an Volkslieder können sich Demenzkranke oft noch gut erinnern. Diese Erkenntnisse brachten Alexander Rettberg auf seine neueste kreative Idee: Er gestaltete einen Musikgarten für die Tagespflegegäste des St.-Martins-Stiftes in Spenge.

Ruth Matthes

Alexander Rettberg demonstriert das Windspiel am Instrumentenbaum. Mit einer Kugel kann man den Klangstäben schöne Klänge entlocken. Der Baum steht im Zentrum des neuen Musikgartens des Martin-Stiftes. Finanziert hat es der Förderverein. Foto: Matthes

Der Vorsitzende des Fördervereins, selbst Altenpfleger und Fachkraft für Gerontopsychiatrie am Wichernhaus in Herford, ist der kreative Kopf des Stiftes. Auch der Märchengarten vor dem Haupthaus war seine Idee. Nun hat sich der begeisterte Flohmarktgänger daran gemacht, die musikalischen Erinnerungen der Besucher der Tagespflege und der mobileren Heimbewohner zu wecken und sie zum Singen und Musizieren zu bringen. „Das steigert erwiesenermaßen das Wohlbefinden“, erklärt Rettberg.

Zwölf Stationen

Die Senioren können bei einem Rundgang durch den Garten der Tagespflege mit einer Pflegekraft an zwölf Stationen eine Art Musik-Quiz machen. So hat Rettberg jedem Lied bestimmte Gegenstände zugeordnet. Welches Lied steckt wohl hinter der Station mit der Puppe und den großen Wanderstiefeln? Genau: Das Wandern ist des Müllers Lust. Und was haben die turtelnden weißen Täubchen im Vogelhaus zu bedeuten? Hier wollte eindeutig ein Vogel Hochzeit feiern.

Dr. Matthias Kramer (von links), Martin Melchior, Alexander Rettberg, Gabriele Schmidtke und Inge Tiemann am Klavier. Foto: Matthes

Doch mit dem Raten ist es nicht genug. Die Besucher finden an den Stationen auch die passenden Liedtexte. Außerdem können sie einen MP3-Player und eine kleine Lautsprecherbox mit auf ihre Gartenrunde nehmen. „Zu jeder Station können sie das entsprechende Lied abspielen lassen und dazu singen“, erklärt Rettberg.

Ergänzend hat er Porträts von Komponisten und bekannten Sängern aus der Jugend der Besucher am Gartenzaun befestigt, die ebenfalls das Langzeitgedächtnis aktivieren sollen. Selbst Musik machen können die Tagesgäste aber auch. „Eine Musiklehrerin hat mir ein altes Klavier zur Verfügung gestellt“, erzählt Rettberg. Außerdem gibt es einen Instrumentenbaum, an dem ein Windspiel hängt, dem man mit einer Kugel Töne entlocken kann. Eine Kiste mit weiteren kleinen Instrumenten hat er ebenfalls vorbereitet.

Eröffnet werden soll der Musikgarten am Mittwoch, 2. September, mit einer kleinen internen Feier.

Tagespflege

„Wir wollen an diesem Tag auch den fünften Geburtstag der Tagespflege feiern“, sagt Einrichtungsleiter Dr. Matthias Kramer. Wegen der aktuellen Hygienebestimmungen sei leider ein großes Fest nicht möglich. Immerhin ist ein Musiker eingeladen, den Geburtstag zu begleiten.

Die Tagespflege ist nach viereinhalb Monaten coronabedingter Schließung seit drei Wochen wieder geöffnet. Natürlich unter bestimmten Voraussetzungen: „Wir müssen jeden Morgen eine Symptomkontrolle vornehmen, den Abstand von 1,5 Meter einhalten, die Mitarbeiterinnen tragen Masken, die Gäste jedoch nicht.“

Die Zahl der Betreuten werde derzeit langsam auf zwölf täglich gesteigert. Wer neu hinzu kommt, muss einen negativen Corona-Test vorlegen.

„Eine Schwierigkeit besteht derzeit leider in der Integration sehr mobiler dementer Gäste“, bedauert Kramer. Er freut sich, mit dem ein Stück Normalität in den Alltag bringen zu können.

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