1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Spenge
  6. >
  7. Polka ohne Pogo

  8. >

150 Zuhörer beim ersten Von-Weiden-Konzert seit Weihnachten

Polka ohne Pogo

Spenge (WB). Mal sind sie adrett und elegant im Großstadt-Musikpalast, mal retten sie via Online-Crowdfunding den Grandmonarch – am Freitagabend folgte die Band Von Weiden einfach dem Ruf der Provinz ins Werburger Waldbad, um auf ihrem ersten Konzert seit neun Monaten Geschichten von Habicht und Holunder zu erzählen.

Thomas Meyer

„Es ist uns ein inneres Blumenpflücken, mal wieder auf der Bühne zu stehen.“ Das Konzert im Spenger Waldbad war coronabedingt der erste Auftritt der Band Von Weiden seit Weihnachten. Dafür gab es einen Vorgeschmack auf das neue Album „Grandmonarch“. Foto: Thomas Meyer

Den Spengern muss man Bardüttingdorfs Dorfkapelle gottlob nicht mehr erklären. Ist auch schwierig, denn mit „Polka“ und „Reminiszenzen an das Landleben“ ist nicht einmal die Hälfte gesagt. Von Weiden hat einen unvergleichlichen Stil gefunden – oder erfunden – und kontinuierlich weiterentwickelt.

Zuletzt ging es um das neue Album „Grandmonarch“, ein Multimediaprojekt mit Hörspiel und Bilderbuch, dessen Produktion die Band per Internetkampagne finanziert hat. Im Spenger Freibad gaben sich die Musiker wieder ganz bodenständig, wie es sich für ein Konzert nahe ihrer Keimzelle gehört.

Klatschen im Viervierteltakt

„Ihr dürft ja nicht tanzen. Wir machen dann mal Tanzmusik. Bin gespannt, wie ihr das löst.“ Die staubtrockenen und dabei doch so feinsinnigen Ansagen von Frontmann Henning „Henk“ Kreft helfen sehr dabei, Von Weiden zu verstehen.

Wenn die Kapelle über Äpfel und Birnen singt ist das absolut authentisch. Und wenn Henk von Umarmung im Geiste und dem entsprechenden „Mindset“ fabuliert eben genauso. Und auch die Ergriffenheit der Bandmitglieder angesichts der Tatsache, dass das letzte Konzert vor Weihnachten stattgefunden hatte und seitdem alles abgesagt werden musste, verdeutlichte, dass hier kein Kunstprodukt verkauft wird, sondern Musiker mit Leib und Seele auf der Bühne stehen.

„Es ist uns ein inneres Blumenpflücken, mal wieder auf der Bühne zu stehen“, um es mit Henks Worten zu sagen.

Neben gefühlvollen Hymnen wie „Der letzte Marsch“ und den grandiosen Soli der versierten Instrumentalisten bleibt die Polka der Dreh- und Angelpunkt der Weiden-Musik. Wenn Sängerin Greta Schwekendiek beim letzten Refrain der „Julischka aus Budapest“ ihre Stimme kunstvoll überschlagen lässt, dann ist das ganz großes Kino, so wie die vielen Tempo- und Dynamikwechsel und immer wieder die Rückkehr zum stampfenden Zweivierteltakt.

Zugabe mit „Abschied“

„Ihr dürft auch gerne westfälisch im Viervierteltakt mitklatschen“, erlaubte Henk dem Publikum, und davon machten die 150 Besucher Gebrauch.

Die Stadt Spenge hatte das Konzert organisiert und damit auch sicherheitsmäßig abgesegnet. Fehlender Pogo vor der Bühne sorgte natürlich für eine gewisse Diskrepanz zum Warmenau Open Air, bei dem die Band immer wieder eindrucksvoll demonstriert, wie sehr ihr junges Publikum auf die zeitlose Musik abfährt.

Aber das Tanzen am Platz passte zur gemütlichen Spätsommernachtsatmosphäre, in die Von Weiden ihre Fans mit mehreren Zugaben und dem Lied „Abschied“ entließ.

Startseite
ANZEIGE