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Liederabend an Werburg: Banquetto Musicale vermittelt Lebensgefühl der Ex-Bewohner

Sehnsüchte und Ängste vertont

Spenge (dd). Wie ließen sich Zeitgeist und Lebensgefühl einer Epoche besser nachempfinden als beim Eintauchen in zeitgenössische Musik? Zum Liederabend hatte das Werburg-Museum in Spenge am Samstagabend ins Torhaus geladen. Das Duo Banquetto Musicale mit Barbara Willimek und Martin Junge unterhielt mit einer Zusammenstellung aus Lauten- und Flötenspiel sowie Gesang. »Wir folgen mit unserem Konzert den Eckdaten der Burg«, erklärte die Flötistin einführend.

Barbara Willimek und Martin Junge gehen als Banquetto Musicale auf musikalischen Streifzug durch die Geschichte. Foto: Daniela Dembert

Die Kompositionen und Dichtungen reichten vom Mittelalter über Renaissance und Frühbarock bis in die Empfindsamkeit. Volkslieder wie »Wo soll ich mich hinkehren?« geben einen Eindruck von der Verzweiflung der in Armut lebenden Bevölkerung im 16. Jahrhundert. Kummer und Perspektivlosigkeit werden im Wein ertränkt. Dem gegenüber stellte das Musikerduo romantische Liebeslieder. Tiefgläubige Demut ist Inhalt der ersten Ausgabe der »Genfer Psalter« von 1539. Mit Versen in deutscher und französischer Sprache wird Gott gepriesen. Die Kompositionen seien bewusst schlicht gehalten, um nicht vom Text abzulenken, erklärte Altstimme Barbara Willimek: »Die Musik ist hier also bewusst Dienerin des Wortes.«

Lebensgefühl vermittelt

Das Team des Werburg-Museums ist stets bemüht, die vergangenen Epochen anhand der Gebäudemerkmale, historischen Funde und Dokumentationen begreifbar zu machen. Nur folgerichtig war die Entscheidung, Musik in das museumspädagogische Programm einzubeziehen. Sie gibt Aufschluss über das vorherrschende Lebensgefühl der verschiedenen Gesellschaftsschichten in den einzelnen Epochen.

Sehnsüchte, Ängste, Glauben und Moden finden musikalischen Ausdruck in der Auswahl von Banquetto Musicale. Werke von Pierre Attaingnant und Heinrich Schütz zeugen vom Gräuel des 30-jährigen Krieges. Die Komposition »La guerra« intoniert hektisches, getriebenes Marschieren. »O süßer, o freundlicher« aus »Kleine geistliche Konzerte I« vertont eine flehentliche Heilsuche im Glauben. Zum Kontrast bieten sich Kompositionen, die von Liebe und Glück erzählen. Das jüngste Konzert war Bestandteil der Feierlichkeiten zum 550-jährigen Bestehen der Werburg.

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