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Übergriff auf Kind in Spenge: Pflegevater des Verdächtigen (14) wirft Kreisjugendamt Untätigkeit vor

»Sexualtat hätte verhindert werden können«

Spenge (WB). Der sexuelle Übergriff auf einen neunjährigen Grundschüler am 17. Mai in Spenge-Lenzinghausen (Kreis Herford) hätte vermieden werden können. Das jedenfalls behauptet Michael Bergemann, der Pflegevater des 14-jährigen Verdächtigen, der geistig behindert ist.

Gerhard Hülsegge

Michael Bergemann hat versucht, für seinen Pflegesohn einen Betreuungsplatz zu finden. Anfragen wurden jedoch ignoriert. Foto: Gerhard Hülsegge

Wie am Samstag berichtet, hatte sein Pflegesohn den Grundschüler, der auf dem Weg vom Offenen Ganztag nach Hause war, auf einer Bank gezwungen, sich teilweise auszuziehen. Was dann genau passierte, versucht die Kripo noch zu klären.

»Es tut mir unendlich leid, was passiert ist. Und ich wünsche den betroffenen Eltern viel Kraft und dass sie bessere Unterstützung erfahren, als sie mir zuteil geworden ist«, sagt der 45-Jährige dem WESTFALEN-BLATT. Allerdings ist er auch der Ansicht: »Man hätte diesen Vorfall vermeiden können, wenn das Jugendamt, aber auch andere Einrichtungen, sofort reagiert hätten. Ich habe alles versucht und bin immer nur auf Ablehnung und Absagen gestoßen.« So sei die Unterbringung des Jungen etwa in eine Wohngruppe bis zu dem Vorfall nicht zustande gekommen.

Ähnlicher Vorfall bereits im November 2017

Laut Bergemann hat es einen ähnlichen Vorfall bereits im November 2017 gegeben. Zu einem weiteren Übergriff sei es am Ostermontag 2018 im Lenzinghausener Freibad gekommen. »Ich habe unseren Pflegesohn mit einem anderen Kind auf der Toilette erwischt«, so Bergemann.

Am Dienstag nach Ostern habe er dann die Beratungsstelle des Kreis-Jugendamts in Spenge (die Stadt verfügt über kein eigenes Jugendamt) angerufen und darum gebeten, den 14-Jährigen in Obhut zu nehmen. Das sei aber abgelehnt worden. Erst nach dem jüngsten Überfall auf den Neunjährigen sei der Kreis aktiv geworden und habe für die Unterbringung des Jungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Bad Salzuflen gesorgt. »Das ging dann ganz schnell, innerhalb von vier Stunden«, wundert sich Bergemann.

Sein Pflegesohn lebt seit seiner vierten Lebenswoche bei dem Pflegevater, der sich von seiner Frau getrennt hat und zurzeit ohne Arbeit ist. Die leibliche Mutter des Kindes aus Stadthagen kümmert sich alle 14 Tage um das Kind. Dass der 14-Jährige behindert ist, wurde der Pflegefamilie erst später bewusst.

Suche nach einem Therapieplatz ergebnislos

Bergemann hat eigenen Angaben zufolge danach mehrmals versucht, das behinderte Kind aus der Tagesklinik in Bad Salzuflen heraus in einer Wohngruppe unterzubringen. Die Suche nach einem Therapieplatz sei allerdings ergebnislos verlaufen. Auch das Jugendamt in Stadthagen, dem Wohnort der Mutter, war involviert. Allerdings hielt man sich dort nicht für zuständig. Schließlich hat Michael Bergemann gar versucht, seinen Sohn gerichtlich in eine Klinik einweisen zu lassen. Auch das misslang. Stattdessen wurde dem Spenger geraten, die Vormundschaft für das Kind niederzulegen.

Bergemann ist froh, dass von dem 14-Jährigen jetzt keine Gefahr mehr ausgehen kann. Er sucht selbst die Öffentlichkeit. »Ich habe alles versucht, das Geschehene zu verhindern und will Missstände aufzeigen«, erklärt er. Sein Wunsch: Der Kreis Herford möge in Zukunft besser reagieren bei Kindern, von denen eine Gefahr ausgehe.

Der Kreis wollte sich gestern nicht zu der Kritik äußern. Eine Sprecherin: »Das Jugendamt des Kreises Herford gibt grundsätzlich keine Stellungnahmen zu laufenden Fällen, vor allem um Betroffene zu schützen, aber auch um Ermittlungen nicht zu behindern.«

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