Ein historischer Spaziergang auf dem Friedhof Spenge-Mitte

Steinerne Zeugen vergangener Zeit

Spenge

In diesen November-Tagen ist es Brauch, die Gräber der Verstorbenen zu besuchen. So werden auch am 22. November, dem Totensonntag, wieder viele Menschen auf den Friedhof Spenge-Mitte kommen. Doch auch an anderen Tagen ist er einen Besuch wert, denn die zahlreichen historischen Gräber dort sind eng mit der Geschichte der Stadt verknüpft.

Ruth Matthes

Der Spenger Friedhof ist nicht nur am Ewigkeitssonntag einen Besuch wert. Diese Steine erinnern an prägende Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Foto: Ruth Matthes

Einer, der sich mit den steinernen Zeitzeugen bestens auskennt, ist Stadtführer Eberhard Groeger. Er weiß, wo sich die Grabsteine des ersten akademisch ausgebildeten Arztes der Stadt, Dr. Giesbert Fischer, der Verwalter der Werburg und der Amtmänner befinden und wer einst das imposante Familiengrab der Oldemeiers entwarf. Es war ein Spross der Sägewerks-Familie, Friedrich Wilhelm Oldemeier, der auch Architekt des Kriegerdenkmals ist. Die Familie, so erzählt Groeger, hatte großen Einfluss. Sie war es auch, die Spenge mit ihrem Generator den ersten Strom lieferte.

Das Familienbegräbnis steht mittlerweile unter Denkmalschutz, ebenso wie das Kriegerdenkmal und der Obelisk, der an den Feldzug von 1870/71 erinnert. „Der Adler, der darauf thront, wurde vom preußischen König gestiftet“, berichtet Groeger. Ursprünglich stand das Denkmal vor der Menkhoffschule, an deren Stelle heute die OGS der Grundschule steht.

Unternimmt man mit dem Heimatforscher einen historischen Rundgang über den Friedhof, dann steuert er zunächst auf eine Gruppe alter Grabsteine zu. Dabei handelt es sich um die Gräber der Familie Seippel aus dem 19. Jahrhundert und weiterer bedeutender Persönlichkeiten der Zeit.

Hier liegt auch derjenige begraben, der 1830 diesen neuen Friedhof einweihte, nachdem auf dem Friedhof an der St. Martins-Kirche kein Platz mehr war: Pastor Ludwig Gottlieb Seippel. Er war auch der erste, der hier beerdigt wurde, denn er starb bereits 1834. Wer ein Familiengrab an der Kirche hatte, konnte bis 1870 noch dort seine Toten beerdigen.

Seippel war es auch, der den Bau des späteren Hauses Bünger neben dem Friedhof veranlasste. „Er ließ es für seine Frau Friedericke als Witwenwohnung errichten, die jedoch nie dort lebte, weil sie zu früh starb“, erzählt Groeger. Dafür zog dort Seippels zweite Frau Ernestine ein. Auch deren Namen sind auf dem mit einer Sonne gekrönten Grabstein verzeichnet.

Dass eine Sonne und kein Kreuz den Grabstein ziert, erklärt Groeger mit der Haltung des Pastors: „Er war ein Mann der Aufklärung, der Jesu Leben als nachahmenswertes Beispiel sah, dem der Mensch aus Vernunftgründen folgt.“

Die Spenger hätten ihm darin nicht folgen können und die Kirchen leerten sich. „Das änderte sich, als sein Nachfolger, Pastor Ernst Friedrich Weihe, nach Spenge kam, der von der Erweckungsbewegung geprägt war“, erläutert das Heimatvereinsmitglied. „Während der auch in Spenge flammenden Revolution bemühte er sich, die Kontrahenten beim Abendmahl an einen Tisch zu bekommen.“

Weihes Grabstein befindet sich heute im nördlichen Friedhofsteil, der 1854 hinzukam. Er gehört zu einer Ansammlung historischer Steine, die teilweise noch vom alten Friedhof stammen, wie der Grabstein von Anna Kindermans, Frau eines Großbauern, von denen sich einige imposante Denkmäler gesetzt haben.

Neben Pastor Seippel liegt sein Bruder Rudolf Philipp, der erste hauptamtliche Bürgermeister. „Er kam 1809 nach Spenge und bewegte viel“, erzählt Groeger. „Er hat im napoleonischen Sinne die Verwaltung reformiert. Dabei war er so erfolgreich und beliebt, dass auch die Preußen, die nach der Völkerschlacht wieder das Sagen hatten, ihn als Bürgermeister einsetzten.“

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