1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Spenge
  6. >
  7. „Unsere Kartoffel-Lager waren leer“

  8. >

Bauern spürten Folgen der Hamsterkäufe – Spenger Hof Riepe arbeitete Tag und Nacht

„Unsere Kartoffel-Lager waren leer“

Spenge (HK). „Der Trend zur Regionalität hält an. Die Menschen wissen den Bauern in der Nachbarschaft wieder mehr zu schätzen“, sagt Tim Fischer-Riepe. Der Kartoffelbauer aus Spenge hat turbulente Monate hinter sich, verzeichnet aber für den Betrieb, den er gemeinsam mit seinem Onkel Klaus Fischer-Riepe betreibt, eine positive Bilanz der Corona-Krise.

Daniela Dembert

Am Verleseband sichtet Tim Fischer-Riepe die Kartoffeln und sortiert sie nach Größe und Güte. Schadhafte Kartoffeln werden zu Viehfutter. Der Kartoffelbauer aus Hücker-Aschen beliefert den regionalen Einzelhandel. Foto: Daniela Dembert

„Mit der Schulschließung Mitte März ging es so richtig los“, blickt der Agrarwirt zurück. Während der Phase der Hamsterkäufe habe zum Teil keine einzige Kartoffel mehr in den Boxen der Gemüseabteilungen seiner Handelspartner gelegen. „Da haben wir Tag und Nacht abgepackt und ausgeliefert.“

Um im Fall einer Infektion nicht handlungsunfähig zu werden, habe sein Onkel Klaus sich in seinen Zweitwohnsitz nach Schleswig-Holstein zurückgezogen. „Sozusagen als Back-up.“

Menschen kochen zu Hause

Nach den ersten Wochen des Hamsterns sei der Verkauf konstant weiter sehr gut gelaufen. „Die Menschen haben zuhause gegessen und sich auch die Zeit zum Kochen genommen“, begründet der Kartoffelbauer. Auch der Hofverkauf im März und April habe gezeigt, dass viele Menschen den Supermarktbesuch noch gemieden hätten.

Kurz vor der neuen Ernte der Frühkartoffeln seien die Lager tatsächlich nahezu leer gewesen, unter anderem wegen der Ernteeinbußen in den vergangenen beiden sehr trockenen Jahren.

Als Kartoffelproduzenten stehen die Fischer-Riepes vergleichsweise gut da. In anderen landwirtschaftlichen Zweigen wie dem Erdbeer- und Spargelanbau, die mit wesentlich mehr manuellem Arbeitsaufwand verbunden sind, machte sich die Situation durch erhebliche Mehrkosten für Erntehelfer bemerkbar.

Erntehelfer aus der Region

Auf dem Kartoffelhof in Hücker-Aschen ist nur ein kleines Team beschäftigt. „Zur Erntezeit haben wir noch einige zusätzliche Kräfte, aber auch die sind hier ansässig, kommen nicht aus dem Ausland“, sagt Tim Fischer-Riepe.

Die Fischer-Riepes bauen ausschließlich Speisekartoffeln für den regionalen Einzelhandel an und sind somit von der Misere der Pommes-Kartoffel-Bauern verschont geblieben. „Kollegen, die für die Gastronomie produzieren, sind zunächst auf ihrer Ware hängen geblieben. Pommes-Kartoffeln werden vergleichsweise warm gelagert und haben somit eine kürzere Haltbarkeit. Ein Teil der Ware ist dann in die Tierfutterproduktion und Biogasanlagen gewandert, ein anderer als Speisekartoffel in den Einzelhandel“, weiß Tim Fischer-Riepe zu berichten.

Seit 25 Jahren Direktvermarkter

Auf circa 25 Hektar baut der Betrieb Kartoffeln an und war vor 25 Jahren Vorreiter des regionalen Direktvermarktens der Erdäpfel. Tim Fischer-Riepe blickt zurück: „Mit dem Marktkauf am Deichkamp in Herford fing damals alles an. Mein Onkel hat das Konzept ins Rollen gebracht und weiter ausgebaut.“ Dieses Jubiläum möchte die Familie mit ihren Kunden feiern. Fischer-Riepe erklärt: „Wir haben einige alte Sorten wie Cilena und Granola, die uns im Lauf der Jahre begleitet haben, wieder im Sortiment und bieten auch einige ganz neue an. Außerdem halten wir als Dankeschön in der Frühkartoffelzeit an unseren Preisen und Gebindegrößen fest, obwohl die Frühkartoffel im Anbau sehr aufwändig ist.“

Startseite
ANZEIGE