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Asylbewerber (25) aus Spenge wegen sexueller Nötigung vor Gericht

Urteil: ein Jahr Haft auf Bewährung

Enger/Spenge (WB/gge). Er muss nicht ins Gefängnis, aber zahlen: Ein 25-jähriger Asylbewerber ist am Mittwoch vom Amtsgericht Herford wegen sexueller Belästigung, Nötigung und sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss der Afghane 1500 Euro (zu zahlen in Monatsraten von je 50 Euro) an den Kinderschutzbund Bünde entrichten und einen sozialen Trainingskurs besuchen.

Im St.-Martins-Stift kam es im Patientenzimmer zum Gerangel. Foto: Gerhard Hülsegge

Auch entschied das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Dr. Tanja Schwöppe-Funk, dass der Angeklagte die Kosten des Verfahrens sowie sämtliche Auslagen auch der Nebenklage zu tragen hat. Die Bewährungsfrist beträgt drei Jahre. Berufung ist möglich. Verteidiger Achim Depenbrock hatte auf Freispruch plädiert. Staatsanwältin Julia Schikowski hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung gefordert.

Keine Zweifel an Aussagen

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Beklagte 2017 in insgesamt drei Fällen Mädchen im damaligen Alter von 11, 12 und 15 Jahren gegen deren Willen bedrängt, geküsst und unsittlich an die Brust gefasst hat. Die Taten haben sich nach Angaben der Opfer in den Bereichen der Spenger und Engeraner Jugendzentren (Charlottenburg und Kleinbahnhof) sowie im St.-Martins-Stift in Spenge zugetragen. Eltern hatten daraufhin Strafanzeige erstattet.

Letzteres nahm Richterin Schwöppe-Funk als Beleg dafür, dass den Schilderungen der Mädchen in vollem Umfang Glauben zu schenken sei. Sie hatte »keinen Zweifel daran, dass sie die Wahrheit gesagt haben«.

Die letzte der drei betroffenen Zeuginnen hatte noch am zweiten und letzten Verhandlungstag ausgesagt. Hierfür (und auch für die Plädoyers) wurde zum Schutz der Jugendlichen – wie schon am Montag – die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Abschiebung droht

Als besonders erheblich wertete das Gericht insbesondere einen Vorfall im St.-Martins-Stift. Im Spenger Alten- und Pflegeheim an der Poststraße hatte der Beklagte, der dort als Reinigungskraft tätig war, eine 15-jährige Praktikantin im Patientenzimmer gegen eine Schrank gedrückt, sie am Hals geküsst und an den Po gefasst. »Er hat nicht losgelassen, dann ist das Nötigung«, so die Richterin in der Urteilsbegründung.

Dem Asylbewerber, der seit 2016 in Deutschland lebt, gab an, vor den Taliban geflüchtet zu sein, die ihn gefoltert hätten. Der junge Mann, der nach eigenen Angaben das Abitur besitzt und zurzeit für 1300 Euro netto im Monat als Möbelmechaniker arbeitet, ist bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Sein Asylantrag ist abgelehnt, wogegen der Afghane vor dem Verwaltungsgericht klagt. Deshalb ist ihm der Aufenthalt in Deutschland vorerst weiter gestattet. Sein Anwalt rechnet mit der Abschiebung..

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