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Zwischen Glück und Sorgen: Nigerianische Familie feiert Heiligabend in Spenger Notunterkunft 

Weihnachten auf kleinstem Raum 

Spenge (WB). Es wird ein Weihnachten, wie sie es noch nie erlebt haben. Auf der einen Seite erleben es der Nigerianer Peter Odion und seine Familie in einem Land, in das sie so gerne wollten. Auf der anderen Seite plagen sie Sorgen und Nöte, von denen sie vorher nichts ahnten. Nach der Tradition in ihrer Heimat ist Weihnachten ein fröhliches Fest – doch davon ist derzeit nicht viel zu spüren.

Mareikje Addicks

Mit seiner Frau Maibel (von links), Tochter Teresa (2) und Sohn Mike (3) feiert Peter Odion in diesem Jahr Weihnachten in bescheidenen Verhältnissen. Geschenke kann er seiner Familie keine machen. Aber das stehe gerade auch nicht an erster Stelle, sagt er. Foto:

 Im Oktober kam Peter Odion mit seiner Familie nach Deutschland. Seit Ende November lebt er mit seiner Frau Maibel und den beiden Kindern Mike und Teresa in Spenge. Gemeinsam teilt sich die Familie zwei kleine Räume in der Notunterkunft »Am Bahnhof 11«. Es ist beengt. Die Kinder spielen mit dem Kinderwagen, indem sie in dem kleinen Zimmer einfach hin- und herfahren. Festtagslaune mag sich da nicht richtig einstellen.

 Wenn sich Peter Odion an die Weihnachtstradition in seiner Heimat Nigeria erinnert, beschreibt er bunte Festtage. »Die ganzen Familien kommen in den Dörfern zusammen und feiern gemeinsam ein großes Fest«, sagt der 38-Jährige. Da Nigeria ein großes Land ist und die Familien oft weit auseinander wohnen, ist dies die Zeit, in der sich die Verwandten treffen. Und da sich nicht alle an Heiligabend sehen können, wird schon in der ganzen Vorweihnachtszeit gefeiert, und es werden Geschenke verteilt – über Silvester hinweg bis zum 5. Januar.

 In den Dörfern seiner Heimat geht es dabei farbenfroh und recht laut zu: »Die Männer ziehen sich bunte Kostüme an und setzen große Masken auf. Dann tanzen sie einen speziellen Tanz, der sich von Dorf zu Dorf unterscheidet und nur zu besonderen Anlässen getanzt wird.« Auf einem Laptop zeigt er ein Video eines solchen Tanzes. Pirouetten drehend springen die verkleideten Männer zu rhythmischen Trommelklängen durch die Luft. Es erinnert den Betrachter entfernt an Breakdance. Am Rande hat sich die Dorfgemeinschaft versammelt und jubelt den Akrobaten zu.

 Der Gedanke an Weihnachten aber bedrückt Peter Odion nun. Der Familienvater, der in Nigeria in einer Fotodruckerei gearbeitet hat, sagt: »Ich werde meiner Familie in diesem Jahr keine Geschenke machen können. Dafür fehlt uns einfach das Geld, solange ich keine Arbeit habe.« Es geht in diesem Jahr darum, das Bestmögliche aus der Situation zu machen. Zusammen mit Richard Ajayibaba, der ebenfalls mit seiner Frau und zwei Kindern in derselben Notunterkunft lebt, möchte die Familie feiern. Auch für Peter Odions Landsmann ist das Leben in der Notunterkunft beschwerlich.

 »Wir haben hier einfach keine Privatsphäre«, sagt Richard Ajayibaba. Im Gegensatz zu Peter Odions Familie hat er mit Frau und Kindern nur einen Raum zugeteilt bekommen, in dem alle gemeinsam essen, schlafen und den Alltag verbringen. »Das ist sehr anstrengend«, sagt der Nigerianer. Doch wenigstens zu Weihnachten wollen sie zusammen eine schöne Zeit verleben. »Ich kümmere mich ums Essen«, sagt Peter Odion. »Ich bin ein guter Koch.« Es soll Reis, Fleisch und eine nigerianische Pfeffersuppe geben, verrät er. Neben einem Festessen gleicht sich auch eine andere Tradition mit deutschen Bräuchen: »Als Katholik gehe ich mit meiner Familie zu Weihnachten natürlich auch in die Kirche«, sagt Peter Odion. In seiner Heimat werden dort Lieder gesungen, die man auch hierzulande kennt. »We wish you a merry Christmas« zum Beispiel wird dort zu Weihnachten angestimmt. »Ich bin sehr gespannt darauf, wie Weihnachten in einer deutschen Kirche gefeiert wird.« Den Gottesdienst wollen er und seine Frau Maibel mit ihren Kindern in der St. Joseph-Kirche erleben. »Dort wird sicherlich vieles anders zelebriert, aber letztendlich geht es doch darum, in einer Kirche nah bei Gott zu sein, ihn zu preisen und ihm zu danken. Da kommt es auf die einzelnen Bräuche überhaupt nicht an.«

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